Michael Wunschik leitet den Naturschutzbund in Schönebeck. Die Gruppe organisiert viele öffentliche Veranstaltungen, um Menschen Natur nahe zu bringen. Die Volksstimme meint: "Du bist spitze!"

Schönebeck l Natur pur! Michael Wunschik nimmt seinen Weg einen kleinen Pfad am Deich entlang. Die Elbaue bei Ranies liegt friedlich, ein Vogelstimmenkonzert schwebt über allem. Hier und da gibt es noch Wasserlöcher. Auf einem urigen, umgestürzten Baum, mehrere Jahrzehnte alt, findet der 43-Jährige ein ruhiges Plätzchen. Er räkelt sich und holt tief Luft. "Hier kann man es aushalten", sagt er und lächelt verschmitzt - das Lächeln eines kleinen Jungen. Michael Wunschik hat sich im ganz positiven Sinn das kindliche Erstaunen über alles, was ihn umgibt, bewahrt. "Ich liebe diese Gegend, um abzuspannen", sagt der Vorsitzende der Schönebecker Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu). Braucht er Zeit für sich, zieht es Michael Wunschik in die Aue. Doch bei bloßer Erholung bleibt es selten. Plötzlich hört er eine besondere Vogelstimme oder er entdeckt Bibernagespuren an Ästen. Dann blüht das Herz des Biologen auf, er erklärt und reichert seine Ausführungen mit Anekdoten an, so reichlich wie die Tier- und Pflanzenwelt selbst.

"Das alles wollte ich live und in Farbe sehen und erleben."

Natur pur! Michael Wunschik erinnert sich genau, wie er als Fünfjähriger ein Buch förmlich verschlang, das seine Großmutter ihm zu Weihnachten geschenkt hatte. "Tiere und Pflanzen - ein Naturführer", war der Titel. "Bis heute ist das Buch legendär. Ich konnte noch nicht lesen, aber die vielen Bilder haben mich sofort beeindruckt. Das alles wollte ich live und in Farbe sehen und erleben", sagt Michael Wunschik und erinnert sich an ein prägendes Moment, was seine Begeisterung für Flora und Fauna angeht. Aufgewachsen ist der Schönebecker in der Ecke Barabarastraße/Dammweg, in unmittelbarer Nachbarschaft zum großen Dieselmotorenwerk. Vielleicht hat ihn dieses laute und qualmende Unwesen ebenso geprägt wie das Buch der Oma. Denn es zog den Jungen von Anfang an ins Grüne. Die Nähe zum Buschweg, zur Elbe sei für das Spielen im Freundeskreis ideal gewesen, sagt er. Wunschiks Eltern und Familie trugen den Spleen ihres Jungen für die Natur - mal mehr mal weniger. Sie besorgten auf umständlichen Wegen Eterna-Schallplatten mit Vogelstimmen, eine dreiteilige Reihe. Aber sie waren auch fürsorglich skeptisch, wenn das Kind nach seinem Berufswunsch mit "Zoodirektor", "Zootechniker" oder "Förster" antwortete.

Die Überzeugung ist geblieben, und Michael Wunschik hat seine Richtung behalten. Sein Interesse besonders für Vögel, war riesengroß, so dass er als Jugendlicher schon regelmäßig einem Beringer über die Schultern schaute. Aber auch alles andere, was kreucht und fleucht, was wächst und gedeiht, interessierte ihn immer mehr. Ein bisschen wollte es auch der Zufall, dass Michael Wunschik nach dem Abitur einen Studienplatz, von 1991 bis 1997, in Halle an der Saale bekam. Das Institut Zoologie der Martin-Luther-Universität hatte seinen Numerus clausus von 1 auf 1,5 verändert. "Es gab damals viele Studenten, die anfingen zu studieren und dann zur Medizin wechselten." Die hallischen Wissenschaftler wollten aber junge Leute, die für die Sache brannten.

Michael Wunschik tat das, biss sich durch das mathe- und physikreiche Vordiplom und spezialisierte sich dann auf Wirbeltierökologie. Die Schleiereule wurde zum Forschungsmittelpunkt seiner Diplomarbeit. "Eine spannende Zeit", sagt Michael Wunschik, der die Gefiederten mit einer Kamera im Gottesgnadener Kirchturm beobachtete, ihr Verhalten auf VHS-Bändern festhielt und wissenschaftlich auswertete.

"Die Begeisterung für die Natur mit den Menschen teilen."

Natur pur! - bestimmt seither Michael Wunschiks Wirken, sein ganzes Leben. Er trat in den Nabu ein, hielt Vorträge dort und war Mitarbeiter in der Oberen Naturschutzbehörde. Heute ist der Biologe beim Nabu-Landesverband Sachsen-Anhalt als Sachbearbeiter für Arten und Biotopschutz zuständig. Als anerkannter Verein wird der Nabu in vielen Bereichen um fachliche Stellungnahmen gebeten, hat bei Planverfahren Mitwirkungsrecht oder hilft, Informationen für die Europäische Union zusammenzutragen, vor allem wenn es um den Schutz bedrohter Arten geht.

Im Ehrenamt ist der 43-Jährige Naturschutzbeauftragter des Salzlandkreises, berät mit anderen Beiratskollegen die Untere Naturschutzbehörde in Aschersleben. Ehrenamtlich leitet Michael Wunschik auch die Schönebecker Nabu-Ortsgruppe seit ihrer Gründung 2008 mit heute 72 Mitgliedern. "Alle machen mit, das macht die Führungsarbeit leicht", lobt er seine Truppe. Dass die Gruppe permanent gewachsen ist, empfindet Michael Wunschik als Erfolg. "Das zeigt, dass die Arbeit, die wir machen, den Leuten gefällt."

Zuspruch erfahren auch die vielen Initiativen des Nabu - von der Nachtigallen- oase über die Vogelstimmenwanderung oder das Krötentaxi bis zur Fledermaus-Nacht, der Batnight. Dass man sich populärer Methoden bedient, um Menschen aller Altersklassen und Interessengruppen zu erreichen, hält der Nabu-Chef für wichtig. Das Event sei eine Art Transportmittel, sagt der Vater dreier Kinder. Mit einem Ziel: "Die Begeisterung für die Natur mit den Menschen teilen." Die Gradwanderung gelinge immer wieder, weil, so Michael Wunschik, die Teilnehmer sich schnell mit dem Wesentlichen auseinandersetzen würden. Und das sei Tag für Tag wichtig, sagt Michael Wunschik. "Die Natur ist kein lästiges Anhängsel, das etwa bei Bauvorhaben stört. Die Natur ist unser aller `Lebens-Raum`, und der ist unbedingt schützenswert."