Um Grundschüler für das Lesen zu erwärmen, organisierte der "Bibliotheksverein im Salzlandkreis" Lesungen in Barby und Sachsendorf. Autorinnen waren Dorothea Iser (Niegripp) und Irene Leps aus Zerbst.

Barby/Sachsendorf l Irene Leps steht hinter einem alten Koffer, aus dem während der Lesung immer mehr ein Wohnzimmer wird. Da steht ein rotwangiger Schäfer am weiß gedeckten Tisch, an den Wänden hängen Bilder, eine Lampe baumelt lustig an der Decke. Figuren und Ausstattungen hatte die Zerbsterin selbst gestaltet. Sie ist Malerin und Buchautorin.

Man braucht also nicht lange zu überlegen, wenn man die Überschrift ergründen möchte, die da lautet: Geschichten aus dem Koffer. "Was denkt ihr denn", wendet sich Irene Leps an die Drittklässler der Barbyer Grundschule "Am Prinzeßchen", "wie alt der Koffer ist?"

40, 50 ...65 Jahre?

"Nein, der ist so alt wie der Schäfer - nämlich 80 Jahre", löst sie das Rätsel auf. Denn der alte Herr ist die Hauptperson ihres neuen Buches "Das Geschenk der Katze". Und die Mieze natürlich, die ein Kater ist und Findus heißt.

"Ich habe mich von einer wahren Geschichte inspirieren lassen", gesteht Irene Leps. Die hatte ihr leibhaftig ein Schäfer aus Leitzkau erzählt. Der lebte friedlich und stressfrei mit seiner Herde und dem Kater zusammen, bis er sich eines Tages entschloss, ein Weib zu freien. (Der Schäfer, nicht der Kater.)

Das Weib aber hatte ein Problem mit dem schnurrenden Mitbewohner, dem, wie ihm schien, der Schäfer zuweilen mehr zugetan war, als der Frau. Was bekanntlich passieren kann, wenn man immer älter wird, von seiner Umwelt isoliert lebt und die Kauzigkeit zunimmt. Am Ende aber - wie es sich für ein Kinderbuch gehört - wurde alles gut. Als Hochzeitsgeschenk legte Findus nicht zwei, auch nicht sieben, sondern 12 Ratten auf den Tritt des Hauses.

So hatte es der Leitzkauer Schäfer berichtet. Und Irene Leps machte eine Geschichte draus.

Für die Illustrationen sorgt sie selbst. Oder mal so gesagt: Die waren zuerst da. "Eigentlich bin ich Malerin", verrät die 54-Jährige, "dann erst Autorin." Was nicht unpraktisch ist. Sie kann eine Geschichte um ein gelungenes Bild herum schreiben. Was primär wortgesteuerte Kollegen freilich umgekehrt machen.

Für ihr jüngstes Werk sucht sie nach einem Verlag. Hätte doch nur ein Verlagsvertreter die vergnügten Gesichter und kullerrunden Augen der Barbyer Prinzeß-Schüler gesehen!

Fantasiegeschichten schon als Kind ausgedacht

In der Sachsendorfer Grundschule liest Dorothea Iser (67) für die Knirpse der 3. und 4. Klasse einen Tag später. Die gebürtige Elbingeröderin hat drei kleine Büchlein mit Kindergeschichten im Gepäck: "Der dicke Dieter", "Simsalabims: Der Vogel mit der grünen Feder " und "Stress im Gutshaus".

Zum besseren Verständnis berichtet Iser aus ihrer Schulzeit, in der acht Jahrgänge in einem Raum unterrichtet wurden. (Zustände, die bei heute drohenden Grundschulschließungen prinzipiell wieder diskutiert werden.) Sie wuchs in den idyllischen Harzörtchen Sophienhof und Rothesütte auf. Da wird man Ziegenhirte, Waldarbeiter oder Bücherschreiber ... Die Autorin gesteht, dass ihr eigenes Lesevergnügen und die Gabe, schon als Kind Fantasiegeschichten zu erfinden, sie dahin brachte, wo sie heute ist.

In Dorothea Isers Geschichte "Stress im Gutshaus" wird von der kleinen Zilly erzählt. Es geht um einen verrückten Tag. Ihre Schauspiel-Mutter muss zu einem Vorstellungstermin nach Hamburg und kann sie nicht wie sonst mitnehmen. So allein ladet sie ihre Freundin Sarah in die kleine Wohnung im alten Gutshaus ein. Und nun geht freilich einiges schief. Natürlich gibt es wie immer Streit zwischen den Freundinnen, eine Beule wird mit Messer gekühlt, natürlich wird mit Feuer gespielt und das angeschmorte Haar muss dann abgeschnitten werden. Doch am Ende stehen die Einsicht und das Verzeihen, und auch eine Hochzeit zwischen Mama Annalena und Olaf, der auch im Gutshaus wohnt.

Zum Abschluss zeigt Dorothea Iser Zeichnungen zum "Dicken Dieter", die ein Mädchen im Alter der Sachsendorfer Schulkinder angefertigt hatte.

Die beiden Buchlesungen wurden vom Bibliotheksverein organisiert; gesponsert hatte sie die Barbyer Firma Cargill.

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