Harsche Kritik gibt es im Salzlandkreis an den Baumfällungen entlang der Saale. Der Landesforst hat diese Fällungen ausführen lassen. Kreistagsmitglieder bezweifeln, dass sie entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen erfolgten. Der Landesumweltminister ist zu einer Stellungnahme aufgefordert worden.

Schönebeck/Staßfurt l Mit einer Anfrage hat sich das Kreistagsmitglied Clemens Seeber (CDU) am Mittwoch an die Kreisverwaltung gewandt: "Wer ist verantwortlich", wollte er wissen und verwies auf die in den vergangenen Wochen erfolgten Baumfällungen entlang der Saale. In der Auenlandschaft habe, so Seeber, ein regelrechter Kahlschlag stattgefunden und zwar von Plötzkau bis zur Saalemündung, also entlang des gesamten Flusslaufes. Vor allem Pappel-Bestände seien betroffen. Eine über Jahrhunderte gewachsene Flora sei in großen Teilen zerstört worden, kritisierte er. Er könne sich nicht vorstellen, dass die umfangreichen Fällungen mit den Vorgaben der FFH-Richtlinien konform gehen (FFH = Fauna-Flora-Habitat, Naturschutz-Richtlinien der EU). "Wer also trägt dafür die Verantwortung?"

Auch die Kreistagskollegen Jürgen Badzinski (SPD) und Jutta Röseler (Bündnis90/Die Grünen) stellten das Vorgehen kritisch in Frage. Mit nachhaltiger Waldwirtschaft habe dieses Herangehen, so Jutta Röseler, nichts zu tun.

Die zuständige Fachbereichsleiterin (früher Dezernentin) Karin Pfeiffer konnte zumindest einen Teil der Fragestellung beantworten: Die untere Naturschutzbehörde, sprich der Salzlandkreis) ist seit Januar 2014 für die Pflege und Bewirtschaft der Auenwälder verantwortlich.

Die Leiterin des Fachdienstes Natur und Umwelt, Christiane von Wagner, bot sich an, die Sachlage zu schildern. Sie sagte: "Der Landesforst ist hier tätig geworden." In einer Zehn-Jahres-Periode erfolge gemeinhin der Holzeinschlag, so jetzt wieder. Sie erklärte, dass ihr Amt angefragt worden ist, ob die Fällungen dem Artenschutz zuwider laufen; es habe "massive Beschwerden" gegeben.

Eine Anfrage an das Landesumweltministerium in Magdeburg laufe mit der Fragestellung, ob die Maßnahmen sachgerecht vorgenommen wurden. Ihrer Einschätzung nach sei die FFH-Richtlinie nicht verletzt worden. Man müsse von Bereich zu Bereich auch unterscheiden: hier sei ein Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, dort aber ein Naturschutzgebiet. Der Forst gestalte die Auen zu einer Natur-Landschaft um, "wie wir sie haben wollen". Allerdings hätten die Forstleute wohl erkannt, dass sie nicht alles, was in zehn Jahren an Fällungen möglich ist, auf einem Schlag realisieren sollten, sondern zeitversetzt. Sonst entstehe der Eindruck eines Kahlschlags.

Nach der Kreistagssitzung äußerte sich Kreistagsmitglied Johann Hauser (FDP) gegenüber der Volksstimme höchst verstimmt. "Es gibt eine Mengenbegrenzung. Und ich will jetzt wissen, ob sich der Forst daran, also an geltende Gesetze gehalten hat." Wenn ein Landwirt irgendwo zu viel Hecken beschneide, sei gleich die Hölle los. Kein Privatmensch könne sich so etwas leisten, ohne mit Sanktionen seitens der Behörden rechen zu müssen. "So gehts nicht", schimpfte Hauser. Er will sich vor Ort verdeutlichen lassen, was konkret geschehen ist. "Das ist brisant", betonte er und fügte hinzu, "es geht hier nicht um das Versetzen eines Bushäuschens".

"Der Boden ist sehr aufgewühlt. Es sieht schlimm aus."

Den Hinweis der noch laufenden Anfrage an das Ministerium als oberster Dienstherr des Landesforstes nahm Kreistagsmitglied Gunnar Schellenberger (CDU) auf Anfrage der Volksstimme auf. Er schilderte: "Am 20. Februar gab es in Gröna bei Bernburg einen Vor-Ort-Termin mit dem Vorsitzenden des Naturschutzbeirates des Salzlandkreises und Kreistagsmitglied Jürgen Badzinski. Es zeigte sich, dass relativ große Fahrzeuge genutzt worden sind, der Boden ist sehr aufgewühlt. Es sieht schlimm aus." Schellenberger spricht von einem "katastrophalen Eindruck", der sich geboten habe. Wahrscheinlich auch deshalb, weil eine Maßnahme aufgrund der aufkommenden Kritik nicht abgeschlossen worden sei. Während der Sitzung des von ihm geleiteten Ausschusses für Wirtschaft und Umwelt am 26. Februar in Bernburg sei die weitere Vorgehensweise erläutert worden. Schellenberger habe den Brief an Minister Hermann Onko Aeikens (Umwelt und Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt) geschrieben, mit einer Antwort rechnet er noch in dieser Woche. Diese Antwort soll abgewartet werden. "Das macht ja schließlich Sinn", sagte der Ausschuss-Vorsitzende. Bei Bedarf werde er eine Sondersitzung des Umweltausschusses einberufen.

Schellenberger verdeutlicht, dass der Landesforst als eine Art Dienstleister für den Salzlandkreis agiere, der, wie erwähnt, erst seit Anfang des Jahres verantwortlich ist für die Auenlandschaft. "Es geht jetzt darum, dass wir mit dem Forst eine gute Zusammenarbeit entwickeln." Um ähnliche Eindrücke künftig zu verhindern, müsse der Forst wohl "mehr Fingerspitzengefühl" walten lassen.

Auf Anfrage teilt der Sprecher des Umweltministeriums Detlef Thiel gestern mit: "Der Brief ging Donnerstag raus."