Musik ist Botschaften verkünden. Davon ist Carsten Miseler überzeugt. Der Kantor der Stadtgemeinde Schönebeck und Umland hat sich ganz bewusst auf ein "Wagnis" eingelassen. Sonnabend vor Palmsonntag leitet er das Passionskonzert in der Jakobikirche mit der Schönebecker Kantorei und der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie.

Schönebeck l Die Passionszeit ist eine verinnerlichte Zeit, bevor Christen ihr höchstes Fest feiern - Ostern. Die Kirchen thematisieren in den Wochen davor Umkehr, Buße, Leiden, Tod, aber auch Lebenszuversicht ganz besonders stark. "Musik kann das alles transportieren", sagt Carsten Miseler. Leid, Trost, Ängste, Schuld, Dankbarkeit, Gewissheit - ureigenste Gefühlswelten der Menschen könnten angesprochen werden, sagt der Musiker. Carsten Miseler bereitet mit seiner Schönebecker Kantorei und der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie das Passionskonzert vor, die Proben laufen auf Hochtouren. Das Orchester setzt damit eine unter Christian Simonis eingeführte Tradition fort - zum ersten Mal in großer Besetzung mit einem Chor zusammen. Für den Kantor, der erst seit wenigen Wochen sein Amt in der Stadt auskleidet, ein Wagnis, wie Carsten Miseler sagt. "Natürlich muss man sich in einer neuen Stelle erst einmal orientieren, welches Potenzial die Sänger haben, wie die Zusammenarbeit mit dem Orchester funktionieren kann", sagt er. Dass er sich auf das Wagnis eingelassen hat, hängt mit der Kraft der Musik zusammen, einer Kraft, die Carsten Miseler oben beschrieben hat, und aus der er selbst schöpft.

Händels Musik spricht von der Erlösung der Welt.

Wenn dieses Wissen des Musikers die transzendente Ebene betrifft, so gibt es auch eine ganz weltliche Ebene. "Alle Sänger aus dem Chor wollen mitmachen, wollen gemeinsam musizieren", sagt Carsten Miseler. Für den Kirchenmusiker eine wunderbare Ausgangsbedingung nach dem Weggang von Kantorin Beate Besser und einer langen Vakanzzeit, in der die Kantorei zwar probte, aber auch Mitglieder lassen musste. Das Weihnachtsoratorium im Dezember als Einstand des Kantors war der Ausgangspunkt, der ihn heute auch zuversichtlich stimmt, ein besonderes Passionskonzert aufführen zu können.

Dafür haben sich alle Beteiligten viel vorgenommen. Der zweite Teil des Oratoriums "Messias" von Georg Friedrich Händel, der Anklage, Leiden und Tod Jesu beschreibt, steht neben zwei Sätzen aus einer Messe von Michael Schütz. Das Händelstück proben die Sänger ohnehin für die komplette Aufführung des Oratoriums im Juli. Die Messe setzt einen modernen Akzent neben der Barockmusik. Mit durchaus inhaltlichen Verbindungen. "Die Messsätze Kyrie und Agnus, die wir spielen, bringen die Bitte Gotte nach Erbarmen und die Sehnsucht nach Frieden zum Ausdruck", sagt Carsten Miseler. Händels Musik, die das Leiden Christi beschreibt, spreche, so der Kantor, von der Erlösung der Welt, von Gottes Offenbarung, mit denen er den Sehnsüchten der Menschen entgegenkommt.

Musikalisch ist dafür viel Aufwand nötig. Neben dem Orchester und den rund 55 Sängern des Chores wird auch eine Band mitwirken. Wieder Wagnis? "Nein", sagt Carsten Miseler. Die moderne Messe sei ein gegenwärtiges Stück, aber niemals seicht oder belanglos. Und für den Kirchenmusiker ist eine Idee ganz wichtig. "Alle Musik kommt von Gott. Wenn man sich mit ihr beschäftigt, spricht sie jeden an. Man muss offen sein für das Hören."

Genau das sei es auch, was die Chorarbeit in der Schönebecker Kantorei ausmache, sagt Carsten Miseler und findet wieder den Weg zu den Ausführenden. Mit seinem Arbeitsbeginn in Schönebeck habe sich die Besetzung verändert. Es gebe noch einen Teil von Stammsängern, aber auch viele neue, jüngere Stimmen, die sich durch die Kinderchorarbeit in der Gemeinde angesprochen fühlten. "Es ist tatsächlich so, über den Kinderchor und den Spatzenchor, die Arbeit von Birgit Beyer, haben auch viele Erwachsene - die Eltern - in die Kantorei gefunden." Carsten Miseler will die Kantorei bewusst offen halten, deren Einzugsgebiet schon unter seiner Vorgängerin sehr groß gewesen ist. "Ein Angebot, Musik als Ausgleich, aber als ganz bewusst gewählter", sagt der Kirchenmusiker. Das gelinge über Projektarbeit. Gemeinsam nehme man sich Stücke vor, die erarbeitet werden sollen, für die es festgesetzte Probenabende und auch -wochenenden gebe. "So entsteht Verbindlichkeit, auch wenn die Sänger vielleicht manchmal wechseln. Diese Verbindlichkeit ist wichtig für die Qualität."

Damit beim Passionskonzert die Musik ihre höchste Wirkung entfalten kann, probt die Kantorei intensiv. Bis zuletzt. Außerdem wird Pfarrer Johannes Beyer verbindende Texte sprechen. "Ich glaube, das alles wird wirken", sagt Carsten Miseler.

Passionskonzert zum Palmsonntag in der Schönebecker St.-Jakobi-Kirche am 12. April, 17 Uhr, Einlass ab 16.30 Uhr. Eintritt acht Euro, Kinder bis 12 Jahre frei; Kirche ist geheizt.