Auch wenn die Flusspegel sinken: Von Entspannung der Lage kann hinter den Deichen noch keine Rede sein. Gestern stapelte die Feuerwehr westlich von Groß Rosenburg einen Sandsackwall, um zufließendendes Drängwasser vom Dorf fernzuhalten.

Groß Rosenburg. Kunstinteressierten kam Ilja Repins Gemälde "Die Wolgatreidler" in den Sinn, als sie gestern Mario Zacke und Kameraden beobachteten. Beim russischen Maler sind es elf Männer, die ein Schiff ziehen; in Rosenburg zerrt nur ein Feuerwehrmann am Strick. "Wir setzen unser Schlauchboot ein, um die Säcke an Ort und Stelle zu bringen", sagt Ortswehrleiter Tino Puder. Ein Transportmittel, das in diesen Tagen offenbar Furore macht. Auch die Pömmelter Wehr hatte Ende vergangener Woche zwei Kähne zum Bewegen von Sandsäcken benutzt (die Volksstimme berichtete).

Ort des Geschehens ist eine Gemarkung westlich von Groß Rosenburg, die der Volksmund "Höfchen" nennt. Hier zog sich vor Jahrhunderten ein Nebenarm der Saale entlang, der als Große und Kleine See in der Ortslage Rosenburg den Leuten zu schaffen macht. Um diesen "Urstrom" vom Dorf fernzuhalten, wurde eine Sandsack-Barriere aufgestapelt. Die Situation gleicht der von Pömmelte: Das Drängwasser steht auf dem Acker, der Graben im alten Flussbett ist ähnlich voll. "Ehe wir hundert Meter durch den aufgeweichten Boden trampeln, nehmen wir lieber unser Schlauchboot", meint Tino Puder. Eine Methode, die zum ersten Mal angewendet wird und sich gut bewährt. Vor allem, wenn rund 6000 Säcke in die Hand genommen werden müssen.

Am "Höfchen" stehen keine Pumpen, die das Wasser über den Deich fördern. Man hofft auf den natürlichen Rückgang des Drängwassers.

Der Feuerwehr Rosenburg kamen am Wochenende auch Wehren des Abschnitts zu Hilfe.

Die im Einsatz befindlichen Kameraden werden von ihren Arbeitgebern frei gestellt. "Das funktioniert relativ gut", ist Tino Puder zufrieden.

Die Einheitsgemeinde trägt den Verdienstausfall. Es gibt aber auch Firmen, die keine Anträge auf Ausgleich stellen und die Fehlkosten ihrer Mitarbeiter übernehmen. Ein weiterer Minusfaktor für den kommunalen Haushalt sind zusätzliche technische Ausstattungen, Kraftstoffe und Verpflegung.

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