Der Schönebecker Stadtseniorenrat gilt als Gremium seiner Art bundesweit als beispielgebend. Das liegt zum einen daran, dass in ihm sämtliche Vereine vertreten sind, die Seniorenarbeit leisten, zum anderen am Engagement der Vorsitzenden Gudrun Schedler. Doch sie kandidierte jetzt nicht mehr für diesen Posten.

Schönebeck l Beim Gedanken an den oder bei der Nennung des Schönebecker Stadtseniorenrat taucht sofort ein Gesicht vor dem geistigen Auge auf: Gudrun Schedler. Zehn Jahre führte sie das Gremium. Jetzt ist sie für den Posten der Vorsitzenden nicht mehr angetreten.

Mit den Worten: "Das ist ein denkwürdiger Tag", kommentierte Frank Schiwek die kürzlich ausgerichtete Mitgliederversammlung des Stadt- seniorenrates im Haus Luise in der Moskauer Straße. Schiwek gehört zum Vorstand der Gruppe.

In einer Mitteilung des Presseamtes der Stadt Schönebeck heißt es über Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU), der an der Sitzung teilnahm: Der Stadtchef zeigte sich von der Arbeit des Gremiums beeindruckt. Er dankte insbesondere Gudrun Schedler, die als Vorsitzende viele soziale Projekte in Schönebeck geprägt und gemeinnützige Initiativen begleitet habe. "Ihrem persönlichen Engagement ist es zu verdanken, dass die Stadt Schönebeck unlängst durch landes- und bundesweite Wettbewerbe ausgezeichnet wurde", würdigte Knoblauch.

Wie groß ist also das Defizit, das sich jetzt auftut? Droht Schönebeck das gleiche Schicksal wie Magdeburg, wo sich der Stadtseniorenrat aufgelöst hat? "Das darf uns nicht geschehen", warnt Gudrun Schedler im Gespräch mit der Volksstimme. Sie verweist auf die Altersstruktur der Schönebecker Bürgerschaft, die bereits vor zwei Jahren einen Wert erreicht hatte, der in anderen deutschen Städten erst um 2025 zu erwarten ist, sprich: viele ältere Leute, wenig junge.

Rückblickend betont Gudrun Schedler: "Wir sind stolz auf das Erreichte." Sie führt als Beispiele die Infostelle "Punkt 12" am Schönebecker Markt an und verweist auf die konstruktive Zusammenarbeit mit der Schönebecker Stadtverwaltung. "Wir gestalten das gesellschaftliche Leben in der Stadt aktiv mit", schätzt sie ein.

Als Vorsitzende will Gudrun Schedler nicht weiterarbeiten, weil die Aufgaben in ihren ehrenamtlichen Engagements insgesamt deutlich zugenommen haben. Manchmal gehe sie morgens um 8 Uhr aus dem Hause und sei erst abends wieder daheim. "So habe ich mir meinen Ruhestand dann auch wieder nicht vorgestellt", sagt die 73-Jährige. Deshalb habe sie nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. Die Schönebeckerin will aber weiter im Vorstand des Seniorenrates bleiben, weiterhin als Grüne Dame Seelsorgerin im Klinikum und in Heimen sein, sich weiterhin einsetzen für ein Demenz-Servicezentrum und ein Hospiz für die Elbestadt, weiterhin im Förderverein des Stadtseniorenrates mitwirken.

Den Hut im Stadtseniorenrat hat derzeit Frank Schiwek auf. Bei der nächsten Mitgliederversammlung soll ein neuer Vorsitzender oder eine neue Vorsitzende gewählt werden. "Es gibt keinen Abbruch in unserer Arbeit, wohl aber eine Neustrukturierung", stellt Gudrun Schedler heraus und führt an, dass der Stadtseniorenrat aktuell auf die Zuweisung einer sozialversicherungspflichtigen Stelle über das neu aufgelegte Programm "Aktiv zur Rente" wartet, beantragt von der Beschäftigungsgesellschaft BQI.

Der Stadtseniorenrat Schönebeck gilt als bundesweit beispielgebend, weil in ihm alle Vereine der Stadt mit Mitgliedern vertreten sind, die Seniorenarbeit leisten.