Das August-Bebel-Denkmal aus Felgeleben soll mehr Aufmerksamkeit erfahren. Die SPD im Stadtrat will es umsetzen lassen. Diskussion gab es um mögliche entstehende Kosten.

Schönebeck l "Nichts ist ewig, weder in der Natur noch im Menschenleben, ewig ist nur der Wechsel, die Veränderung" - ein Zitat von August Bebel (1840 bis 1913). Die SPD im Schönebecker Stadtrat wirbt gerade für eine Veränderung im Zusammenhang mit dem Begründer der in Deutschland organisierten sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Denn August Bebel ist in der Elbestadt ein Denkmal gewidmet. Für das soll ein neuer Platz gefunden werden.

Der Gedenkstein mit Relief und Spruch steht auf dem Hof der ehemaligen Schule in Felgeleben, die viele Jahre den Namen August Bebels trug. Heute ist der Platz nicht mehr öffentlich zugänglich. Denn Gebäude und Grundstück werden von der Städtischen Feuerwehr als Ausbildungsorte genutzt.

Hallenser Bildhauer Gerhard Bähr gestaltet das Relief

Das will die SPD-Fraktion im Schönebecker Stadtrat ändern. "Wir wollen, dass das Denkmal wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein rückt", sagt Fraktionschef Steffen Behm. Denn es erinnere an ein bedeutendes Ereignis in der Schönebecker Stadtgeschichte. Der Historiker Hans-Joachim Geffert hat dazu Fakten zusammengetragen. "August Bebel trat am 25. Februar 1900 im Schönebecker Stadtpark auf und sprach zu den Arbeitern." Die Resonanz muss riesengroß gewesen sein. "Denn der Saal musste lange vor Versammlungsbeginn geschlossen werden", berichtet Hans-Joachim Geffert weiter. 76 Jahre nach diesem Ereignis entschloss man sich in der Elbestadt, an diese Rede zu erinnern. Gerhard Bähr, ein Hallenser Künstler, gestaltete die 75 mal 60 Zentimeter große Graugussplatte. Die Inschrift zitiert den Mitbegründer der SPD: "Den Tag möchte ich noch erleben, wo ich Euch das rote Banner zum Sturm vorantragen kann."

"Rund um die Oberbürgermeisterwahl ist viel von einem neuen Schönebecker Bewusstsein gesprochen worden, von der Identität der Stadt", sagt Steffen Behm. "Die Rede Bebels hier gehört dazu", begründet der SPD-Fraktionschef den Vorstoß jetzt. Bebels Erben im Schönebecker Rat schlagen vor, dass die Stele ihren neuen Platz im kleinen Park zwischen der August-Bebel-Straße und dem Ruth-Lübschütz-Platz findet. "Hier würde sie viel mehr wahrgenommen werden", sagt Steffen Behm. Und auch mehr Pflege erfahren. Denn jetzt kümmern sich nur die Kameraden der Felgeleber Feuerwehr im Frühjahr um Beet und Stein.

Bei zwei Enthaltungen hat sich der Stadtrat mehrheitlich dafür ausgesprochen, das Denkmal umzusetzen. Allerdings hatte die CDU-Fraktion vorher noch für ein kleines Diskussionsscharmützel gesorgt, als Fraktionsvorsitzender Torsten Pillat seinen Antrag vorbrachte, dass für die Stadtkasse aufgrund der desolaten Haushaltslage keine Kosten entstehen dürfen.

Streit um Kosten für Umsetzung und Reinigung des Steins

Den beschloss er nämlich süffisant mit dem Satz: "Die Stadt hat keinen Haushalt, wir sind in der Konsolidierung. Die SPD-Fraktion kann das aus eigener Tasche bezahlen."

Steffen Behm äußerte darüber bereits während der Sitzung sein Unverständnis. "Einfach nur ein unnötiger Kommentar." Rückendeckung signalisierten die Fraktion Die Linke. Vorsitzende Sabine Dirlich rief nach der Zustimmung zum CDU-Antrag, dem sich lediglich Linke und SPD verwehrt hatten, in den Raum: "Wir legen zusammen."

Steffen Behm ist nun auf der Suche nach einem möglichen Sponsor. Es geht um die Umsetzung und Säuberung des Steins. Die Fraktion wolle zudem viel in Eigenleistung schaffen. Und vielleicht hält er es bei allem auch wieder mit August Bebel, der sagte: "Lobt dich der Gegner, dann ist das bedenklich; schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg."