Angebliche Rechtsanwalt- und nicht existierende Inkassobüros versenden E-Mails, in denen von noch offenen Rechnungen die Rede ist. Es handelt sich um Betrug, der darauf hinausläuft, dem Adressat finanziell zu schaden. So eine Mail bekam auch der Barbyer Rentner Horst Ulrich.

Barby l "Leider konnten wir bis zum heutigen Tage keinen Zahlungseingang auf unsere Rechnung vom 06.01.2014 feststellen: Paketnummer HW-56981271", liest Horst Ulrich, als er das Schreiben auf seinem Computer öffnet. Der 80-Jährige stutzt, als er die geforderte Summe liest: Inklusive Mahn- und Zusatzgebühren soll er 364 Euro zahlen. Am Ende dieses Schreibens grüßt freundlich "Phil Scholz" von der "Online-Anwaltschaft". Um mehr zu erfahren, soll der Rentner ein Dokument im Anhang öffnen ...

"Ich werde mich hüten: Das ist doch ein linkes Ding."

"Ich werde mich hüten: Das ist doch ein linkes Ding", murmelt Horst Ulrich. Bei dieser Erkenntnis hilft ihm ein Beitrag in der Volksstimme, in dem es fast zeitgleich um betrügerische E-Mails geht. Dennoch will es der ehemalige Gütekontrolleur des Traktorenwerkes von amtlicher Seite wissen. Er fährt zur Polizei nach Schönebeck. Dort winkt man ab: Er brauche sich keine Sorgen zu machen, das sei eine klassische Betrüger-Mail. Vor allem habe Ulrich richtig getan, als er den Anhang ignorierte und nicht anklickte.

Ohne den Anhang zu öffnen, teilt der Barbyer Rentner "Phil Scholz" höflich mit, den Fall der Polizei übergeben zu haben.

Danach ist Ruhe im Karton, Pardon, in der Mail-Box.

Horst Ulrich ist ein gebranntes Kind. Vor einigen Jahren fiel er auf diese Masche herein. "Wir haben damals 90 Euro überwiesen", gesteht er. Wie sich später heraus stellte, für nichts. Was besonders "Viel-Bestellern" passieren kann, die infolge längerer Bestellzeiträume die Übersicht verlieren.

Laut Kommissar Marco Kopitz von der Polizei-Pressestelle Bernburg nehmen diese Betrugsfälle zu. Grund sei die steigende Internetnutzung. Er bestätigt regelmäßige Wellen, in denen per Mail falsche Rechnungen und Abmahnungen verschickt werden. Im E-Mail-Anhang befindet sich eine Datei, die beim Öffnen einen Trojaner oder anderen Virus auf dem Computer hinterlässt.

So wurden Anfang 2012 hunderte E-Mails im Namen der "Ixxen GmbH" verschickt, die eine Bestellbestätigung von diversen Online-Shops, wie Otto.de oder HSE24.de, suggerierten. Absender sind nicht die Firmen, sondern Betrüger.

Auf verschiedenen Internet-Portalen kann man sich informieren. So erhellt die Seite "www.spam-info.de", was Sache ist und woran man Betrüger-Mails erkennt. Als erstes sollten sie genau überprüft werden. Fehler in Rechtschreibung und Grammatik sowie ersetzte Umlaute (zum Beispiel ae für ä) können als Warnzeichen gedeutet werden.

Zudem befindet sich im Anhang der Mails eine Zip- oder Exe-Datei. Sie darf auf keinen Fall geöffnet werden, da sich der Computer sonst mit einem Trojaner oder anderem Virus infiziert, der entweder Dateien zerstört oder persönliche Daten, wie Kontoverbindungen, ausspioniert.

Vorsicht ist auch geboten bei Postfächern und Bankkonten aus dem Ausland. In der Regel werden Abmahnungen auch nicht per E-Mail verschickt, sondern gehen den offiziellen Weg über die Post.

Auch wenn nach einer Rechnung in regelmäßigen Abständen Mahnungen eingehen, muss der geforderte Betrag auf keinen Fall beglichen werden. Die Drohungen dienen nur dazu, den Empfänger einzuschüchtern. Ob es den Absendern der Spam-Mails dabei um Geld oder die Verbreitung des Trojaners geht, ist nicht immer klar.