Funkenflug hat die Böschungsbrände an der Bahnlinie zwischen Schönebeck und Calbe ausgelöst. Das steht jetzt fest. Feuerwehren aus der Region waren am Freitag im Einsatz. Der Brand hat Technik an der Strecke Schönebeck-Halle beschädigt. Bis heute will die Bahn die Anlagen repariert haben.

Schönebeck l Der großräumige Böschungsbrand an der Bahnlinie zwischen Schönebeck und Calbe am Freitag ist durch Funkenflug ausgelöst worden. Das bestätigt die Bundespolizei, die für die Überwachung von Bahnanlagen zuständig ist. An einem Güterzug, der aus Sachsendorf in Richtung Schönebeck unterwegs gewesen ist, gab es einen technischen Defekt an den Bremsen. Eine Sprecherin der Bundespolizei sagt, es handele sich um einen sogenannten Heißläufer. Die Funken hätten das trockene Gras an mehreren Stellen entlang der Strecke entzündet. "Die Ermittlungen zu dem Feuer sind abgeschlossen. Der gesamte Sachverhalt wurde lediglich aufgenommen, nicht aber angezeigt", sagt die Sprecherin der Behörde in Magdeburg am Wochenende gegenüber der Volksstimme. Das auch, weil die Bundespolizei nach ihren Ermittlungen nicht von einem möglichen Straftatbestand ausgeht.

Nach Angaben der Polizei im Salzlandkreis hatten Bahnreisende die Leitstelle informiert. Gegen 14.30 Uhr wusste auch die Bundespolizei in Magdeburg Bescheid. Aus Schönebeck rückten die Feuerwehren Tischlerstraße, Bad Salzelmen und Felgeleben zur Brandbekämpfung im Bereich der Elbestadt aus. Weitere Wehren aus Barby und Calbe waren an den südlichen Streckenteilen im Einsatz.

Bahnstrecke für Löscharbeiten gesperrt

Uwe Tandler von der Feuerwehr Bad Salzelmen, der auch Abschnittsleiter ist, erklärt, dass der Einsatz riskant gewesen sei. Denn an den Bahnanlagen gebe es Strom. Die Leitstelle habe allerdings entsprechend alarmiert. Außerdem sei ein Notfallmanager der Bahn vor Ort gewesen. Nach schnellen Absprachen mit den verantwortlichen Bahnbehörden in Leipzig wurden die Strecke in den entsprechenden Abschnitten gesperrt und der Strom abgestellt. "Das hat alles sehr gut funktioniert", sagt Uwe Tandler.

Problematischer, so der Feuerwehrmann, sei allerdings gewesen, die Stellen zu erreichen. In vielen Bereichen hätten sich die Wehren die Zufahrten zu den Gleisen suchen müssen. Manchmal auch über Betriebsgelände. Am Dieselmotorenwerk haben die Einsatzkräfte einen Zaun abmontiert. Dass die Feuerwehr nicht überall war, wie am Wochenende von Passanten kritisiert, kann Uwe Tandler nicht bestätigen. "Wir haben jede von der Leitstelle gemeldete Stelle abgearbeitet. Manchmal war es nur eben schwierig heranzukommen." Die Feuerwehr habe trotzdem systematisch an der Brandbekämpfung gearbeitet. Zudem hätten die Einsatzkräfte vorbereitende Maßnahmen getroffen. "Wir wussten nicht, welche Ausmaße das Feuer noch annehmen würde", sagt Uwe Tandler. Deshalb habe man den Einsatzleitwagen Salzelmen aufgebaut und Sprechgruppen im Digitalfunk eingerichtet, um auch unabhängig von der Kreis-Leitstelle in Staßfurt agieren zu können.

Signalkabel an den Schienen "massiv beschädigt"

Während der Löscharbeiten in allen Bereichen war die Strecke nach Angaben der Bundespolizei bis gegen 16.30 Uhr gesperrt. Das hat zu Verzögerungen im Bahnverkehr geführt. Zudem hat das Feuer große Schäden an den technischen Anlagen verursacht, die bis heute nachwirken. Signalkabel, die an der Strecke verlaufen, seien "massiv beschädigt" worden, so ein Sprecher der zentralen Bahn-Pressestelle in Berlin am Wochenende. Mit Folgen für den Zugverkehr. "Die Anlagen zur Steuerung der Signale, Weichen und Bahnüberführungen funktionieren nicht mehr einwandfrei." Seitens der Bahn habe man deshalb besondere Maßnahmen eingeleitet. "Die Züge fahren nicht mit der planmäßigen Höchstgeschwindigkeit", sagt der Bahn-Sprecher.

Bis heute sollten die Reparaturen vonstatten gegangen sein. "Unsere Techniker haben am Wochenende mit Hochdruck daran gearbeitet." Bei Trockenheit seien Böschungsbrände nichts Ungewöhnliches. Dennoch: "Dass das Feuer solche Ausmaße annimmt, ist selten der Fall und auch für die Bahn ein außergewöhnliches Ereignis", sagt der Sprecher. Eine Schadenssumme wurde am Wochenende aus Berlin nicht genannt. Einsatzkräfte vor Ort allerdings sprachen von mehreren Hunderttausend Euro.