Schönebeck l Wofür andere, um ihr Hobby ausleben zu können, Geld bezahlen müssen, das bekommt Benjamin Pabst belohnt. Der junge Mann ist Baggerfahrer und hat derzeit wohl jenen Job, bei dem Männerblut in Wallung kommt: Benjamin Pabst darf beruflich und ohne Ärger zu bekommen einen Teil der Stadt Schönebeck kaputt machen. "Ja, macht irgendwie Spaß", freut sich der Mann einer Abbruchfirma aus Gera. Mit viel Feingefühl muss er den knapp 20 Meter langen Arm der knallgelben Caterpillar-Baumaschine bewegen. Meter um Meter knabbert sich der schwere Eisengreifer des knapp 300 PS-starken Fahrzeuges durch das Haus wie eine hungrige Maus durch ein Stück holländischen Käse.

"So einfach, wie es aussieht, ist es dann auch nicht", berichtet Bauleiter Christian Sandmann der Geraer Firma der Volksstimme gestern vor Ort. "Wir müssen schon aufpassen, dass es nicht zu sehr staubt, dass andere Gebäude durch Abbruchteile und die Straße nicht beschädigt werden." Gegen den Staub richtet Mitarbeiter Jürgen Plarre immer wieder den Wasserstrahl aus einem Schlauch neu aus. Die Feuchtigkeit soll den feinen Staub binden, was aber auch nur bedingt gelingt. Fallen größere Teile, dann weht eine dunkle Wolke auf und überzieht später die Nicolaistraße mit einer dünnen Schicht wie Glasur auf einem Lebkuchen.

Ohne eine Vollsperrung wäre der Abriss der Eckhäuser am Markt 14 bis 16 nicht machbar. Theoretisch noch bis zum Freitag 16 Uhr ist die wichtige Durchgangsstraße zwischen Polizeikommissariat und Markt gesperrt. Immer wieder finden sich eine Reihe von Schaulustiger ein, die das geschäftige Treiben auf der Baustelle beobachten. "Gestern ist plötzlich der ganze Giebel umgefallen. Man hat das gerumst", berichtet Anwohner Wolfgang Jacob, der auch Stadtrat für die Bürgerinitiative "Rettet die Altstadt" ist.

Ein Wachposten der Firma beobachtet mit einem Funkgerät aus sicherer Entfernung den Abriss und gibt dem Baggerfahrer regelmäßig Hinweise aus anderen Perspektiven. Am Ende, so berichtet der Bauleiter aus Gera, werden zwischen 11000 und 12000 Kubikmeter Bauschutt auf der Halde in der Innenstadt liegen.

Schon seit Anfang Februar werden die Gebäude nach und nach entkernt. So müssen unter anderem Türen entfernt werden, Kabel und Gips. Auf dem Hof des Grundstücks werden die Reste des Hauses sortiert und später abgefahren.

Gestern auf der Baustelle ist auch Silke Reinhardt, die Bauleiterin der Schönebecker Wohnungsbau GmbH (SWB). Sie geht mit der Volksstimme einmal um die Abbruchstelle herum und bleibt zum Schluss am Nachhaus Nummer 13 stehen - dem Geburtshaus von Maler und Grafiker Werner Tübke, der hier am 30. Juli 1929 das Licht der Welt erblickte. Um das Haus beim maschinellen Abriss nicht zu beschädigen, wurde hier bereits mit Handarbeit vorgelegt. "Wir haben Probeöffnungen zum Nachbarhaus gemacht und festgestellt, dass es zwei Giebelseiten gibt. Das erleichtert den Abriss selbstverständlich", so Silke Reinhardt. Sie lobt die Abbruchfirma aus Gera. "Die Jungs sind sehr schnell. Die Sperrung ist zwar bis Freitagnachmittag beantrag, aber vielleicht können wir auch schon vorher wieder öffnen", so Silke Reinhardt.

   

Bilder

 

Haus am Markt wird abgerissen

Abgerissen wird dieser Tage das Eckhaus am Schönebecker Markt 14 bis 16. Dazu sind noch bis einschließlich Freitag die Nicolaistraße und Teile des Marktes gesperrt. Im Frühling will die SWB damit beginnen, dort einen Neubau zu errichten. Hier die Bilder vom Abriss.

Fotos: Olaf Koch