Das Restaurieren von Polster- oder Sitzmöbeln gehört traditionell zum Handwerk eines Raumausstatters. Lutz Schmidt aus Calbe stellt mit Geschick und Anwendung althergebrachter Techniken bei vielen Stücken den Originalzustand wieder her. Übermorgen feiert sein kleiner Betrieb das 100-jährige Bestehen.

Calbe l Der Ursprung des heutigen Polsterei- und Raumausstatterbetriebes in der Bernburger Straße liegt 1914 in der Gründung des Geschäftes für "Möbel und Dekorationen". Tapeziermeister Bernhard Schwalenberg gab am 15. März vor 100 Jahren im damaligen Generalanzeiger folgende Anzeige auf: "Einem hochgeehrten Publikum von Calbe und Umgebung mache ich hiermit die ergebene Mitteilung, das ich im elterlichen Hause (...) ein Geschäft für Möbel und Dekoration eröffnet habe." Das Geschäftsziel lag in der "Lieferung moderner Wohnungseinrichtungen".

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Sohn Helmut unter seinem Namen den Betrieb weiter. Er entwickelte mehrere Polstermöbelmodelle, die er mit seinen damals zehn Angestellten in der eigenen Werkstatt herstellte. Vom Mitarbeiter Norbert Auschner, ebenfalls Tapeziermeister, wurde der Betrieb 1986 unter gleichem Namen weitergeführt.

"Oft sind mit Möbeln schöne Erinnerungen verbunden, die wieder aufgefrischt in den Stücken weiterleben."

Am 1. Januar 2000 gründete Lutz Schmidt unter seinem Namen eine "Polsterei und Raumausstattung" und übernahm ein Jahr später den Schwalenbergschen Betrieb, in dem er selbst zwischen 1985 und 2001 arbeitete. "Heute führe ich die alten Traditionen des Betriebes an historischer Stelle in Calbes Altstadt weiter", sagt der Raumausstattermeister nicht ohne Stolz.

Der Handwerksmeister fertigt heute in seiner Werkstatt, deren obere Etage über einen fantastischen Saaleblick verfügt, zusammen mit Mitarbeiterin Sigrun Kramer neue Möbel nach Maß. Er restauriert alte Sessel, Sofas und Stühle vergangener Epochen. Dabei polstert der 49-Jährige traditionell ohne Schaumstoff, mit Schnürung und Naturpolster. Lutz Schmidt legt großen Wert auf Stiltreue und schüttelt über "Lifestyle-Möbel von der Stange", deren Aufbauanleitungen neben Chinesisch nur in Englisch beiliegen, den Kopf.

"Warum sich von alten Stücken trennen? Oft sind mit Möbeln schöne Erinnerungen verbunden, die wieder aufgefrischt in den Stücken weiterleben", meint Schmidt. Diese Philosophie praktiziert auch bei historischen Fahrzeugen, die er als Hobby mit weiteren Vereinsmitgliedern restauriert.

Dass seine Kunden nicht immer in betriebswirtschaftliches Kosten-Nutzen-Denken verfallen, zeigt er anhand einer wuchtigen Arzttasche, der er ein nagelneues Leder verpasste.

Der Calbenser ist stolz darauf, dass vom Entwurf über das Tischlern bis zum Bezug zahlreiche Möbel und Accessoires bei ihm entstehen. Zudem legt er Fußböden aller Art, tapeziert und stellt Gardinendekorationen her. Umfangreiche Beratung, Aufmaß und Transport gehören selbstverständlich dazu.

Am Sonnabend, 15. März, lädt er zwischen 10 und 17 Uhr anlässlich des 100-jährigen Betriebsjubiläums in seine Polstermöbelmanufaktur in der Bernburger Straße 8 in Calbe ein.

 

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