Schönebeck (rbo) l Die meisten Musikliebhaber kennen es fast nur aus der Jazzmusik. Claude Debussy bezeichnete es gar als ein "aquatisches Instrument". Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie unter der Leitung ihres Chefdirigenten MD Gerard Oskamp widmete diesem Instrument am Freitag im Bad Salzelmener Dr.-Tolberg-Saal einen ganzen Konzertabend: Die Rede ist vom "Sexy Saxofon", denn so überschrieb Oskamp dieses musikalische Erlebnis.

Solist des Abends war der in Jerewan/Armenien geborene junge Koryun Asatryan. Doch bevor er sein Altsaxofon zum Klingen brachte, stimmten die Kammerphilharmoniker ihr Publikum mit der "Kamarinskaya" von Michail Glinka auf große Gefühle ein.

Eine Portion wohl dosiertes Pathos, intensiv wie eindringlicher Zusammenklang und ein wenig energiegeladene Schärfe betonten den individuellen Charakter dieser Fantasie über zwei russische Lieder und die Serenade Nr. 2 op. 11 von Alexander Glasunow. Pfiffig und unorthodox ging Gerard Oskamp an Iberts Hommage an Mozart heran, ließ sein Orchester beherzt aufspielen, voll und schwelgerisch klingen.

Doch zurück zu dem golden glänzenden Instrument des Abends. Gerade mal dreizehn Minuten ist Glasunows Meisterstück lang. Souverän meisterte Koryun Asatryan die häufig wechselnden Tempi und entblätterte einer zauberhaften Knospe gleich seine verschränkten Themen. Mit einem hohen Maß an dynamischen Nuancierungen kam sein Saxofon mal schwermütig, mal strahlend, doch stets würdevoll daher. Koryun Asatryan schwärmte sich mit beeindruckender Virtuosität und besonders weichem Tonfall durch die Solo-Kadenz. Mit Oskamps Orchesterbegleitung entstand eine harmonisch-einfühlsame Interpretation, bei der der Zuhörer schier in Verzückung geriet.

Koryun Asatryan legte mit dem Stückchen "Pequena Czarda" des Komponisten und Musikpädagogen Pedro Iturralde nach. Lobenswert auch hier seine minutiöse Tonmodellierung und stilistische Souveränität. Nach der Pause erklang Jacques Iberts "Concertino da camera". Auch diese Interpretation zeichnete sich durch artikulatorische Differenzierungen seitens des Saxofonisten aus. Koryun Asatryan agiert allzeit mit feinem Gespür für die vielfältigen Möglichkeiten seines Instruments und begeistert besonders im letzten Stück, der "Scaramouche" von Darius Milhaud, mit rasant perlenden Läufen. Ihm zuzuhören blieb immer reizvoll und spannend. Die Kammerphilharmoniker setzten den jungen Solisten allzeit gekonnt in Szene, begleiteten sorgsam. Das Publikum war außer sich vor Freude; Solist und Kammerphilharmonie ließen umgehend eine Zugabe folgen. Als letzten Ohrenschmaus kredenzten Asatryan und die Kammerphilharmonie "Das Alte Schloss" aus den "Bildern einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky. Ein sehr gelungenes Konzert mit nachhaltiger Wirkung.