Mehr als zehn Jahre liegt das Projekt in der Schublade. Durch den Bau einer "Ortsumgehung Süd" soll ein Teil von Calbe vom massiven Durchgangsverkehr entlastet werden. Nun hat das Landesverkehrsministerium einen Zeitplan festgezurrt. Im kommenden Frühjahr sollen die Bagger anrollen.

Calbe l Was haben Calbenser in der Vergangenheit nicht alles dafür bewegt: Im Mai 2002 gründete sich eine Bürgerinitiative, die den Bau einer Ortsumgehung für Calbe forderte. Schon damals kritisierte ihr Sprecher Mario Kannegießer, dass in den vorangegangenen Jahren viel darüber geredet worden sei, aber letztendlich nichts passierte. Gut, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, wie lange das Projekt einer Südumfahrung der Saalestadt noch dauern würde.

Baubeginn mit Rampe zur Saalebrücke und Kreisverkehr

Tatsächlich ist die Landesstraße 63 aufgrund ihrer Nähe zur Autobahn 14 stark vom Durchgangsverkehr mit hohem Schwerlastanteil geprägt. Die Straße führt an vielen Wohnhäusern vorbei durch den Brumbyer Weg und die Nienburger Straße nach Tippelskirchen und Schwarz.

Der Bau der Ortsumgehung soll die Ortsdurchfahrt entlasten und eine städtebauliche Aufwertung schaffen. Doch bis der herbeigesehnte Abschnitt freigegeben wird, ist es noch ein langer Weg. Fakt ist bislang nur, dass ein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss vorliegt und damit Baurecht vorhanden ist. Außerdem wurden für den neuen Kreisverkehr am Abzweig nach Schwarz vor einem Jahr Bäume gefällt und Wohnhäuser dem Erdboden gleichgemacht.

"In diesem Jahr werden zunächst die unmittelbaren Bauvorbereitungen für den ersten Abschnitt in Angriff genommen", sagt Peter Mennicke vom Landesverkehrsministerium auf Volksstimme-Nachfrage. Dazu zählen unter anderem die Ausführungsplanungen und sogenannten Massenermittlungen. Zu letzterem zählt beispielsweise die Menge an Erde, die gehoben werden muss oder Baustoffe, die benötigt werden. Ausschreibungsunterlagen und Konzepte für die Verkehrsführungen während der Arbeiten kämen nach den Worten Mennickes noch hinzu.

Kosten für die Umgehung: Rund 4,6 Millionen Euro

Die eigentlichen Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2015 beginnen. Dabei soll die Ortsumgehung in zwei Abschnitten gebaut werden. Mit der Rampe zur Saalebrücke und dem Kreisverkehr wird begonnen. In diesem Rahmen werde auch der Abschnitt der Landesstraße 65 (Straße von Saalebrücke bis Kreisverkehr) ausgebaut. Der erste Abschnitt ist bis 2016 zu realisieren. Anschließend ist mit dem Bau der freien Strecke der zweite Abschnitt geplant.

Die Länge der Ortsumgehung Süd beträgt rund 1,6 Kilometer. Sie führt von Brumby kommend von der Heimstättensiedlung an der L 63 nach rechts in südliche Richtung durch ein Altbergbaugebiet zur Kreuzung der L 63/L 65. "Die Fahrbahnbreite misst nach Fertigstellung knapp sieben Meter", erklärt Mennicke. Dazu kommt der Ausbau der Brückenstraße auf einer Länge von 600 Metern, die zusätzlich mit einem Radweg versehen werden wird. Die Kosten für die Ortsumgehung belaufen sich nach bisherigen Schätzungen auf rund 4,6 Millionen Euro. Dazu kommt der Ausbau der Brückenstraße mit rund 600 000 Euro.

"Die komplette Verkehrsfreigabe kann voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 erfolgen", kündigt Mennicke an.

Vor allem für die Anwohner der Heimstättensiedlung, des Brumbyer Wegs und der Nienburger Straße bleibt zu hoffen, dass dieser Zeitplan vom Land eingehalten wird. Auf ihren Grundstücken wird es dann erheblich ruhiger werden.

Über weitere Einzelheiten der Ortsumgehung will die Stadtverwaltung die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses am kommenden Montag, 17. März, ab 16 Uhr im Beratungsraum des Rathaus II informieren.