Schönebeck l Dieser Geburtstag war wahrlich ein ganz besonderer: Hildgard Ebers feierte gestern ihren 102. Geburstag. Und dazu gab es nicht nur prächtige Blumensträuße und Präsente, sondern sogar eine Urkunde von Ministerpräsident Reiner Haseloff. Der kam zwar nicht persönlich vorbei, der guten Stimmung tat das aber überhaupt keinen Abbruch.

Aufgewachsen in Kalbe an der Milde, lebt Hildegard Ebers seit neun Jahren nun schon im Seniorenpflegeheim Magdalenenhof in Schönebeck. Dort saß sie gestern mit ein paar ihrer Freunde aus dem Haus und den Pflegekräften zusammen und empfing ihre Gäste an einem bunt geschmückten Tisch. Unter den Besuchern auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch. Der überbrachte seine besten Wünsche und richtete selbst noch einen Wunsch ans Geburtstagskind: "Ich würde gerne zu ihrem 103. Geburtstag im nächsten Jahr wieder vorbeikommen und mit Ihnen anstoßen!"

Der wohl wichtigste Mensch an der Seite von Hildegard Ebers ist aber Michael Mittrenga. Seit einer Taxifahrt vor rund 17 Jahren sind die beiden sehr gut befreundet. "Ich hatte früher einen Taxibetrieb in Schönebeck. Und eines Tages habe ich Hildegard gefahren. Sie hatte sich damals gerade eine Holztruhe gekauft, wusste aber nicht, wer ihr das Möbelstück aufbauen sollte", erzählt Michael Mittrenga. Kurzerhand entschloss er sich zu helfen, und die beiden wurden Freunde. Mittlerweile ist er auch als Betreuer für die rüstige Dame eingesetzt und besucht sie regelmäßig, obwohl er zwischenzeitlich von Berufs wegen nach Nordrhein-Westfalen umgezogen ist.

Zusammen gehen die beiden auch Schuhe kaufen. Und was für viele Frauen das wohl größte Shopping-Vergnügen ist, ist für Hildegard Ebers schon oft eine regelrechte Tortur gewesen. Der Grund? Sie hat Schuhgröße 32! "Das ist nicht immer einfach, denn sie will ja auch keine Kinderschuhe mit irgendwelchen Motiven tragen. Deswegen sind viele ihrer Schuhe Maßanfertigungen", berichtet Michael Mittrenga, der seinen Schützling liebevoll Hilde nennt.

Natürlich muss bei der Feier zum 102. Geburtstag auch die Frage erlaubt sein, welches Geheimrezept hinter diesem stolzen Alter steht. "Das Leben muss ab und an einfach richtig lustig sein", antwortet Hildegard Ebers und lacht direkt. Und dazu noch eine Prise Bescheidenheit und Zufriedenheit. "Ich bin einfach immer optimistisch", ergänzt sie.

Dabei ist ihr Leben nicht immer einfach gewesen. Ihre drei Kinder starben bereits im Säuglingsalter in den Kriegswirren. Und ihren Mann Kurt verlor sie schon vor 38 Jahren. Dennoch ist sie heute zufrieden. "Nur das Augenlicht könnte besser sein", sagt Hildegard Ebers. "Sie braucht zwar ihren Rollator, läuft aber sonst noch eigenständig", erzählt auch Michael Mittrenga nicht ohne Stolz. Das gute Befinden bescheinigt ihr auch Barbara Joppe. "Frau Ebers ist wirklich immer gut drauf", so die Heimleiterin des Magdalenenhof in Schönebeck über ihre älteste Bewohnerin.