Mütter und Väter aus Förderstedt wollten wissen: Was ist mit der Förderstedter Turnhalle los (Volksstimme berichtete gestern)? Ihre Fragen hatten sie der Staßfurter Volksstimme mitgeteilt. Die Redaktion bat daraufhin Oberbürgermeister René Zok, diese Fragen zu beantworten.

Förderstedt/Staßfurt l Auf Nachfragen der Volksstimme luden Oberbürgermeister René Zok und der für die Turnhallen zuständige Fachbereichsleiter Hans-Georg Köpper die Redaktion gestern Nachmittag ein. Sie beantworteten die Fragen der Eltern. Zu einigen Fragen allerdings hielten sie sich bedeckt. Denn: Derzeit laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Sie prüft nun, ob es eventuell Defekte in der Halle gab und wer diese nicht gemeldet hatte. Weil es sich dabei um ein laufendes Verfahren handelt, können einige Fragen nicht beantwortet werden. Hier die Antworten:

1. Welche Mängel hat die Halle?

"Welche Mängel es vor dem Unfall in Förderstedt gab, das ist genau die Frage, um die es derzeit in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geht", sagt Oberbürgermeister René Zok. "Und weil es sich um laufende Ermittlungen handelt, dürfen wir darüber nichts sagen, um die Ermittlungen nicht zu stören", so Zok weiter.

Eine ganz andere Sache sind jene Mängel, die nach dem Unfall festgestellt worden. Hierzu hatte die Stadt noch einmal selbst eine Firma beauftragt. "Diese Mängel, die sich nach dem Unfall ergeben haben, haben nichts mit dem Unfall zu tun." Bei diesen Mängeln, die erst nach dem Unfall festgestellt wurden, handelt es sich um einige defekte Sportgeräte in der Halle. Zum Beispiel muss ein Turnpferd entsorgt und ersetzt werden. Zwei Turnmatten müssen neue Bezüge bekommen. Weiterhin sind an den elektrisch betriebenen Vorrichtungen, zum Beispiel die der Kletterstangenanlage, Wartungen vorzunehmen.

2. Wann war die letzte Wartung der Geräte?

"Auch das spielt in die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hinein, die wir nicht stören dürfen mit öffentlichen Aussagen. Daher können wir dazu nichts sagen", so Oberbürgermeister René Zok.

3. Wer hat angeordnet, dass der Schulsport in der Turnhalle stattfinden kann?

Die Staatsanwaltschaft hatte einen Gutachter beauftragt, der den Zustand der Halle im Rahmen der Ermittlungen geprüft hat. Das Gutachten hat die Polizei der Stadtverwaltung per E-Mail am 11. Februar geschickt. Die Stadtverwaltung hatte zuvor ganz allgemein bei den Ermittlungsbehörden nachgefragt, wann sie die Halle wieder freigeben dürfe. In der E-Mail steht, der Schulsport kann in der Halle stattfinden, aber unter strengsten Auflagen: Alle Geräte müssen befestigt werden, so dass sie sich nicht lösen können. Es muss ein Prallschutz angebracht werden. Alle motorbetriebenen Geräte dürfen nicht benutzt werden.

4. Wie ist die Begründung?

"Die Nachricht kam von dem Gutachter ohne weitere Begründung", sagt Hans-Georg Köpper. Er sei froh, dass es für den Schulsport eine Ausnahme gibt und dass wenigstens dieser stattfinden kann. Weiterhin sagt René Zok: "Wenn die Lehrer und wir als Stadt, es verantworten können, dass der Schulsport dort stattfindet, dann gibt es keinen Grund daran zu zweifeln."

5. Wo ist das Dokument, dass diese Anordnung belegt?

Das Schreiben wurde der Volksstimme beim Gespräch vorgelegt: Darin war tatsächlich keine Begründung zu lesen.

6. Wurde der Eintrag zur Sprossenwand gesehen?

Auch das kann nicht beantwortet werden, weil es Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist.

7. Wie oft wird das Hallenbuch kontrolliert?

"Regelmäßig", sagt Hans-Georg Köpper. Der Hausmeister sieht das Hallenbuch "regelmäßig" durch. Dann nimmt er entweder selbst Reparaturen vor oder leitet es an den zuständigen Fachdienst der Stadt weiter, falls die Reparturen größer sind und dafür externe Firmen beauftragt werden und Gelder bereit gestellt werden müssen. Was genau "regelmäßig" ist, sagt Köpper nicht.

8. Wann wurde das Hallenbuch in Förderstedt zum letzten Mal kontrolliert?

Auch diese Frage ist ermittlungsrelevant und kann daher nicht beantwortet werden.

9. Wann bekommt Förderstedt wieder einen Hallen- und Platzwart?

"Es gab in Förderstedt nie einen Hallen- und Platzwart", sagt Hans-Georg Köpper. René Zok erklärt: "Es gab dort ABMs (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen), da war jemand vor Ort und hat sich gekümmert. Aber eigene Hallen- und Platzwarte waren das nicht. Die Problematik der Arbeitsgelegenheiten ist ja bekannt." Die Stadt bekommt immer weniger dieser Arbeitskräfte zugewissen. Das heißt: In Zukunft gibt es kein Personal speziell für die Halle Förderstedt. Dennoch gibt es einen Hausmeister, der sich um die Halle kümmert.

10. Wann wird die Halle wieder freigegeben?

Die Halle war wegen der Ermittlungen der Polizei gesperrt. Am 17. Februar waren die Ermittlungen abgeschlossenen. Dann konnte die Halle, wie erwähnt, unter Einschränkungen nur für den Schulsport freigegeben werden. "Am 17. Februar kam dann auch die Informationen von der Polizei, dass wir die Turnhalle erst komplett freigeben können, wenn alle Geräte komplett überprüft worden", sagt Hans-Georg Köpper. "Diese Überprüfung fand am 28. Februar statt." Dazu hatte die Stadt eine weitere externe Firma beauftragt. Nach der Überprüfung müssen festgestellte Mängel in Förderstedt noch behoben werden. Die Verwaltung hat dafür am 7. März eine Firma beauftragt, die die Mängel behebt. Das dauert eine Weile. "Deswegen denke ich, dass die Halle erst Anfang April freigegeben werden kann", so Köpper.

Hierzu sagt der Fachbereichsleiter auch: "Wir haben dies dem SV Förderstedt und der Zentralen Landsportgemeinschaft bereits per E-Mail mitgeteilt."

Welche Mängel gibt es in den anderen Turnhallen?

Nach dem Unfall hat die Stadtverwaltung eine Firma beauftragt, alle neun Sporthallen der Stadt zu prüfen. Diese fand am 29. und 30. Januar statt. Auch dieses Gutachten haben René Zok und Hans-Georg Köpper der Volksstimme gezeigt. Darin finden sich jeweils pro Sporthalle einige Defekte an Sportgeräten, die zum Beispiel durch Verschleiß zustande gekommen sind. "Nach der Überprüfung sind die Mitarbeiter unseres Fachdienstes durch die Sporthallen gegangen und haben festgelegt, welche Reparaturen sofort gemacht werden müssen, welche Geräte ausgesondert werden müssen und ersetzt werden müssen. Letztere sind vorläufig gesperrt", so Köpper.

Rund 30000 Euro wird es kosten, alles zu reparieren oder zu ersetzen. Außerdem: Der Unfall in Förderstedt war für die Verwaltung ein Anlass, das generelle Vorgehen mit Mängeln und Defekten zu hinterfragen und eventuell anders zu organisieren. Denn: Irgendwo in der Übermittlung der Defekte - zwischen Übungsleitern oder Lehrern, die die Mängel in das Hallenbuch eintragen, dem Hausmeister, der sie sieht und dem Fachdienst weiterleitet - können Informationen verloren gehen.