Wer im Ameos-Klinikum den Fernseher und das Telefon nutzen möchte, muss dafür bezahlen. Für einige Patienten ein Unding, für Klinik-Direktor Guido Lenz ein notwendiges Übel.

Schönebeck l Von "Abzocke" spricht Siegmar Schubert und schimpft über den Anbieter von Fernsehprogrammen im Schönebecker Ameos Klinikum. Noch im vergangenen Jahr, so der Schönebecker, habe man nichts bezahlen müssen. Jetzt dürfe der Patient für Telefon und Fernsehen, wenn er es während seines Krankenhausaufenthaltes beanspruche, in die Tasche greifen. Siegmar Schubert habe gehört, dass es einen neuen Anbieter für die Unterhaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten in der Klinik gebe. "Neue Besen kehren gut, und zocken den Patienten ab", zeigt sich der Schönebecker empört.

In der Tat: Es gibt einen neuen Support, wie es neudeutsch heißt, also einen Technikanbieter und -warter. Aber das ist es nicht allein. Klinik-Direktor Guido Lenz stellt auf Volksstimme Anfrage klar, dass Fernsehen und Telefon niemals kostenlos seien. "Man braucht Strom, Geräte, Gebühren, im Klinikum kommt teilweise noch die Gema dazu - Was zu Hause Geld kostet, kostet auch in der Klinik Geld", sagt Guido Lenz. Er erklärt, dass das Angebot bisher auch Geld gekostet habe. Nur habe der Anbieter das anders verrechnet. Denn Antennen- und Telefonkabel gehörten zusammen. "Alles lief über ein Netzwerk und über eine Querfinanzierung wurde beides verrechnet." So habe der Patient in der Praxis zwar nur eine Telefonkarte gekauft, de facto aber für das Fernsehen mitbezahlt.

Alte Fernseher wurden ersetzt

Dass dieses Angebot nicht in seiner Form bestehen bleiben konnte, hat unterschiedliche Gründe. Zum einen hat es sich für den bisherigen Anbieter nicht gerechnet. Gleichzeitig sah sich das Klinikum mit einer großen Rückrufaktion konfrontiert: Denn ein Großteil der Fernseher, die es im Krankenhaus gibt, musste ersetzt werden. "Der Hersteller hat uns mitgeteilt, dass bei den Geräten die Gefahr bestehe, dass sie sich selbst entzünden könnten." Ein zu großes Risiko für die Einrichtung, als das die Leitung es hätte auf die leichte Schulter nehmen können. Guido Lenz: "Wir haben fast 200 Fernseher und 140 mussten ersetzt werden."

Dieser Austausch habe seinen Preis. 212 000 Euro hat die Neuinvestition in die Technik gekostet. Der Klinikchef stellt die Summe dagegen, die sein Haus jährlich für Investitionen vom Land bekommt. Nämlich 360 000 Euro. Davon müsse das Klinikum sämtliche medizinische Geräte anschaffen und Instandsetzungsmaßnahmen an den Gebäuden leisten. "Ich glaube, ich kann den wenigsten unserer Patienten erklären, dass mehr als die Hälfte des Jahresinvestitionsetats für neue Fernseher drauf gehen", so Guido Lenz. "Wir sind ein Krankenhaus: Unsere erste Aufgabe ist, aus kranken Menschen, gesunde zu machen." Alles andere sei Zusatzangebot.

In diesem Zusammenhang nennt der Krankenhausdirektor weitere Zahlen: 2013 habe man für 80 000 Euro ein Ultraschallgerät angeschafft, für weitere 80 000 Euro ein Röntengerät und den Linkherzkatheter für zwei Millionen Euro. Die Medizintechnik entwickele sich rasant, so dass alte Geräte innerhalb von sieben Jahren durch neue ersetzt werden müssten. "Wir wollen als Krankenhaus qualifizierte medizinische Versorgung anbieten, deshalb brauchen wir nicht nur das gut ausgebildete Personal sondern auch die Geräte."

An neue Fernseher, so Guido Lenz, sei aus Kliniksicht nicht zu denken gewesen. "Nicht zuletzt hätte uns das Land kritisch hinterfragt, wenn wir den Verwendungsnachweis für die Mittel gebracht hätten."

Man habe vor der Wahl gestanden, sich eines externen Dienstleisters zu bedienen, oder eben gar keine Fernseher mehr zu haben. Also suchte sich die Leitung einen neuen Anbieter. Der hält weiterhin Telefon und Fernsehen vor, hat die neuen Geräte gekauft und installiert. Und nimmt jetzt eine Gebühr für das Angebot. 1,90 Euro für Telefon allein pro Tag oder 2,90 Euro für Telefon/Fernsehen. Im Herbst 2013 hat man die Technik umgestellt, seit Januar wird das neue Tarifsystem eingeführt und umgesetzt.

Mit dem "Abzocke"-Vorwurf kann Guido Lenz nicht viel anfangen. "Wir wussten, dass die Kritik kommen würden", sagt der Klinikchef. Sie sei aber verhaltener ausgefallen, als erwartet. "Allerdings haben die meisten Patienten Verständnis dafür, dass bei Zusatzangeboten auch Kosten entstehen."