Der Trend ist bekannt: Das Durchschnittsalter von Hausärzten in der Region ist hoch, viele gehen in den Ruhestand. Nachfolger sind meist nur schwer zu finden. Seit wenigen Tagen hat die Saalestadt mit der 32-jährigen Dr. Carolin Kluth eine neue Hausärztin. Ein gutes Zeichen für die Patientenversorgung.

Calbe l Nachdem Carolin Kluth das Studium an der Medizinischen Fakultät der Magdeburger Universität abgeschlossen hatte, folgte 2009 ihre Promotion. 2012 wurde sie Fachärztin für Innere Medizin und sammelte daraufhin erste Arbeitserfahrungen im Krankenhaus. Ein Arbeitsmarkt mit vielen Möglichkeiten wartete auf sie. Jetzt sitzt sie in ihrem eigenen Arztzimmer in der Wilhelm-Loewe-Straße. Carolin Kluth ist in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Hier ist sie geboren, aufgewachsen, lernte an der Grundschule und legte am Friedrich-Schiller-Gymnasium ihr Abitur ab. Sie kehrte zurück, um sich als Internistin mit hausärztlicher Versorgung selbständig zu machen.

Praxis wird im Juni wegen Modernisierung geschlossen

Die 32-Jährige lässt keinen Zweifel daran, dass es die richtige Entscheidung ist. "Ich freue mich richtig darauf", sagt die junge Medizinerin lächelnd. Auf die Frage, ob nicht auch eine andere Stadt oder Region in Frage gekommen sei, antwortet sie schnell: "Nein. Hier habe ich meine Familie und mein Zuhause." Sicher gebe es schönere Städte, doch das sei nicht immer alles.

Anfang April übernahm sie die Praxis von Dr. Jürgen Ziegeler, dessen Frau Dr. Christa-Maria Ziegeler als Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin bis zum Herbst diesen Jahres weiter in der Schloßsraße praktiziert (Volksstimme berichtete). "Ich hatte schon richtig viel zu tun", sagt Carolin Kluth über ihre ersten Tage. Sie übernimmt einen festen Patientenstamm. Neben Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und diagnostischen Verfahren bietet die Medizinerin auch eine psychosomatische Grundversorgung und Tests auf eine Früherkennung von Demenz an. "Für Überweisungs- und Rezeptanforderungen richten wir für Patienten einen Briefkasten ein. Ohne Wartezeit erfolgt die Abholung am nächsten Tag", erklärt Carolin Kluth eine Neuerung der Praxis.

Die Einrichtung ist funktional, aber von der Anmutung etwas in die Jahre gekommen. "Solch ein Sterilisator wird heute eigentlich nicht mehr verwendet", sagt die 32-Jährige und zeigt auf einen großen Kasten, der ihr gegenüber steht. Eine Modernisierung der Räume war wegen der kurzfristigen Praxisübernahme noch nicht möglich. "Vom 2. bis 20. Juni sollen die Handwerker loslegen", sagt Carolin Kluth. In dieser Zeit wird die Praxis noch einmal geschlossen und eine Vertretung für die Patienten organisiert.

Hausärzte im Salzlandkreis werden weniger und älter

Bürgermeister Dieter Tischmeyer begrüßte die Ärtzin persönlich an ihrer neuen Wirkungsstätte. "Ich spreche wohl für viele Patienten, wenn ich sage, dass wir sehr froh sind über ihre Entscheidung, die Praxis zu übernehmen." Nur zu gut weiß das Stadtoberhaupt, wie wichtig angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung die ärztliche Versorgung in der Stadt wird. "Der Ruhestand einiger Calbenser Ärztinnen ist absehbar", sagt Tischmeyer.

Tatsächlich werden nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) Hausärzte im Land immer weniger und älter. "Besonders bei Hausärzten ist das Durchschnittsalter hoch und dementsprechend viele Ärzte gehen in den Ruhestand. In Sachsen-Anhalt versorgen 143,8 Vertragsärzte 100 000 Menschen. Damit liegt das Land auf dem zweitletzten Platz in Deutschland", heißt es in einer Mitteilung. Frei werdende Arztsitze könnten außerdem in vielen ländlichen Regionen nur schwer wieder besetzt werden. Seit diesem Jahr stellt sich die KVSA mit einem neuen Stipendien-Förderprogramm dem Trend entgegen und unterstützt Medizinstudierende der Universitäten Magdeburg und Halle finanziell. Unter anderem bekommen Magdeburger Studenten 800 Euro im Monat - begrenzt auf maximal sechs Jahre - wenn sie sich zu einer allgemeinmedizinischen Tätigkeit in Sachsen-Anhalt für einen bestimmten Zeitraum verpflichten.