Schönebeck l Zu ihrem 100. Geburtstag bekam Elise Reiche am Sonnabend viele Glückwünsche, Blumen und Präsente. Darunter auch von Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch. Doch das Gratulieren erfolgte beidseitig. Die Jubilarin wünschte dem neuen Stadtoberhaupt für seine Amtszeit alles Gute. Nichte Ingeburg Großkopf sagte schmunzelnd: "Sie hat die Wahl mitverfolgt."

Elise Reiche, die im Wohnheim Burghof der Diakonie lebt, ist geistig noch sehr fit. Sie liest jeden Tag die Volksstimme. Ihre Nichte weiß: "Sie wollte immer viel lernen, ist sehr intelligent."

Ursprünglich kommt Elise Reiche aus dem Vorharz. Im Krankenhaus Quedlinburg hat sie Krankenschwester gelernt, war während des Krieges in Frankreich und Russland eingesetzt. Sie hat sich danach zur Oberschwester weitergebildet, war dann sogar Oberin für den gesamten Schönebecker Kreis. Dem Krankenhaus ist sie auch im Ruhestand eng verbunden geblieben. Sie hat die dortige Bibliothek übernommen, ist mit Lesestoff von Zimmer zu Zimmer. Und sie hat die Treffen der ehemaligen Mitarbeiter des Klinikums, die bereits im Ruhestand sind, organisiert.

Somit war es für Guido Lenz, Direktor des Ameos-Klinikums Schönebeck, eine Selbstverständlichkeit, auch Glückwünsche zu überbringen. Als Präsent hatte er einen Druck mit historischen Krankenhaus-Bildern dabei. Und Cornelia Heller, Sprecherin des hiesigen Klinikums, verweist auf die Chronik "100 Jahre Kreiskrankenhaus Schönebeck". An dieser hat Elise Reiche nicht nur als Autorin mitgearbeitet, sondern ist auch selbst auf einem Bild darin verewigt - als sie den Karl-Marx-Orden verliehen bekam.

Am Nachmittag hat sie ihren Geburtstag mit all ihren Bekannten gefeiert. Und das sind nicht wenig - ihr Freundeskreis ist groß. "Das ist alles nur möglich, wenn man Leute hat, die sich für einen einsetzen. Wie meine Nichte, sie kommt jede Woche von Quedlinburg hierher. Und hier ist noch Christa Eichler, meine frühere Sekretärin. Sie macht so viel für mich", erzählte Elise Reiche.

Liane Daniel, Pflegedienstleiterin des Hauses, schätzt die Jubilarin sehr. "Sie ist bescheiden, viel zu bescheiden...", sagte sie und zeigte Elise Reiche die Übersicht der Geburtstage in der Zeitung: "Sie haben ein neues Ziel, Frau Reiche, in Gnadau ist jemand 103 geworden."