Calbe l Sowohl für die Bewohner als auch für die Freiwilligen Feuerwehren Calbe und Schwarz, für die Polizei und Rettungskräfte war es ein ärgerliches Déjà vu: Am Dienstagabend gegen 23 Uhr breitete sich giftiger Rauch vom Keller ins Treppenhaus vom Mehrfamilienhaus in der Barbyer Straße 54 aus.

"Wir wollen nur, dass der Täter endlich geschnappt wird."

Sofort waren 30 Brandschützer mit neun Einsatzfahrzeugen vor Ort. Eine Szene, die sich auf gleiche Weise an gleicher Stelle bereits vor einer Woche ereignete.

Wieder gehört die Anwohnerfamilie Tschirpig zu den Leidtragenden. Schon in der Nacht des 21. März brannte ihr Daimler in der Martin-Andersen-Nexö-Straße - direkt neben dem Wohnhaus in der Barbyer Straße - komplett aus.

Am Nachmittag des 31. März musste Elke Tschirpig mit ihrer Tochter und ihren drei kleinen Enkeln sowie zwei Hunden aus dem Dachgeschoss über die Drehleiter gerettet werden (Volksstimme berichtete). Der Weg über den Hausflur war versperrt. Dort hatte sich schnell schwarzer Rauch ausgebreitet.

In der Nacht zum vergangenen Dienstag mussten nun wieder zwei Erwachsene und ein Hund den Weg aus ihrer Wohnung über die Drehleiter nehmen. Die anderen Einwohner retteten sich schnell ins Freie. Ein 34-jähriger Bewohner aus dem Erdgeschoss ist mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Calbenser Krankenhaus eingeliefert worden.

"Wir haben ein, zwei sehr starke Verdachtsmomente, denen wir nachgehen."

Ehepaar Tschirpig hat jedenfalls die Nase voll. "Wir wollen nur, dass der Täter endlich geschnappt wird", sagt Elke Tschirpig gegenüber der Volksstimme.

Auch der jüngste Brand trägt wegen des Brandbeschleunigers, den einige Kameraden beim Einsatz rochen, wieder die Handschrift des Feuerteufels. Auf sein Konto gehen aller Wahrscheinlichkeit nach weitere Brände in unmittelbarer Nähe. "Die Ausbruchstelle des Brandes war ein ungenutzter Keller", sagt Polizeisprecher Marco Kopitz. "Hier brannten ein Schrank und eine Arbeitsplatte." Schnell waren die Polizeibeamten vor Ort und nahmen sofort die Umfeldermittlungen auf - sprich: Die Polizei registrierte Personen- und Fahrzeugbewegungen. Die Anwohner seien alarmiert und sehr wachsam.

"Es gibt sehr viele Hinweise aus der Bevölkerung", sagt Kopitz. "Wir haben ein, zwei sehr starke Verdachtsmomente, denen wir nachgehen." Im Gebiet der Neuen Wohnstadt wird seit Tagen verstärkt Streife gefahren. Der Pressesprecher bleibt bewusst vage, will die Ermittlungen nicht gefährden. "Was ein krankhafter Pyromane in erster Linie will, ist Aufmerksamkeit", sagt Kopitz. Die sollte man ihm erst nach der Verhaftung zugestehen.

Doch die Zeit drängt. "Jedes Mal werden sinnlos Menschenleben bedroht", schüttelt der Calbenser Kamerad Hans-Peter Männicke den Kopf. "Das muss ein Ende haben."

Kornelia Eichel, Geschäftsführerin der Calbenser Wohnungsbaugesellschaft (CWG), will jetzt zusätzliche Brandmelder in den Kellerzugängen installieren lassen. "Außerdem werden wir Zettel aushängen, dass die Anwohner strikt auf geschlossene Eingangstüren achten", sagt Eichel. "Mehr können wir leider nicht tun."

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