Calbe l Wer von Schönebeck kommend nach Calbe fährt, überquert die Bahnbrücke und fährt auf den Kreisverkehr am Ortseingang zu. In dieser Höhe fällt der Blick der Kraftfahrer unweigerlich auf blau-weiß-schwarze Wandmalereien, die auf einige Außenwände der dortigen Garagenanlage gesprüht wurden. Bei den großflächigen Graffiti handelt es sich allerdings weniger um Willkommensgrüße der Saalestadt als vielmehr um Botschaften von unterschiedlichen Fangruppierungen des Ersten Fußballclub Magdeburg (1. FCM).

Magdeburger Fußballclub distanziert sich von Graffiti

"Fanatismus Magdeburg" prangt in weißen Lettern auf blauem Grund an einer Wand, darunter das Magdeburger Vereinswappen neben drei vermummten Personen, umrahmt von den Schlagworten Ehre, Härte, Treue und Stolz.

Neben diesem langjährigen Wandbild entstanden jüngst weitere, die auf die Verbundenheit einiger Calbenser mit der 1999 gegründeten Ultra-Gruppierung "Commando East Side" verweist.

"Die Graffiti sind nicht nur einigen Calbensern ein Dorn im Auge", meint FCM-Pressesprecher Matthias Kahl auf Volksstimme-Anfrage. "Für den 1. FC Magdeburg ist dies sicherlich auch keine gute Werbung, die in den zurückliegenden Jahren im Magdeburger Umland leider vermehrt aufgetreten ist."

Um welche Personengruppen es sich genau handele, ließe sich nur vermuten, sagt Kahl weiter. Der FCM werde sich diesbezüglich an keinen Spekulationen beteiligen. "Eine Einflussnahme ist für den 1. FC Magdeburg nur im Dialog mit den betreffenden Fangruppierungen möglich, andere Mittel hat ein Sportverein nicht zur Verfügung", sagt Kahl. In der Vergangenheit habe die Vereinsführung mehrfach im Gespräch mit den verschiedenen Fangruppen auf die Problematik der Graffiti hingewiesen, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

Der Fußball-Regionalligist stand in der Vergangenheit wegen Hooligan-Übergriffen häufiger in der Kritik und distanzierte sich von derartigen Gewaltübergriffen.

Für Rainer Schulze, Calbes Ordnungsamtsleiter und Manager der Fußballabteilung der Turn- und Sportgemeinschaft Calbe (TSG), sind solche Graffiti eher ein Randproblem, das sich bislang auf Magdeburger Ultras und auf Gebäude am Stadtrand konzentriert.

Gegen ausgeprägte und friedliche Fankultur im Fußball hat sicherlich niemand etwas einzuwenden. Doch bei einer Umdeutung von immer wiederholten Schlagwörtern wie Fanatismus mahnte schon der Dresdner Romanistikprofessor Victor Klemperer vor Massensuggestion. In seinem bekanntesten Buch (1947 erschienen) widmet er sich der Sprache des Dritten Reiches und erklärt neben weiteren Beispielen, wie es die Nationalsozialisten in ihrer Herrschaftszeit durch ständige Wiederholung schafften, aus fanatisch mit klar negativer Bedeutung ein durchweg positives Attribut zu formen.