Ein oder mehrere Feuerteufel halten Calbes Blauröcke mittlerweile fast täglich in Atem. Seit Dezember gehen gehäuft Autos, Lkw, Keller, Ruinen, Gartenlauben und Brachflächen in Flammen auf. Allein in diesem Jahr brannte es schon 18-mal. Fast immer bei dieser beängstigenden Serie geht die Polizei von Brandstiftung aus und mahnt daher zu verstärkter Wachsamkeit.

Calbe l Viel ist in der Nacht zum Freitag nicht vom Mercedes übrig geblieben. Weißer Löschmittelschaum überdeckt die verkohlten Überreste des Autos, das in der Martin-Andersen-Nexö-Straße geparkt wurde. Totalschaden mitten in der Neuen Wohnstadt. Mal wieder, denn eine beispiellose Brandserie sorgt dafür, dass sich zunehmend die Angst vor einem oder mehreren Feuerteufeln unter den Calbensern ausbreitet.

Im Dezember machten plötzlich dreiste Brandstiftungen wie ein sprichwörtliches Lauffeuer die Runde in der Saalestadt. Auf dem Parkplatzgelände des ehemaligen Tengelmann in der Barbyer Straße brannten die Fahrerhäuser zweier Lkw. Ein Familienauto brannte neben der Kita "Regenbogen" aus (Volksstimme berichtete). Die heimtückische Methode in allen Fällen: Unbekannte legten Feueranzünder auf die Reifen der Fahrzeuge. Dabei nahmen sie im Falle der Laster auch leichtfertig Menschenleben in Kauf, denn deren Fahrer hätten in den Fahrerhäusern durchaus auch übernachten können.

Die Polizei hat ihre Streifentätigkeit erhöht und arbeitet mit Hochdruck daran, den oder die Unbekannten endlich dingfest zu machen. Marco Kopitz, Sprecher der Polizei im Salzlandkreis, rät den Anwohnern vor allem in Calbe West oder der Neuen Wohnstadt besonderes Augenmerk auf fremde oder auffällige Personen im Wohnumfeld zu legen. "Sinnvoll ist es, dass alle Nachbarn wachsam sind", sagt Kopitz. Nachbarschaftshilfe sei in diesem Fall, wie auch bei Einbrüchen, eine der wichtigsten Präventionsansätze. Bei Feststellungen von Verdächtigen oder sonstigen Zeugenhinweisen sollte schnell das Revierkommissariat in Schönebeck unter (0 39 28) 46 61 95 informiert werden. Auf die Frage nach der Bildung von Bürgerwehren gibt sich Kopitz zurückhaltend. "Klingt irgendwie ein bisschen wie Selbstjustiz, und die ist in Deutschland nicht erlaubt." Sollte es allerdings darum gehen, Feststellungen bezüglich der möglichen Brandstifter zu treffen und die dann der Polizei zu melden, sei es rechtlich möglich. Hier werde möglicherweise ein gesetzlich verankertes Festnahmerecht für jedermann geltend gemacht. Demnach sei es möglich, den auf frischer Tat ertappten Straftäter bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

So fragen sich Bürger und Feuerwehrkameraden weiterhin mit Sorge, wann und wo es als nächtes brennen wird und wann der Übeltäter endlich geschnappt wird.

Bilder