Das Interesse am Heiraten hat wieder zugenommen. Das geht aus einer Statistik hervor, die die Volksstimme vom Rathaus anfragte. Wurden im Jahr 2012 noch 103 Eheschließungen vollzogen, waren es ein Jahr später schon 20 mehr.

Schönebeck l "Och nö" und ein absolutes "Nein" sind Wörter, die Barbara Köhler und ihre Kolleginnen gar nicht gern hören wollen. Und wie der Zufall es will, gab es die plötzlich ablehnenden Haltungen auch im Jahr 2013 nicht während des Dienstes. Alle Paare, die sich im vergangenen Jahr zur Eheschließung oder zur eingetragenen Lebenspartnerschaft entschlossen, bekamen keine kalten Füße, sondern blieben bei ihrem Entschluss. Alle 123 Paare gaben sich brav das Ja-Wort.

Insgesamt scheinen die Schönebecker wieder glücklicher zu sein. Denn nach dem stetigen Rückgang der Trauungen in den vergangenen Jahren, trauen sich die Paare nun wieder. "Im Jahr 2013 hatten wir 122 Eheschließungen und eine eingetragene Lebenspartnerschaft", berichtet Barbara Köhler. Insgesamt gab es 20 Hochzeiten mehr als im Vorjahr (siehe Grafik rechts).

Dass die reizvollen Elbwiesen nun nicht unbedingt der weiße Strand von Bora Bora sind, sollte bei der Wahl des Trauungsortes bedacht werden. Während vielleicht in der Südsee eine fröhliche Hochzeitszeremonie im seichten Wasser des Pazifiks stattfinden kann, gestaltet sich gleiches an der Elbe schon etwas schwieriger. "Wir dürfen nur dort trauen, wenn Räume als Trauzimmer gewidmet sind", so die Standesbeamtin. Räume also, die amtlich zur Eheschließung zugelassen sind - das sind in Schönebeck das Trauzimmer in der Grabenstraße, der Große Saal im Rathaus, die "Lindenallee" und der Galeriesaal im Salzlandmuseum Salzelmen und das Fahrgastschiff "Marco Polo".

Wobei es für letzteres wiederum eine - typisch deutsche - Einschränkung gibt: Es muss fest vertaut am Ufer liegen und darf sich nicht auf dem Fluss bewegen. Und warum? "Weil der Standesbeamte ja nur für seinen Standesamtsbereich zuständig ist und eindeutig der Ort der Trauung bestimmt sein muss. Wenn das Schiff fährt, ist das eben nicht möglich", erklärt Barbara Köhler.

Interessant ist auch die Frage, wer die Trauung vollziehen darf. Einfach gesagt: Jeder, der eine amtliche Bestellungsurkunde besitzt und zum Standesbeamten bestellt wurde. In der Gemeinde Bördeland ist das unter anderem auch Bürgermeister Bernd Nimmich, der, wie er der Volksstimme berichtet, sehr oft als Standesbeamter angefragt wird. In Schönebeck wurde in den vergangenen Jahren Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase nie gebucht - was sicherlich daran lag, dass er nicht als Standesbeamter bestellt war.

Nach wie vor, so Barbara Köhler, sind die Tage Freitag und Sonnabend die beliebtesten Tage bei den Bürgern, (hoffentlich) für immer den Bund der Ehe zu schließen. "Aber auch andere Tage in der Woche sind gefragt: In der Regel dann, wenn sie vor einem Feiertag liegen oder ein bestimmter Tag auch einen besonderen Tag im Leben des Paares symbolisiert - vielleicht der Kennenlerntag", so die Standesbeamtin. Der Sonntag ist im Standesamt wie auch in den Geschäften der Innenstadt ein Ruhetag. Auch das Glück muss eben mal Pause machen.

Werden die Tag wieder länger, dann wird auch mehr geheiratet, so die grobe Faustformel. Die meisten Eheschließungen nahmen die insgesamt vier Standesbeamtinnen im vergangenen Jahr in den Monaten Mai bis September vor.

Eine lange Wartezeit mit dem Bestellen des Aufgebotes ist für die innig Verliebteninzwischen Geschichte. Wer alle Unterlagen beisammen und eine genaue Vorstellung hat, wie die Eheschließung abzulaufen hat, kann schon am nächsten Tag heiraten. Dennoch sollte sich dieser Schritt gut überlegt und nicht überstürzt sein. Trotzdem: "Stammkunden" hat das Schönebecker Standesamt nicht, wie Barbara Köhler mit einem Augenzwinkern berichtet.

Paare, die sich unbedingt eine moderne Zeremonie wünschen, denen liegen die Hürden nicht mehr besonders hoch. Das Ja-Sagen an sich, das Aufsetzen der Ringe und der Kuss gehören zum Standard. "Aber ansonsten kann der Rest individuell gestaltet werden", sagt Barbara Köhler. Statt Musik von der CD ist auch Live-Musik möglich, wenn es der Raum hergibt. "Warum nicht?", freut sich die Standesbeamtin.

Nur zwei Dinge sind im Standesamt ein Tabu: die Ringe vergessen und im wichtigsten Moment "Nein" zu sagen. Während ersteres bereits passiert ist, sind die Standesbeamten froh, von letzterem bisher verschont gewesen zu sein.