Barby l "Vorsicht, Voooorsicht", ruft ein Straßenbauer, der mit der Schubkarre schwungvoll flüssigen und sehr heißen Gussasphalt durch die schmalen Flure des Feuerwehrdepots schiebt. Er und mehrere seiner Kollegen sind wie die Ameisen dabei, eine regelrechte Karren-Kette zu bilden. Es muss schnell gehen. Das flüssige Bitumen wird in einem Spezialfahrzeug angeliefert. Die Männer kippen es auf den gedämmten Fußboden, der feuchtigkeitsresistent aufgebaut wird.

Mit Fertigstellung der Fahrzeughalle rechnet Ortswehrleiter Nico Drobek im Mai, die Wiedereinweihung der Versammlungs- und Sozialräume würde noch etwas dauern.

Als der Ministerpräsident das Feuerwehrgerätehaus am Magdeburger Tor besichtigt, muss er also vorsichtig sein. Wegen des schnell erkaltenden Bitumens können sich die Bauleute keine Ehrfurcht erlauben - egal ob ein Ministerpräsident oder der Postbote kommt.

Wie auch viele andere Stellen in Barby soff das Feuerwehrdepot im vergangenen Juni ab. Die Lösch- und Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr sind bis zur Fertigstellung bei einer Metallbaufirma im Wilhelmsweg stationiert. Hier haben die Kameraden auch ihre Ausrüstung.

Wenig später übergibt Reiner Haseloff im Rathaus drei Bescheide, auf die die Stadt schon lange wartet. Wie Bauamtsleiter Holger Goldschmidt zuvor sagte, sei man beim Feuerwehrdepot in finanzielle Vorleistung gegangen. Was bei einer klammen Stadtkasse wie der Barbyer keine leichte Übung ist.

Der Ministerpräsident zählt die geförderten Projekte auf: Neben dem Gerätehaus sollen auch der Gribehner- und der Ziegeleiweg durch die Fluthilfemittel saniert werden. Goldschmidt und Bürgermeister Strube hatten am Morgen davon aus der Zeitung erfahren. "Wir wussten zwar, dass der MP einen Zuwendungsbescheid übergibt, aber nicht, welche Straßen gemeint sind", gestand Holger Goldschmidt kurz vor dem Besuch, der launig von "Öffnung einer Wundertüte" sprach.

Mit dem Ausbau der beiden Straßenzüge soll voraussichtlich im Spätsommer begonnen werden. Das würde in mehreren Bauabschnitten erfolgen. Den Verantwortlichen bei der Stadt fällt mit Zuteilung der ersten Bewilligung ein Stein vom Herzen. Denn jetzt stehen die Projektplanungen auf sicheren Füßen, die nicht von heute auf morgen fertig sind.

"Wir wissen, dass das hier das komplizierteste Areal von Sachsen-Anhalt ist", gesteht Reiner Haseloff und bittet um Geduld. "Wenn man etwas macht, macht man es nicht im Sinne der eins zu eins Wiederherstellung, sondern dem Standard des 21. Jahrhunderts entsprechend", sagt der Ministerpräsident. Wodurch auch weitere Infrastrukturvorteile erschlossen würden.

Haseloff räumt aber auch ein, dass sich "der Prozess noch länger hinziehen" werde.