Calbe l Gute Filme illustrieren Phänomene für den Laien meist besser als endlose Abhandlungen in dicken Wälzern. Das weiß auch Dr. Coraline Metzger. Die Medizinerin an der Otto-von-Guericke-Universität und Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) erklärte anhand des Films "Melancholia" des dänischen Regisseurs Lars von Trier, welche Symptome sich bei einer Depression bei Erwachsenen zeigen können.

"Sie alle haben damit tagtäglich ihre Erfahrungen", sagte die Wissenschaftlerin gegenüber den Erzieherinnen von Kitas, Lehrerinnen und Lehrern sowie Heilpädagogen. In Filmausschnitten durchleidet Schauspielerin Kirsten Dunst während ihrer Hochzeitsfeierlichkeiten schwermütige Phasen, in denen sie immer wieder in ihre schwere Depression zurückfällt, an der sich schon seit langem leidet.

Bundesweit sind vier Millonen Menschen behandlungsbedürftig

Immer wieder erkennbar sei nach den Worten Metzgers das Gefühl der Gefühllosigkeit, der Sinnlosigkeit oder der eigenen Wertlosigkeit. Als Braut gibt sich die Protagonistin Mühe, zu lächeln und anderen zuzunicken, fühlt sich jedoch unter der fröhlichen Hochzeitsgesellschaft immer deplatzierter und fühlt sich zunehmend erschöpfter bis hin zur Bewegungsunfähigkeit.

Tatsächlich sei die Depression eine Krankheit, an der bundesweit rund fünf Prozent der Bevölkerung leiden, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Metzger führt aktuelle Zahlen ins Feld, nachdem es rund vier Millionen behandlungsbedürftige Depressionen gebe. "Häufig bleibt die Depression unerkannt. Lediglich in 35 bis 50 Prozent der Fälle wird sie richtig diagnostiziert."

Bei Symptomen an zahlreiche Hilfsstellen wenden

Dabei sei es wichtig, dass eine Depression nicht als bloße Einbildung abgestempelt werde. "Es ist eine Krankheit wie Diabetes oder Bluthochdruck", erklärt Metzger. Eine Depression macht nicht Halt vor bestimmten sozialen Schichten, Berufen oder Altersgrenzen. "Auch Kinder können darunter leiden", sagt Metzger.

Aus diesem Grund hatte Manuela Held, Regionalsprecherin des Berufs- und Fachverbandes Heilpädagogik, den Vortrag mit anschließender Diskussionrunde organisiert. Hauptförderer ist dabei die Awo Krankenhausbetriebsgesellschaft mbH. Die Calbenserin dankte gestern auch Schulleiter Henry Melle, der die Aula der ehemaligen Goetheschule kurzfristig zur Verfügung stellte.

Wichtig sei es für Pädagogen, Eltern und Angehörige, Symptome zu erkennen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Weitere Informationen und Ansprechpartner vor Ort gibt es unter: www.buendnis-depression.de

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