Vieles macht der Frühling neu. Und in diesem Jahr sogar den Apothekergarten. Der musste vor zwei Jahren die grünen Segel streichen, weil das Gelände in der Heinrich-Heine-Straße privat aufgekauft wurde. Jetzt ist eine neue Anlage am Soleturm im Entstehen begriffen.

Schönebeck l Treffpunkt Kunsthof. Teamchefin Iris Michel trägt einen handschriftlich ausgearbeiteten Plan mit sich. Worte wie Haut, Husten, Haare sind auf dem Papier aufgeführt und andere Begriffe mehr, die den menschlichen Körper betreffen. Seine praktische Entsprechung findet die theoretische Aufteilung erst einmal in einem Hochbeet, das aus Steinen gearbeitet wurde, die aus einer alten Straße in Magdeburgerforth (Jerichower Land) stammen. Ein Maßnahme über den zweiten Arbeitsmarkt hat das Beet auf dem Gelände des Kunsthofes Bad Salzelmen erstehen lassen. "Alles durch Frauenhand", betont die Betriebsleiterin des Schönebecker Soleparks, Sibylle Schulz.

Pflanzen aus dem alten Apothekergarten zum Teil gerettet

Und mit Handarbeit geht es auf dem kommunalen Grundstück am alten Soleturm weiter. Denn hier soll der neue Apothekergarten entstehen. Obwohl diese Bezeichnung nicht ganz korrekt ist. Es soll ein Kräuter- und Erlebnisgarten werden, an dem derzeit Iris Michel und ihre Mitstreiter vom Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) Schönebeck arbeiten (Volksstimme berichtete bereits).

Die CJD-Leute haben allerdings einigen der aus dem alten Apothekergarten in der Heinrich-Heine-Straße ausquartierten Heilpflanzen über eineinhalb Jahre Asyl gewährt. Die Wurzeln kommen jetzt wieder in die Erde, ebenso weitere Pflanzen, die zum Teil für Heil-, zum Teil für Würzzwecke verwendet werden können. Andere sollen einfach nur schön aussehen und gut riechen und die große Artenvielfalt aus dem Reich von Madame Flora aufzeigen.

Solepark-Chefin lobt Engagement der fleißigen Gärtner

Iris Michel und ihr Team sind emsig am Gestalten. Und beeindrucken damit Sibylle Schulz. "Ich finde hier klasse, dass Menschen arbeiten, die hoch engagiert sind", sagt sie, was vermuten lässt, dass genau das nicht durchweg selbstverständlich ist. Zwischen Solepark und CJD besteht ein Vertrag über die Pflege der Anlagen im Schönebecker Kurpark. Doch ohne ehrenamtlichen Einsatz sei das Herrichten der Beete kaum zu schaffen, meint Sibylle Schulz. "Der Beitrag ist enorm, der hier für die Allgemeinheit geleistet wird", hebt sie hervor und bringt die Idee einer Interessengruppe Kräuter- und Erlebnisgarten ins Spiel. Bürger könnten sich entsprechend einbringen, etwa mit Pflanzgut oder dem Willen, die Anlagen zu pflegen. "Wer Interesse daran hat, kann sich gerne im Kunsthof bei unserer Frau Silber melden. Die Telefonnummer lautet für Schönebeck (03928)705558", erläutert die Betriebsleiterin.

Ja, sagt sie, es werde auch wieder thematische Veranstaltungen geben, inklusive Führungen über das Gelände. Wann genau es los geht, kann die Solepark-Chefin aber noch nicht sagen. Auf jeden Fall in dieser Saison. "Jetzt müssen wir erstmal fertig werden", bremst Schulz all zu flotte Erwartungen.

Der Schönebecker Apotheker Carsten Müller meint, dass schon jetzt mindestens eine halbe Stunde lang über das geredet werden könnte, was entstanden ist. Müller, der bereits im alten Apothekergarten die Veranstaltungen fachlich begleitet hat, setzt sich auch für den neuen Kräuter- und Erlebnisgarten ein. Eine Fuhre Steinplatten hat er aus eigener Tasche bezahlt und mitgebracht, damit es mit dem Wegebau vorangeht.

Vorschlag: Tauschbörsen für Pflanzen im neuen Kräuter- und Erlebnisgarten

Apropos Apotheker und apropos Frühling: Da die offiziellen Führungen und Info-Veranstaltungen ja noch auf sich warten lassen, hier die Frage an den Experten: Welche Tees passen besonders gut zur Jahreszeit? "Alle Tees zum Entschlacken oder die eine Diät unterstützen", lautet die Empfehlung.

Iris Michel hat eine weitere interessante Idee: Wie wäre es mit einer Tauschbörse für Heilpflanzen und Kräuter? Die könnte, meint sie, mehrfach in der warmen Jahreszeit ausgerichtet werden. Auch dafür sei der neue Kräuter- und Erlebnisgarten am alten Soleturm gut. Und wer sofort das Projekt unterstützen will, kann gerne noch benötigte Pflanzen aus dem eigenen Beritt anbieten, wie etwa Heidelbeeren, Brombeeren oder Anis. Dann könnte Iris Michel ihren Husten-Haut-und-Haare-Plan komplettieren.