Die Einwohner Felgelebens und Sachsenlands waren am Dienstagabend zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Dabei informierten Vertreter der Deutschen Bahn über die Schallschutzmaßnahmen entlang der Zugstrecke.

Felgeleben/Sachsenland l Es ist eine Bürgerversammlung mit besonderem Charme. Es gibt Kaffee, Cola und Bier; zwei Herren bestellen sich Bauernfrühstück. Pünktlich nach Fahrplan kommen Oberbürgermeister Bert Knoblauch und sein Bauamtsleiter Guido Schmidt. Es kann losgehen: Die Deutsche Bahn hat zu einer Informationsveranstaltung zum Bauvorhaben Lärmschutzwände in Felgeleben und Sachsenland eingeladen.

Die Bürger der beiden Stadtteile scheinen Lärm von der Bahn gewöhnt zu sein. Denn was in dieser Zusammenkunft vorgestellt wird, ist eine Lösung und kein neues, störendes Vorhaben. Wenngleich Sabine Müller von der DB ProjektBau GmbH aus Berlin einräumt, dass der Verkehr auf den Gleisen in den nächsten Jahren zunehmen wird, sehen die Anwohner dem Bauprojekt dankbar entgegen.

Mehr als 3,3 Millionen Euro hat die Deutsche Bahn für das Lärmschutzprojekt östlich von Schönebeck eingeplant (Volksstimme berichtete). Der Hauptanteil soll in den aktiven Lärmschutz investiert werden. Darunter sind zwei Lärmschutzwände aufgelistet, die rechts und links der Gleise aufgestellt werden: eine genau 1419 Meter, die andere 885 Meter lang.

Noch in diesem Jahr können die vorbereitenden Maßnahmen beginnen. Baustart ist im nächsten Jahr im Juli. "Wir werden nachts bauen, was sicherlich während dieser Zeit zu einer zusätzlichen Belastung führen wird", bereitet Sabine Müller die Anwohner auf die wichtigste Phase entlang der Gleise vor. Dazu wird jeweils ein Gleis gesperrt, damit sich dort die schweren Baufahrzeuge bewegen können. Noch im gleichen Jahr, Ende 2015, soll die insgesamt 2300 Meter lange Lärmschutzwand stehen.

Die farblich gestalteten Elemente, die auf der gleiszugewandten Seite mit einer lärmabsorbierenden Schicht versehen sind, werden etwa drei Meter hoch sein. Im oberen Drittel sollen transparente Bauteile verarbeitet werden. Nach ersten Berechnungen soll der Lärm durch die Schutzwand erheblich sinken. Werden bundesweit mit solchen Maßnahmen Lärmreduzierungen um bis zu 7 Dezibel erreicht, kommen Felgeleben und Sachsenland nach Fertigstellung auf einen Lärmschutz von 11 bis 12 Dezibel weniger.

Weiterer Bestandteil des Vorhabens sind die sogenannten passiven Maßnahmen. Dafür hat die Bahn nach ersten Schätzungen 47000 Euro eingeplant. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Schallschutzfenster. Diese Bauleistung wird aber nicht zu 100 Prozent getragen, wie die Vertreterin der Bahn vorgestern Abend berichtet. "75 Prozent der Kosten übernehmen wir, 25 Prozent müsste der Hauseigentümer selbst tragen", so Sabine Müller. Zinsgünstige beziehungsweise zinsfreie Kredite werden nicht angeboten.

Für welche Häuser entlang der Strecke dieser passive Schallschutz angeboten wird, konnten die Felgeleber und Sachsenländer am Dienstag auf einer Karte sehen. Diese wurde von einem anerkannten Schallschutz-Ingenieur anhand von Messungen ermittelt. Wie die Bahn an diesem Abend mitteilt, werden die betroffenen Hauseigentümer angeschrieben. "Jeder kann sich dann in Ruhe entscheiden, ob er die Förderung für passive Schallschutzmaßnahmen in Anspruch nehmen möchte", so Sabine Müller.

Wer davon profitieren kann, ist ebenfalls geregelt. Betroffene Häuser müssen vor dem 3. Oktober 1990 gebaut sein. Außerdem muss der nächtliche Pegelgrenzwert in Wohn-, Schlaf,- Kinder- oder Gästezimmer überschritten sein. Nur dort wird modernisiert.