Groß Rosenburg l Selbst Pfarrer Ulf Rödiger hatte den Aufruf unterschrieben. In Rosenburg, Lödderitz und Sachsendorf regt sich zunehmend Widerstand gegen die dort ausgeschilderte Umleitung für eine defekte Brücke über die Taube auf der Landesstraße 63. Das 1910 errichtete Brückenbauwerk überspannt auf rund zehn Metern das kleine Flüsschen. Als sich im vergangenen Juni die Wassermassen der Saale Bahn brachen, hatte die Brücke dem seitlich auf die Brücke wirkenden Wasserdruck nicht viel entgegenzusetzen.

Stark beschädigt wurde die kleine Brücke von den Fluten. Die zuständigen Fachleute mussten die Überfahrt für den Verkehr sperren. Dass ein Neubau eine gewisse Zeit benötigen werde, dafür haben die betroffenen Bürger in den umliegenden Orten Verständnis.

Doch das gesamte letzte Halbjahr verstrich ohne einen Baubeginn. Auf Nachfrage der Bürger wurde dann erklärt, die neue Brücke werde wahrscheinlich 2015 gebaut werden.

Rund 300 Unterschriften sammelten die Bürger und Ortsbürgermeister, um auf die Dringlichkeit des Brückenbaus hinzuweisen. Am Mittwochabend trafen sich die Bürger in Groß Rosenburg mit Vertretern der Landesstraßenbaubehörde zum Gespräch. Mit Uwe Langkammer kam ein Bereichsleiter in die Provinz, der die Probleme des stockenden Brückenbaus zusammen mit dem Fachgruppenleiter für Brücken- und Ingenieurbau, Markus Morawietz, erläuterte.

Das vergangene halbe Jahr habe die Behörde damit verbracht, erklärten beide, die entsprechenden Planungen auf den Weg zu bringen. Auf acht Meter in die Tiefe ragenden Betonpfählen soll die neue Brücke über die Taube stehen. Umfangreiche Planungen seien dazu notwendig gewesen, erläuterte Markus Morawietz. Nachdem die Planungen soweit vollendet seien, erstelle der Planer nun das Leistungsverzeichnis der benötigten Baumaterialien.

Nach der Auftragsvergabe soll der Neubau der Brücke dann im Juli spätestens starten, meinten beide. Allerdings nur, wenn das Vergabeverfahren nicht von einem Bieter angefochten werde, betonte Uwe Langkammer. In diesem Fall müsste der ganze Vorgang bis zur Klärung ruhen.

Dennoch bleibt trotz der Zusicherung das Unbehagen bei den Bürgern, wie an dem Abend deutlich zu spüren war. Vor allem ärgert viele der mangelnde Informationsfluss.

Täglich fahren außerdem die Autos nun durch Rosenburg, um die schadhafte Brücke zu umfahren. Zehn Kilometer beträgt aufgerundet der Umweg. Auf das Jahr gerechnet, seien dies hohe Mehrkosten, protestierte ein Händler aus Aken, der täglich die Strecke befahren müsse, wie er schilderte.

Verwunderlich ist vor allem für einige Bürger, wie im Land mit zweierlei Maß gemessen werde, meldete sich Tino Puder zu Wort. Auf der Bundesstraße 107 im Landkreis Stendal , schilderte er, gebe es auch einen Schaden an einer kleinen Brücke. Dort wurden Rohre in das Gewässer gelegt und anschließend eine Umgehung direkt neben der Brücke gebaut. "Warum geht so etwas bei uns nicht?", fragte Tino Puder.

Die einfache wie verblüffende Antwort von Uwe Landkammer bezog sich auf den Status der Straße. Weil es sich um eine Bundesstraße handele, sei dies möglich, antwortete er. Außerdem müssten bei einer direkten Umleitung an der Brücke erst zahlreiche Umweltbehörden eingebunden werden, assistierte Markus Morawietz. Mit Lachen quittierten die Bürger die Begründung. Scheinbar scheine es doch zweierlei Maß zu geben, wenn Brücken neu gebaut werden müssen, meinten sie. Der Eindruck, dass sich die Landesbaubehörde als zuständige Bauverwaltung für die Landesstraße nicht richtig ins Zeug lege, vermuteten die Einwohner mehrfach.

Um zu beweisen, dass die Baubehörde nicht untätig gewesen sei, hatte Markus Morawietz eine große Liste ausgedruckt, was sein Haus schon alles für die Erneuerung der Brücke über die Taube angeschoben habe.

Dass es nun aber Jahre dauern soll, eine Brücke mit rund zehn Metern Spannweite zu installieren, können die Bürger kaum glauben. Am Geld solle es nicht liegen. "Das Geld ist nicht das Thema", sagte Uwe Langkammer. Der rund eine halbe Million Euro teure Brückenbau sei finanziert.

Am Geld muss es aber doch liegen, wurde wenig später in der folgenden Diskussion klar. Denn für die rund 4000 Kilometer Landesstraße stehen nur rund 35 Millionen Euro im Jahr zur Unterhaltung zur Verfügung. Es gebe sogar noch Landesstraßen, die gänzlich unbefestigt seien, musste der Bereichsleiter einräumen. Eine Erneuerung der viel zu schmalen Landesstraße, wie von den Bürgern gefordert, sei in den kommenden Jahren nicht drin. Vielleicht muss das Land früher die Straße herrichten als gedacht, meinte Tino Puder. In der Betonstraße zeigen sich nach dem Hochwasser dicke Risse auf der Fahrbahn. Er dürfe gar nicht genauer darüber nachdenken, meinte Uwe Langkammer und machte damit deutlich, das ihm wohl auch nicht wohl ist.

Dass auch die Kreisstraßen unter der nun vielfachen Belastung durch den gestiegenen Fahrzeugverkehr auf der Umleitungsstrecke leiden, wollte er nicht ausschließen. Wenn der Landkreis die Schäden beim Land anmelde, könne er vielleicht helfen, schilderte er. Von sich aus, werde er dem Landkreis wohl kaum etwas anbieten.

Zum Jahresende, so die Botschaft der Behördenmitarbeiter, könnte die Brücke schließlich fertig sein. Vorausgesetzt, das Wetter spielt auch entsprechend mit, ließen sie sich eine Hintertür.