Die Naturschutzbund-Gruppe in Schönebeck will enger mit der Hochschule Anhalt zusammenarbeiten. Dabei geht es um die drei Grünflächen des Nabu in der Stadt. Studenten sollen Ideen einbringen und praktische Erfahrungen sammeln können.

Schönebeck l Zwei grüne Initiativen treffen aufeinander: Ehrenamtlicher Naturschutz und hauptamtliche Naturforschung. Die Ortsgruppe des Naturschutzbundes in Schönebeck (Nabu) und die Hochschule Anhalt (FH) mit ihrem Standort in Bernburg Strenzfeld wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Ein erstes Treffen dazu hat jetzt im Rahmen einer Nabu-Vorstandssitzung stattgefunden. Mitarbeiter der FH haben dabei Schwerpunkte der auf Umweltthemen ausgerichteten Bildungseinrichtung aufgezeigt, über Lehre und Forschung berichtet.

"Die Studenten erfahren Motivation vor allem dadurch, dass ihre Ideen praktisch umgesetzt werden."

Genau da kann und soll die Kooperation mit den Naturschützern aus der Elbestadt ansetzen. "Unsere Studiengänge sind sehr praxisorientiert", sagt Sandra Mann. Sie ist Lehrkraft im Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung der FH. In dieser Funktion begleitet sie Stundenten bei Praktika, Pflegeeinsätze und Forschungsarbeiten. Diese wissenschaftlichen Tätigkeiten sind international ausgereichtet. So gibt es Exkursionen und Projekte beispielsweise in Schweden, Frankreich, Polen, Rumänien oder sogar Namibia. Aber auch auf die regionale Naturlandschaft richtet sich die Forschungsarbeit aus. So sucht die Hochschule Partner vor Ort. Sandra Mann: "Die Hochschule zeigt ihre Verbundenheit zur Region, die Studenten erfahren aber Motivation vor allem dadurch, dass ihre Ideen praktisch umgesetzt werden und nicht nur Theorie bleiben."

In Strenzfeld haben die Naturschützer, Landschaftsplaner und -architekten und die Umweltplaner sich in ihrer Forschungsarbeit Schwerpunkte gesetzt. Themen wie Beweidungskonzepte, Mahdgrünland, Säume und Feldraine, Naturnahe Begrünung und Zielartenetablierung sind dabei von Bedeutung.

In Schönebeck sollen der Bienenlehrgarten, die Nachtigallenoase und besonders der Schwalbenturmgarten am Solgraben die Neugier der Studenten wecken und Ideen zu Tage fördern. Eine gemeinsame Begehung hat bereits stattgefunden. "Für diese drei Flächen, die wir im Stadtgebiet unter den Aspekten Arten- und Biotopschutz aber auch Umweltbildung entwickelt haben und ständig weiter entwickeln erhoffen wir uns als Gruppe, Anregungen und Tipps", sagt Michael Wunschik, Chef beim Nabu Schönebeck. Augenmerk wird dabei jetzt zuerst auf den Schwalbenturmgarten in der Hellge-Straße gelegt. In dem ehemaligen Schulgarten soll eine Wiese das perfekte Habitat für Insekten, Vögel und andere Kleintiere bilden. Allerdings ist die Wiese, die bereits existiert zum Teil sehr vergrast. Das Junihochwasser hat der Fläche ebenfalls zugesetz. Nach der ersten Sichtung hat Sandra Mann sofort Ansatzpunkte für den "Neustart": "Ziel muss es sein, einen lang anhaltenden Bestand zu etablieren. Ich stelle mir eine Wiese vor mit vielen Kräutern, trockenen und feuchten, wenig Grasanteilen, denn die lassen Kräuter nicht durchkommen, irgendwann würde alles wie ein Grasteppich aussehen." Wichtig sei immer, dass man sogenannte gebietseigener Herkünfte nutze, also heimattypische Pflanzen. Sandra Mann empfiehlt eine Aussaat im April, dieser Idee will der Nabu folgen.

Naturschützer und Hochschule wollen jetzt miteinander beraten, ob man auf eine fertige Mischung der Bildungseinrichtung zurückgreift, solches Saatgut entsteht aus der Mahd von ähnlichen Feldversuchen, oder ob sie das Projekt noch individueller ausrichten. Michael Wunschik: "Vorstellbar ist, dass wir für die Fläche ganz speziell eine Mischung aus Kräutern und Gräsern entwickeln." Das hänge von den finanziellen Möglichkeiten ab, die die Nabugruppe stemmen könne. In jedem Fall aber könnten Studenten Aussaat und Gedeihen begleiten und untersuchen.