Tornitz l Zu Beginn eine Episode aus dem Feuerwehr-Alltag, die zeigt, wie man die Kameraden zuweilen auch beschäftigen kann. Am 17. Juni eilte Ortswehrleiter Bernhard Oertel zum Gerätehaus. Der Alarmcode teilte ihm und sieben weiteren Kameraden mit: Person in Notlage auf dem Spielplatz. Ein Kind traue sich nicht von der obersten Stufe des Klettergerüstes runter, so die Leitstelle. "Komisch", dachte der Ortswehrleiter, "als ich eben mit dem Fahrrad am Spielplatz vorbei fuhr, grüßten mich zwei Kinder ganz entspannt und freundlich: Eines unten, das andere auf dem Gerüst." Von Notlage also keine Spur.

Als die acht Kameraden wenig später am Einsatzort erschienen, konnte von Dramatik keine Rede sein. Bernhard Oertel hob ein etwa neunjähriges Mädchen aus den "Höhen des Klettergerüstes" zum Boden. "Ich habe den Kindern gesagt, dass sie fast alles richtig gemacht haben", erinnerte sich der Gemütsmensch Oertel. Aber beim nächsten Mal sollten sie doch bitteschön erstmal die Eltern zu Hilfe rufen, legte er den Kindern ans Herz. Wie sich später heraus stellte, hatten die Mädchen in der Grundschule kurz zuvor das Thema Feuerwehr durchgenommen und wollten vermutlich mal testen, wie das so praktisch funktioniert, mit dem Anruf bei der 112 ...

Weitere Einsätze waren die Beseitigung eines Sturmschadens und natürlich das Hochwasser. "Dabei konnten wir auf die Erfahrungen des Hochwassers 2011 aufbauen", so der Wehrleiter. Damals soffen Teile des Doppeldorfes beinahe durch Drängewasser ab.

2013 waren die Kameraden 20 Fluttage im Einsatz. "Warum erfolge danach keine Dokumentation unserer Einsätze?", kritisierte Oertel. "Auf Nachfrage wurde uns gesagt, dass es sich nur um statistische Dinge handele. Gelten denn bei Großschadenslagen andere Bestimmungen?" Lokale Erfahrungen aus jenen Juni-Tagen seien bei den Verantwortlichen des Stabes gemeldet worden. Nun hoffe man, dass Konsequenzen daraus gezogen werden. Denn das nächste Hochwasser kommt bestimmt.

"Das Jahr 2013 hatte bei uns etwas stürmisch angefangen." Was Bernhard Oertel nicht meteorologisch, sondern zwischenmenschlich meinte. Zu jenem Zeitpunkt wurde das Feuerwehr-Gerätehaus Werkleitz geschlossen, nachdem beide Ortswehren zusammen gelegt worden waren. Einige Kameraden quittierten den Dienst. Die Vereinigung zweier (historisch gewachsener) "konkurrierender" Wehren war keine einfache Sache. "Im Sommer hatte sich dann die Situation beruhigt", fasste der 59-Jährige zusammen, dessen Großvater Wilhelm Oertel 1935 zu den sechs Gründern der Feuerwehr Tornitz zählte. Die Wehr des kleineren Dorfes Werkleitz war bereits 1892 auf die Beine gestellt worden.

Nicht zuletzt das Hochwasser 2013 habe auch etwas Gutes gebracht, nämlich die Werkleitzer und Tornitzer Kameraden zusammengeschweißt, hieß es. Was auch Stadtwehrleiter Detlef August bestätigte, der von "guter Stabilität" sprach.

Bernhard Oertel verschwieg die eingeschränkte Einsatzbereitschaft nicht: "Die ist zwischen 6 und 18 Uhr unser Problem, weil in diesem Zeitraum nur drei Kameraden im Ort sind." Dann übernehme die Feuerwehr Barby.

Am Ende des offiziellen Teils wurden alle 22 aktiven Einsatzkräfte mit den sogenannten Flutnadeln des Landes Sachsen-Anhalt geehrt.

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