Welsleben l Der Turm von Welslebens Kirche St. Pankratius ist weit über die Dächer des Ortes sichtbar. Er hat einen kleinen Bruder, in unmittelbarer Nachbarschaft. Es ist der Turm auf dem Rittergut in Welsleben, auch Fischenbecks Hof genannt.

Die Heimatgeschichtsforscher Helmut Hausmann und Harald Küster machen auf dieses Kleinod aufmerksam. "Ich bin davon ausgegangen, dass es sich um einen Taubenturm handelt", sagt Harald Küster. Doch die Funktion des kleinen Dachreiters muss eine andere gewesen sein. In dem Turm, so Helmut Hausmann, hing eine Glocke. "Sie hat die Arbeitszeiten ein- und ausgeläutet", sagt der Hobbyhistoriker. Für diese These spreche zum einen, dass der Turm keinerlei Einflugschneisen für Tauben zeige. Zum anderen sei das Rittergut in Welsleben ein bedeutendes gewesen. Hier arbeiteten viele Bauern, hatten Frontdienste zu leisten, hier war die niedrige Gerichtbarkeit. Die Anlage ist stattlich: "Der Pacht- und Amtshof mit 220 Fuß im Geviert", heißt es in Chroniken.

Letzte Besitzerin war Johanna Fischenbeck

"Seit 1692 war das Rittergut verpachtet", sagt Harald Küster. Doch die Geschichte des Gutes reicht viel weiter in die Zeit des Mittelalters zurück. 1240 wurde das Domkapitel Magdeburg Lehnsherr. Es verkaufte das Gut Welsleben an den Ritter Otto von Welsleben, dessen Nachkommen das Rittergut 1371 wieder an das Domkapitel zurückgaben. 1484 erfolgte eine Belehnung des Ritterguts an die Familie von Pletz. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges blieb der Ort nicht vor Verwüstungen und Plünderungen verschont. Die Geschichte ist hier auch nicht spurlos am Gut vorbeigegangen. Wie auch zur Besatzungszeit durch Napoleons Truppen.

Die letzte Besitzerin des Hofes war Johanna Fischenbeck. Daher rührt auch der noch vielen heute bekannte Name Fischenbecks Hof. Auch der Name Hof Recklebe kursiert noch. "Namen, die bis heute einen Bezug zum Ort haben", sagt Harald Küster.

Wann der Turm auf das Dach des Hofes gekommen ist, ist den Hobbyhistorikern nicht genau bekannt. Manche Quellen geben das 18. Jahrhundert an, was relativ spät wäre für einen Glockenturm, der Arbeitsdienste umrahmt.

Höfe geben Welsleben einzigartiges Gepräge

Fest steht aber, und das zeigen das alte Gut und seine Nachbarhöfe deutlich, in Welsleben gibt es noch viele geschlossene Hofanlagen, wie in der Langen Straße/Mühlenstraße/Krumme Straße, die dem Ort eine geschlossene und städtebaulich einheitliche Struktur geben. Welsleben weist eine Vielzahl denkmalgeschützter Gebäude und baulicher Anlagen auf. Das sind nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Stallanlagen, Einfriedungen, Tore und Torbögen in einer großen Vielfalt. Einiges wird durch Privatinitiative erhalten.