Welsleben (ok) l Wie Schule in früheren Jahren funktionierte, das beschrieben die Welsleber Heimatforscher unlängst in einer ihrer Geschichtshefte. Nicht alles, was die Frauen und Männer in den Archiven recherchierten, fand in die Heften "Interessantes aus Welsleben" Eingang. So schrieben die Forscher der Volksstimme, dass das Schulwesen in den Jahren 1919/20 durch den "Weimarer Schulkompromiß" teilweise modernisiert wurde, die Verbindung mit der Kirche jedoch erhalten blieb.

Ein Beispiel hierfür wird in der Chronik der Gemeinde mit einem Hinweis über die praxisbezogene Ausbildung an der Volksschule genannt: Um die Welsleber Lehrlinge besser auf ihre zukünftigen Aufgaben vorzubereiten, wurden alle Lehrlinge in Welsleben gegen einen Jahresbeitrag von drei Reichsmark, den der Beschäftigungsbetrieb zu entrichten hatte, wöchentlich einmal vom Rektor der Volksschule, Herrn Hansli, im kaufmännischen Rechnen, Schreiben von Lebensläufen, Bewerbungen, Ausfüllen von Zahlkarten, Überweisungen und so weiter unterrichtet. Das war eine in der Magdeburger Börde damals einmalige Einrichtung.

Ebenfalls bemerkenswert war das Bestehen einer "Ländlichen Berufsschule für Mädchen" in Welsleben. Unterrichtsfächer waren: Hauswirtschaftlicher Unterricht, Völkischer Unterricht sowie Schreibwerk und Rechnen.

Streit um 1000 RM

Ein nächstes wichtiges Ereignis im Schulwesen war die Trennung von Kirche und Schule durch den Staat. Die sogenannte Ämtertrennung erfolgte zum 1. Oktober 1936. Das hatte für Welsleben einschneidende Folgen, da die Trennung der Funktionen bei den Lehrern (beispielsweise Lehrer und Kantor beziehungsweise Organist) erfolgen musste und die Überlassung der Schulhäuser an die politische Gemeinde zwingend notwendig war. Die Grundbucheintragung hierzu erfolgte am 30. Mai 1939.

Die Kirche und Gemeinde haben sich jedoch nach den vorliegenden Akten noch bis 1953 zu diesem Problem gestritten. Ein Beispiel: Die Gemeinde hatte gemäß Trennungsvereinbarung 1000 Reichsmark an die Kirche zu zahlen, was auch erfolgt sein soll. Die Kirche ließ jedoch auf ihre Kosten weiterhin an Schulgebäuden Reparaturen durchführen und wollte diese Beträge von der Gemeinde erstattet bekommen. Da aber offensichtlich von beiden Seiten kein richtiger Nachweis erbracht werden konnte, führte dies zu ständigen Auseinandersetzungen.

Hierzu ein Auszug aus einem Bericht an die Kirchenbehörde Magdeburg, in welchem versucht wird, gewisse Unregelmäßigkeiten zu begründen: "Dabei handelt es sich wohl allein um die Instandsetzung der von dem damaligen Ältesten und Kirchenkassenrendanten Seewald (der die Kirchengemeinde damals mehrfach schwer finanziell geschädigt hat ) bewohnten Wohnung, die aber Eigentum der politischen Gemeinde war."

In der Welsleber Schule wurden im Jahr 1934 260 Schüler unterrichtet. Dies erfolgte in den fünf vorhandenen Klassenräumen und Abteilungen (zum Beispiel Klasse III Abteilung I). Die unterschiedlichen Altersgruppen hatten eine bestimmte Sitzordnung. So saßen die Älteren vorn und die Jüngeren hinten.

Auch an einen notwendigen Schulneubau wurde in dieser Zeit gedacht. Da die fünf Klassenräume nicht mehr den Anforderungen und der ständig wachsenden Anzahl von Schulpflichtigen genügten, bildete die Gemeinde Welsleben in den Jahren 1934 bis 1939 eine Schulneubau-Rücklage in Höhe von 64000 Reichsmark, die jedoch bei Beginn des Zweiten Weltkrieges vom Landratsamt für Kriegszwecke eingezogen wurde.