Erstmals seit 2011 ist in Schönebeck wieder der Rathauspreis vergeben worden. Die Auszeichnung ging an den Künstler Anders Nyborg und den Architekten Karl-Friedrich Gehse. Eingebettet in die Veranstaltung war auch eine hohe Auszeichnung für die Feuerwehrkameraden Martin Hopfer und Gunnar Ulrich aus Ranies.

Schönebeck l Die Stadt Schönebeck hat am Sonnabend während eines Empfangs des neuen Oberbürgermeisters Bert Knoblauch (CDU) anlässlich seines Amtsantritts zwei Männer mit dem Rathauspreis geehrt. Beide haben Schönebeck wesentlich geprägt. Die Rede ist von Anders Nyborg und Karl-Friedrich Gehse. Der eine ist Schöpfer der Skulptur Salzblume am Elbufer, der andere hat als Architekt insbesondere die Altstadt wesentlich städtebaulich geprägt. Die Verleihung des Rathauspreises - der seit 2010 wieder erstmals vergeben worden ist - wurde im Dr.-Tolberg-Saal ausgerichtet. Ein knapp zweieinhalbstündiges Programm erwartete die Gäste.

Die Veranstaltung eröffnete Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) mit einer Rundumschau auf seine ersten Wochen als Stadtoberhaupt. Er beschwor geradezu die Schönebecker, die Aufgaben der städtischen Entwicklung als Chance und Gemeinschaftsaufgabe zu sehen. "Unser Image ist, wie man uns sieht. Deshalb liegt es mir fern, Schönebeck in schwarzen Farben zu malen. Was ist schlecht daran, ein wenig stolz zu sein auf seine Heimatstadt?" Knobaluch pries die Potenziale wie wirtschaftliche Neuansiedlungen, hob die Elbelandschaft, die touristischen Chancen und den Kurstandort hervor und sprach diesbezüglich von der "Achse des Guten", die es gelte, miteinander zu verknüpfen. "Bei all dem verkenne ich nicht unsere Probleme, wie etwa die Vernässung. Aber heute sind wir hier nicht zu einer Bürgerversammlung zusammengekommen", schlug er den Bogen zur Preisverleihung und führte weiter aus: "Heute ist ein guter Tag für Schönebeck."

Erster Laudator des Tages war der Stadtrat Christian Jung. Seinen Ausführungen über Karl Friedrich Gehse hatte er die Worte vorangestellt "Es war einmal ..." Es war einmal eine wirtschaftlich und sozial blühende Stadt. "Doch in der sogenannten Vor- und Nachwendezeit geschah das, was es nie in ihrer Geschichte zuvor gab. Häuser verfielen, Prachtstraßen wurden zu Straßen des Grauens, die Häfen versandeten, große Betriebe mussten schließen, die nördliche Altstadt war nur noch ein Trümmerfeld."

"Individuelle Ideen stehen in einem kritischen Diskurs."

Christian Jung

Die politische Wende kam ,und es gab Aufbruchstimmung. "Diese Stimmung wurde durch einen Menschen aufgenommen, genutzt und beeinflusst, den wir nun mit dem Rathauspreis ehren: Karl-Friedrich Gehse."

Jung berichtete rückblickend von den verschlungenen Wegen und den seltsamen Zufällen des Lebens, die letztlich dazu führten, dass der Bochumer Architekt Gehse auf Schönebeck aufmerksam wurde. Eine von ihm präsentierte Diashow unterstrich es nachdrücklich: Der Mann, der der Schönebecker Altstadt nach der Wende zumindest in Teilen ein neues Gesicht gab, heißt Karl-Friedrich Gehse.

Und weil es in der Welt immer solche und solche Ansichten gibt, fügte der Redner hinzu: "Alles, was einer individuellen Idee entspringt und schöpferisch gestaltet ist, steht im kritischen Diskurs."

Die von Gehse in Gang gesetzte städtebauliche Entwicklung sei jäh gestoppt worden. "Heute können wir leider nur so, wie ich meinen Vortrag begann, sagen: Es war einmal!" Doch der verbale Mutmacher Jungs fehlte nicht. "Die Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters sollte ein Ansatz sein, um die Stimmung des Aufbruchs und Neuanfangs wieder in die Köpfe derer zu tragen, welche die Geschicke unserer Stadt bestimmen."

Karl-Friedrich Gehse stellte beim Blick in die große Runde fest: "Ich sehe wenig bekannte Gesichter. Es sind nun einmal 20 Jahre vergangen." Ja, er sei fasziniert gewesen von der Aufbruchstimmung nach der Wende. "Hier, dachte ich damals, bist du richtig." Sein erster Eindruck von Schönebeck 1990 habe ihn an das 1. Buch Mose erinnert, in dem sinngemäß steht: "Und die Welt war trüb und leer."

Mit der heutigen deutlich reglementierten Architektur kann sich der 74-Jährige indes nicht anfreunden. "Damit komme ich nicht klar", räumte er ein. Schönebeck habe nach wie vor positive Ansätze. Diese Schätze müssten gehoben werden. "Ich wünsche der Stadt gutes Gelingen und muss sagen: Es hat Spaß gemacht."

Spaß an seiner Arbeit, Spaß am Leben hat unzweifelhaft auch der zweite Preisträger: Anders Nyborg. Die Laudatio für den dänischen Bildhauer und Maler hielt Martin Hennig, der ehemalige Baudezernent und - nun im Ruhestand - heutige Vorsitzende des Elbuferfördervereins. Nyborg, 1934 in Kopenhagen geboren, arbeitete viele Jahre als Verleger, bevor er sich mit Mitte 50 der Bildhauerei und der Malerei zuwandte. Für den 80-Jährigen gelte das Motto: "Das ganze Leben ist ein großer Urlaub, wenn man die Dinge mit Freude tut." Genau das, versuchte Hennig den Vital-Virus unter die Leute zu bringen, "sollte für uns alle gelten".

"Die Salzblume eine Wahnsinns-Idee!"

Martin Hennig

Die beiden Preisträger kennen sich übrigens von damals, als in Schönebeck alles neu begann. Gehse war angetan von einem alten Salzschuppen am Elbufer und erschuf daraus die Salinehäuser und damit das längste Fachwerkhaus der Welt, auch wenn die Stadt Halle diesen Titel bislang gerne für sich in Anspruch nahm. Damals entstand auch die Idee einer Skulptur an der Elbe. Sie sollte Attribute vereinen, die zu Schönebeck pasen: Salzkristalle, die Elbe, Schiffssegel. Martin Hennig hat für diesen Plan heute einen prägnanten Satz übrig: "Was für eine Wahnsinns-Idee!"

Viele Dinge mussten geklärt werden, vor allem die Finanzierung über Spenden, die Materialbeschaffung, die bauliche Genehmigung. "An dieser Stelle möchte ich ein Geheimnis verraten, in der Hoffnung, dass diese Tat zwischenzeitlich verjährt ist", sagte Hennig und erzählte die Geschichte von der vereinfachten Baurecht-Schaffung. Der Schönebecker Stadtrat bekam nur die Beschlussfassung zum Bau der Salzblume auf den Tisch, stimmte nicht explizit über das Kunstwerk als solches ab. Das hätte eine unendliche Diskussion gegeben, meinte Hennig und verwies auf andere Städte, wo Vorhaben dieser Art nie aus den Debatten im Rat herausgekommen sind.

Enthüllt wurde die Salzblume am 23. Mai 1997. "Anders Nyborg hat nicht nur sein größtes Kunstwerk an die Elbe gebracht, sondern damit auch dafür gesorgt, dass die Stadt Schönebeck weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Jeder Elbschiffer kennt die Salzblume inzwischen. Es besteht auch die vage Hoffnung, dass auch jeder Schönebecker sie inzwischen kennt", sagte Hennig.

Nyborg gab sich in seinem Grußwort bescheiden. Er habe die Auszeichnung nicht verdient, jedenfalls nicht allein. Eine solche Skulptur enstehe nur, wenn viele Menschen mit Herzblut mitwirken. Als kleines Geschenk für Schönebeck hatte er zwei Musiker aus Berlin im Schlepptau. Helmut Rosenthal und Professor Klaus Kießner sind etwas älteren Jahrgangs und beide brauchten zu Fuß etwas länger, um auf die Bühne zu kommen. Was sie dann am Flügel und am Xylophon abzogen, war allerdings ein musikalisches Feuerwerk, das im gesamten Saal zündete. "Einfach einmalig" lobte Oberbürgermeister Knoblauch den Auftritt der beiden. "Wir kennen uns seit dem Studium und waren viele Jahre an der Deutschen Oper in Berlin", sagte Helmut Rosenthal gegenüber der Volksstimme. Das Duo gehört zum großen Freundeskreis von Anders Nyborg.

Ebenfalls eingebettet in die Veranstaltung war die Auszeichnung von zwei Feuerwehrkameraden mit der Ehrenspange, Hintergrund ist ihr Einsatz während der Juni-Flut 2013. Diese besondere Auszeichnung erhielten Gunnar Ulrich und Martin Hopfer. Sie gehören der Freiwilligen Ortsteilfeuerwehr Ranies an und sind beide sowohl hochqualifizierte Verbandsführer als auch Berufsfeuerwehrleute. Ihr Fachwissen und Engagement sei dem gesamten Einsatz während der Flut-Wochen sehr dienlich gewesen, würdigte Landkreis-Dezernentin Reingard Stephan.

Für die weitere musikalische Untermalung des Tages sorgten die Musikschüler Anna-Lena Schiemann, Christoph Markl und Marlin Flagmansky.

Bilder