Das Wasser steigt und steigt. Stetig wird der Pegelstand der Saale in Calbe nach oben aktualisiert. Gestern Abend durchbrach er die Acht-Meter-Marke. Das Naherholungsgebiet "Grüne Lunge", Teile des Hegers oder der Verbindungsweg zum Buchtenkraftwerk in Gottesgnaden stehen unter Wasser. Der Bauhof verteilte gestern bereits die ersten Sandsäcke. Heute kommt im Rathaus ein Krisenstab zusammen.

Calbe. Bei vielen Calbensern, vor allem bei denjenigen, die in unmittelbarer Nähe der Saale wohnen, werden Erinnerungen an das verheerende Hochwasser 2003 wieder wachgerufen.

"Damals schwappte die Saale bis in die Bühne auf dem Freigelände. Seitdem war es nicht mehr so schlimm", erinnert sich Ingo Kühnaß. "Doch bald wird das Wasser sicher wieder in unsere Gaststätte laufen", schätzte Ehefrau Birgit Kühnaß am Vormittag ein. Am Nachmittag bewahrheitete sich ihre Vermutung. Das Pächterehepaar der Gaststätte "Grüne Lunge" verfolgt genauestens die Wasserstandsentwicklung anhand der aktuellen Zahlen von der Bernburger Schleuse.

Die Räume des Lokals hatten sie bereits leer geräumt, Strom und Gas wurden abgestellt. Die Zuversicht lässt sich das Ehepaar nicht nehmen. "Wir denken, dass in einer Woche das Schlimmste überstanden ist und wir unseren Betrieb zum 21. Januar wieder aufnehmen können", sagt Birgit Kühnaß.

Der städtische Bauhof stellte ihnen die ersten Sandsäcke zur Verfügung, genau wie beispielsweise einigen Anwohnern in der Großen Fischerei. Das Naherholungsgebiet "Grüne Lunge" sowie die Sportanlagen auf dem Heger stehen unter Wasser, der Pflasterweg vor dem Bootshaus der TSG-Kanuten ist ebenfalls überflutet.

"Am Pegel Calbe wird die Wasserführung durch die Zuflüsse aus Bode und Wipper verstärkt", heißt es derweil vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW).

Gestern wurde am frühen Abend die Acht-Meter-Marke erreicht und die dritte Alarmstufe für Calbe ausgerufen, bei der nach Vorschrift ein ständiger Wachdienst einberufen und die Deichverteidigung eingeleitet wird.

Zur Lageanalyse und zur Einleitung der Hilfsmaßnahmen trifft sich heute der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) unter Leitung von Bürgermeister Dieter Tischmeyer im Rathaus.

 

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