Fusion, Austritte, verschwundene Unterlagen und merkwürdige Wahlen: Steffen Aermes, in der Verwaltung für Ortswehren zuständig, erklärt, was bei der Feuerwehr Förderstedt vor sich ging. Denn: "Einige dieser Geschichten belasten die Kameraden, die doch so gute Arbeit machen", erklärt er unter anderem im Interview mit Redakteurin Franziska Richter.Volksstimme: 14 Austritte aus der Feuerwehr Förderstedt in den vergangenen eineinhalb Jahren. Woran lag das?

Steffen Aermes: Alles begann mit der Brandschutzanalyse und dem Vorhaben, die drei Wehren Förderstedt, Üllnitz und Glöthe zusammenzulegen. Für die Fusion waren die Kameraden schon, aber die Entscheidung für Üllnitz als Standort des gemeinsamen Gerätehauses haben einige Kameraden aus Förderstedt schon mit Skepsis betrachtet.

Volksstimme: Das ist ja auch verständlich?

Steffen Aermes: Natürlich. Ich kann die Kameraden verstehen. Der Anfahrtsweg für die Förderstedter ist länger. Die meisten Einsätze sind aber in Förderstedt. Andererseits muss das Gerätehaus in der Mitte aller drei Orte liegen. Außerdem haben wir in Förderstedt auch kein passendes Grundstück gefunden. Am meisten protestierte der Kamerad, der in Atzendorf wohnt, was ich auch verstehen kann. Wegen des neuen Standorts Üllnitz gab es also schon einige Austritte beziehungsweise zwei Wechsel in die Atzendorfer Wehr.

Volksstimme: Bei der Wahl der Wehrleitung im März 2013 gab es auch Probleme...

Steffen Aermes: Das war der nächste Grund für einige Austritte. Die erste Wahl war unentschieden, auch der zweite Wahlgang hat nichts gebracht. Man konnte sich in der Wehr nicht einigen, wer nun ein richtiges aktives Mitglied ist und wer nicht. Wählen dürfen nur die aktiven Kameraden.

Volksstimme: Da kamen also plötzlich Kameraden zur Wahl, die schon lange nicht mehr bei der Wehr gesehen wurden? Aber es muss doch irgendwo geregelt sein, wer als aktiver Kamerad gilt und wer nicht.

Steffen Aermes: In der Satzung steht nur, ein aktiver Kamerad ist 18 bis 65 Jahre alt. Aber da steht nicht, was zum aktiven Dienst gehört. Man sagt eigentlich mindestens 40 Dienststunden pro Jahr.

Volksstimme: Und das sahen einige der plötzlich aufgetauchten Kameraden in Förderstedt anders?

Steffen Aermes: Da kamen Leute zur Wahl, die den Nachweis, also diese 40 Stunden Dienst, nicht erbringen konnten. 2012 hatten wir dort eigentlich 38 Kameraden, zur Wahl waren es auf einmal 45. Das sieht man auch, wie verfahren das Ganze war. Daraufhin hat der Oberbürgermeister entschieden, was auch sein gutes Recht ist, dass Hans-Jürgen Lärz bis zur Fusion Wehrleiter bleibt.

Volksstimme: Wird sonst irgendwo Buch über den Dienst der Kameraden geführt?

Steffen Aermes: Es gibt Bücher über den Dienst und Einsatzbücher. Aber darin waren nicht so viele Kameraden, wie bei der Wahl in Förderstedt auf der Matte standen.

Volksstimme: Wieso kamen auf einmal so viele?

Steffen Aermes: Ich denke, dass da jeder Bewerber für die Posten in der Wehrleitung Akquise betrieben hat.

Volksstimme: Führt die Verwaltung nirgendwo einen Nachweis, wie oft die Kameraden zum Dienst kommen?

Steffen Aermes: Wir von der Verwaltung haben dann alle Ortswehrleiter angeschrieben. Sie sollten Listen machen, wie viele Aktive sie tatsächlich haben.

Volksstimme: Aufgrund des Ärgers in Förderstedt?

Steffen Aermes: Ja, genau. Wir als Verwaltung haben entschieden, dass wir genau aufklären müssen, wieviele aktive Kameraden die einzelnen Ortswehren haben. Wir haben uns das auch von den einzelnen Kameraden unterschreiben lassen.

Volksstimme: Was ist dabei herausgekommen? Dann kam die sogenannte "Mitgliederbereinigung", oder?

Steffen Aermes: Bereinigung klingt immer so fies und bei uns in der Staßfurter Ortswehr läuft das auch anders: Wenn ein Kamerad merkt, er schafft den aktiven Dienst nicht mehr, altersbedingt oder wegen der Arbeit oder aus anderen Gründen, dann wird das gemeldet. In Förderstedt war das anscheinend nicht so. Auf jeden Fall haben wir bei einigen Förderstedter Kameraden festgestellt, dass sie keine aktiven Mitglieder mehr sein können, aus solchen Gründe wie Arbeit und so weiter.

Volksstimme: Gab das Ärger?

Steffen Aermes: Nein, der Austritt ist immer freiwillig. Die Kameraden haben es eingesehen.Volksstimme: Und die Bilanz?

Steffen Aermes: 2012 waren es 38 Kameraden in Förderstedt, nach der Bereinigung 25. Neun davon sind wegen dieser Bereinigung weggefallen. Aber wie gesagt, der Rest ist wegen der strittigen Standortfrage und dem Ärger bei der Wahl ausgetreten oder nach Atzendorf gewechselt.

Volksstimme: Wie geht es jetzt weiter?

Steffen Aermes: Hans-Jürgen Lärz wird noch einmal vom Stadrat zum Wehrleiter berufen, für zwei Jahre. Eigentlich wird für sechs Jahre berufen. Aber der Landkreis sagt, Lärz fehlt die Berechtigung zum Zugführer, die man als Wehrleiter braucht. Deswegen nur die zwei Jahre. Mit der Fusion wird neu gewählt. Ich wünsche mir aber vor allem, dass da Ruhe einkehrt. Die aktiven Kameraden können wenig für die Querelen. Es entsteht Gerede über die Feuerwehr im Ort und das belastet sie. Dabei leisten sie eine so gute Arbeit.

Volksstimme: Wann genau wird fusioniert?

Steffen Aermes: Wenn das neue Gerätehaus eingeweiht wird. Wir haben Fördermittel für 2015/2016 beantragt, dann wird auch gebaut.

Volksstimme: Auf dem Gelände sollten doch Altlasten sein?

Steffen Aermes: So hieß es. Aber wir haben Bohrungen durchgeführt, um das zu untersuchen. Wir haben nichts gefunden. Der Boden scheint in Ordnung zu sein.