Mit einem besonderen Schauspiel ist gestern ein zwölf Tonnen schweres technisches Denkmal in die Saalestadt zurückgekehrt. Nachdem es die Mühlgrabenbrücke passiert hatte, ließ es ein Lastenkran vorsichtig auf einen Betonsockel am Saalewehr schweben.

Calbe l Norbert Haverland hatte mit dem Schleppen seiner schweren Fracht so einige Mühe. "Vor allem der Calbenser Kreisverkehr war nicht einfach mit dem Schwerlastanhänger zu nehmen", sagt der Bauhofmitarbeiter, als er gegen Mittag mit einem städtischen Laster über die Mühlgrabenbrücke am Anger fuhr. Damit war das Bauwerk neben dem Schillergymnasium schon an seiner Belastungsgrenze angelangt. Erst im Anschluss hievten Mitarbeiter einer Braunschweiger Schwertransportfirma mit einem Kran die historische Maschine vom leichteren Lastenanhänger auf einen vierachsigen Tieflader. Dieser transportierte die rund zwölf Tonnen schwere Fracht an der Fähre vorbei in Richtung alte Papiermühle.

Ein Schauspiel, das Neugierige anzog, darunter Hans-Werner Schmidt. Das Haus des Calbensers gehört zur Silhouette von "Klein Venedig". Von dort hat er einen herrlichen Blick auf den Mönchsheger, den Saalebogen und das 184 Meter lange Wehr. "Seit Jahrzehnten verfolge ich immer genau, wenn etwas am Wehr gebaut wird und dokumentiere es", sagt Schmidt. Nach seinen Aufzeichnungen war es 1984, als an der damaligen Wehranlage (heutiges Buchtenkraftwerk) die wuchtige Steuerungstechnik aus DDR-Produktion installiert wurde. Ein Elektrogetriebe brachte große und kleine Zahnräder in Bewegung, die schließlich eine lange Zahnstange auf und ab bewegten. An ihr war ein Schieber befestigt, mit dem der Überfluss der Saale regulierte. Vor zehn Jahren begann ein bayrischer Investor mit den Bauarbeiten für das heutige Buchtenkraftwerk. Die schwere Steuerungstechnik hatte damit ausgedient.

Erhalten wurde die Maschine vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA). "Zuletzt war sie in Rothenburg an der Saale ausgestellt", sagt Außenstellenleiter Matthias Pusch. In Zusammenarbeit mit dem Verschönerungsverein Calbe (VVC) wurde der Umzug organisiert. "Ein Stück Stadtgeschichte ist nun wieder heimgekehrt", freut sich VVC-Vorsitzender Rudolf Conrad auch über den optisch guten Zustand des technischen Denkmals. "Ein Blickfang", meint auch Heimatvereinsvorsitzender Uwe Klamm, der das Geschehen fotografisch dokumentierte. "Hoffentlich bleibt sie von Vandalismus verschont." Die zahlreichen Spaziergänger und Radwanderer, die vom Markt über den Rathausdurchgang und Mühlgrabenbrücke zur Fähre unterwegs sind, sollen sich künftig an einer Informationstafel mit technischen Daten, Funktionsweise und der Geschichte der Anlage vertraut machen können.

Plötzlich zückt Hans-Werner Schmidt nochmals seinen Fotoapparat und hält die letzten Meter bis zum Ziel fest. Ein Lastenkran hievt den Koloss langsam über den Handlauf der Brüstungsmauer zur Saale auf seinen angestammten Platz. Es scheint, als hätte das technische Denkmal schon immer an dieser Stelle gestanden und nicht auf der anderen Wehrseite. Nach der Beschotterung des Platzes hinter der Mühlgrabenbrücke, der Pflasterausbesserung des Weges, der Bepflanzung des Zaunes und dem Aufstellen von historischen Stahlgussstützen ist das Areal an der alten Papiermühle mit dieser Aktion weiter aufgewertet worden.

 

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