Judy Urmans Jugend war geprägt von der Flucht aus ihrer Heimat Deutschland. Ihre Biografie "Schönebeck-Shanghai-Denver" berichtet von ihrer Reise voller Leid, das sie als Jüdin im Zweiten Weltkrieg erlebte.

Schönebeck l Das Interesse an der Biografie von Judy Urman, in Schönebeck geboren als Jutta Lübschütz, ist groß. Als die jetzt veröffentlichten Aufzeichnungen vorgestellt werden, ist das Schalom Haus bis auf den letzten Platz gefüllt.

Nach einleitenden Worten von Dr. Kai Langer, der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt ist, folgt ein eindringlicher Vortrag. Die Sprache, die Judy Urman für ihre Biografie gewählt hat, ist dabei präzise und sachlich. Die Ereignisse der Vertreibung aus Schönebeck zur Zeit des Nationalsozialismus werden bildhaft beschrieben. Die Zuhörer bekommen einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte der Frau. Dabei ist es mucksmäuschenstill. Nur ein vereinzeltes Husten ist zu hören.

Das Entsetzen ist den Menschen ins Gesicht geschrieben, als sie hören, wie die Juden in Schönebeck aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Die Magdeburger Schauspielerin Vera Feldmann füllt die Worte mit Leben. In einer kurzen Pause merkt sie an: "Es ist mir schwer gefallen, auszuwählen, was ich vorlese." Die Biografie habe sie von Anfang bis zum Ende gefesselt.

Biografie bei Veranstaltung schnell ausverkauft

Beim anschließenden Buchverkauf zeigt sich das gewaltige Interesse. 20 Exemplare hatte das Team um Kai Langer mitgebracht. Schon nach wenigen Minuten sind sie ausverkauft.

"Mit so einer Resonanz habe ich gar nicht gerechnet", so Kai Langer. Der Name Judy Urman war ihm kein Begriff, bevor er das Manuskript angeboten bekam. Sie schrieb ihre Erinnerungen 2007 auf. Die Jury des Urman-Preises, der jährlich an Schüler vergeben wird, bearbeitete den Text stilistisch behutsam und ergänzte ihn mit historischen Fakten. "Vieles aus der chinesischen und israelischen Geschichte ist den Menschen sicher nicht so präsent", so Kai Langer. Der Augenzeugenbericht passt gut in die neue Schriftenreihe "Biografien, Erinnerungen, Lebenszeugnisse" der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt.

"Das ist dann nicht nur Geschichtsaufarbeitung an Gedenkstätten, wir gehen damit in die Fläche", so Kai Langer.

Petra Koch, Museumsleiterin in Schönebeck und Mitglied in der Jury zum Urman-Preis, freut sich, dass die Stiftung die Biografie veröffentlicht hat. "Das war ja ein langer Wunsch von uns, dass Judy Urman ihre Biografie schreibt", sagt sie. Nachdem die Amerikanerin dem Wunsch nachgekommen ist, wird ihre Geschichte jetzt einem großen Kreis von Menschen zugänglich gemacht. "Für mich ist das ja nichts Neues, aber für diejenigen, die bislang noch gar nichts darüber gehört haben, ist es ganz toll", sagt Petra Koch. Der Kontakt zu der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt kam über Dr. Lutz Miehe. "Insgesamt kann man sagen, dass sich da jetzt ein Kreis schließt", so Petra Koch. Mit dem umfangreichen Augenzeugenbericht soll gegen das Vergessen angekämpft werden.

Jugendliche besuchen Judy Urman in den USA

Aufgrund ihres Alters konnte Judy Urman die Reise in ihre Heimatstadt nicht antreten. Allerdings wurde die Lesung auf Video aufgezeichnet und geht ihr zu. Vielleicht nehmen die Schüler des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums die DVD mit. Sie werden nächste Woche für acht Tage in die USA reisen und die 86-Jährige besuchen.

Die Biografie "Schönebeck-Shanghai-Denver", erschienen im Mitteldeutschen Verlag, ist in der Buchhandlung Am Rathaus in Schönebeck sowie im Internet für den Preis von 9,95 Euro erhältlich.