Ein Großer ist gegangen. Ein Stiller. Ein Bescheidener. Ein Wissender auch. Ein Glaubender und Vertrauender. Ein Wegweiser für alle, die nach Wahrheit, Schönheit und Tiefe suchen. Der Schönebecker Künstler Christof Grüger starb im 88. Lebensjahr.

Schönebeck l "Des Menschen Leben ist wie das Licht." Wer sich mit Christof Grüger und seiner Kunst beschäftigt, mit seinem Leben, mit seinen Gedanken, wird berührt und fasziniert sein müssen. Mit Glas, Farben und Licht hat er Meisterwerke von großer Innigkeit und Strahlkraft geschaffen, die sich vor allem in Kirchen finden. Der 87-Jährige ist am Montag im Bernburger Krankenhaus verstorben. Einen Tag zuvor ist er dort eingeliefert worden, offenbar stellte sich eine Lungenentzündung ein. Die Komplikation führte zum Tode, wie Freunde des Künstlers mitteilen.

Eine langjährige Wegbegleiterin von Christof Grüger ist Dorothea von Pock. Die einstige Koordinatorin für Kultur im Altkreis Schönebeck besuchte den Künstler häufig in seinem Atelier, sprach mit ihm oft bis tief in die Nacht über Gott und die Welt. "Ich glaube, er wollte nicht mehr", schätzt sie ein. Eine Erkrankung der Hände, die Christof Grüger darin hinderte, sich selbst zu versorgen und seiner kreativen Tätigkeit nachzugehen, machten ihm in den letzten Lebensjahren zu schaffen. "Das war seine Verzweiflung", sagt Dorothea von Pock.

Doch bei der Schau auf sein Leben fallen andere Beschreibungen. Positive. Mut machende. Harmoniebedürftig sei Christof Grüger gewesen, bescheiden. Zugewandt. Eine Persönlichkeit. "Für Geld hat er sich überhaupt nicht interessiert", stellt Dorothea von Pock fest. Dafür habe er einen Blick gehabt für die Seele seines jeweiligen Gegenübers. Wenn sie sein Atelier vor dem geistigen Auge erstehen lässt, sieht sie ein schöpferisches Chaos. "Aber er wusste immer ganz genau, wo etwas zu finden ist." Vor dem Tod habe sich der gläubige Christ überhaupt nicht gefürchtet.

Das bestätigt auch Pfarrer Dr. Thomas Thorak von der katholischen St. Mariengemeinde. Hier war Grüger Gemeindemitglied. Gegenüber der Volksstimme sagt Thorak: "Christof Grüger hat in sein Denken bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 die Überlegungen des französischen Theologen Teilhard de Chardin einfließen lassen, nämlich, dass evolutionäre Weltsicht und christliche Weltsicht vereinbar sind." Grügers Überzeugungen finden auch in der Gestaltung der Marienkirche ihren schöpferischen Ausdruck. In den gestalteten Fenstern des Gotteshauses ist die gesamte Schöpfung abgebildet, vom Atom bis zu den Menschen und weiter bis zur Gegenwart Gottes in Form der Darstellung durch Allegorien, etwa durch Schwan und Sternbilder. Pfarrer Thorak drückt das Credo des Künstlers so aus: "Er lebte im Glauben an das Offenbarwerden der Liebe Gottes in der Wiederkunft Christi." Und fügt hinzu: "Ich bin überzeugt, dass er nun sieht, woran er glaubte."

Betroffen vom Tod sind indes die Zurückbleibenden. Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) hält fest: "Mit tiefer Bewegung habe ich vom Tode unseres Ehrenbürgers Christof Grüger erfahren müssen. Dass dieser großartige Glas- und Textilgestalter nun von uns gegangen ist, stellt einen schmerzlichen Verlust dar. Er hat sich um das künstlerische Gesicht und die spirituelle Kraft unserer Stadt wie kaum ein Zweiter verdient gemacht. Sein Werk hinterlässt Spuren tiefer Menschlichkeit. Ich bin von Trauer erfüllt und möchte den Angehörigen mein Mitgefühl zum Ausdruck bringen. Wir werden Christof Grüger nicht vergessen und sein Schaffen in Ehren halten."

Ein Requiem zu Ehren des Verstorbenen wird am Mittwoch, 9. April, ab 17 Uhr in der Marienkirche in der Friedrichstraße ausgerichtet. Weitere Informationen über Leben und Werk von Christof Grüger finden sich auf der Homepage des Künstlers, die der Schönebecker Mediengestalter Matthias Röhricht eingerichtet hat (Adresse siehe unten).

   

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