Ein mächtiges steinernes Tor, eine verzierte Fassade: Das Haus Jüterbock/Haus Hasse an der Langen Straße in Welsleben ist die Lösung des Rätsels "Kennen Sie Ihre Heimat?". Viele Rater haben ganz eigene Erinnerungen, die sie mit dem "Rübenpalast" verbinden.

Welsleben l Als Herbert Gabriel das Foto des Heimaträtsels in der Schönebecker Volksstimme sieht, werden bei ihm sofort Erinnerungen an seine Kindheit wach. Am Redaktionstelefon liefert er daher nicht nur die richtige Lösung des Rätsels, sondern er erzählt auch noch: "In dem Haus an der Langen Straße wohnte früher Walter Hasse mit seiner Familie. Im Jahr 1933 wurde der Sohn Hans Georg geboren. Und mit ihm bin ich gemeinsam in die Schule gegangen." Doch nicht nur die gemeinsame Schulzeit verbindet die beiden Männer noch bis heute. Sie verbrachten auch oft ihre Freizeit zusammen. "Wir haben in der Scheune oft Eier gesammelt, die die Hühner im Heu versteckt hatten. Und für jedes Ei, das wir beim Spielen gefunden haben, hat uns Margarete Hasse, die Mutter von Hans Georg, einen Pfennig geschenkt. Wenn wir genug Geld zusammenhatten, meistens fünf Pfennig, sind wir los und haben Gurken bei Frau Meier an der Bierer Straße gekauft."

Der "Eiersammel-Lohn" zeigt, Familie Hasse hatte ein Herz für die Welslebener. Viele Ältere erinnern sich noch heute daran, dass Margarete Hasse sich für die Ärmeren engagiert hat. Ihr lag aber auch die Organisation des Dorflebens am Herzen. So setzte sie sich dafür ein, dass junge Menschen im Verwaltungswesen geschult werden. Heute gehört das Haus, in dem noch eine Wohnung bewohnt wird, der Familie Schnicke, Nachfahren der Hasses.

Noch bevor Margarete und Walter Hasse das stattliche Gebäude ihr Eigen nennen konnten, lebte hier eine illustre Welsleber Persönlichkeit - Ferdinand Jüterbock. Er war erster Wehrleiter der freiwilligen Feuerwehr von 1897 bis 1910. So ganz wie man sich einen Hauptmann vorstellt, mit weißem Rauschebart und imposanter Erscheinung. Jüterbocks Reichtum war legendär. Durch die Landwirtschaft, vor allem durch den Rübenanbau, hatte sich die Familie große Besitztümer erworben. Das weiß auch unser Leser Uwe Frohwein: "Man sagt, er habe so viel Geld besessen, das er es nicht zählen konnte, sondern wiegen musste." Im Deutschen Heer, der Armee des Kaiserreiches, legte Ferdinand Jüterbock eine militärische Karriere hin. Man sagt, er habe einen eigenen Sonderzug besessen, der ihn bei seinen Urlauben nach Hause brachte.

Kein Wunder also, dass Ferdinand Jüterbock auch ein standesgemäßes Haus bauen ließ. Heute allerdings ist von dem Glanz nur noch wenig zu sehen. Das Gebäude steht fast leer, die Fassade verliert nach und nach alle Schmuckelemente - morbider Charme.

In dieser Woche wussten viele Leser, dass es sich bei dem Heimaträtsel um das Haus an der Langen Straße in Welsleben handelt. Gewonnen hat dieses Mal Albrecht Knauft. Herzlichen Glückwunsch! Er kann sich ein kleines Geschenk aus der Redaktion abholen.

   

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