Die Überalterung der Gesellschaft erfordert immer neue Ideen, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken - auch in Schönebeck und Calbe ist Kreativität gefragt. Die neuen Besuchs- und Entlastungsdienste des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes machen einen wichtigen Schritt in diese Richtung.

Schönebeck l Einsamkeit ist ein Problem, mit dem viele ältere Menschen zu kämpfen haben. Oft kommt tagelang als einziger Besuch eine Pflegekraft - und die hat meist nur ein paar Minuten Zeit, um ein bisschen mit den Bedürftigen zu reden.

Genau dieses Problem will der Kreisverband Schönebeck des Deutschen Roten Kreuz (DRK) nun bekämpfen. Die Lösung: "Wir wollen einen ehrenamtlichen Besuchsdienst etablieren", erzählt Kreisgeschäftsführer Guido Jurczyk. "Wenn wir den Menschen ein bisschen unserer Zeit schenken, machen wir ihnen damit eine große Freude", ist er sich sicher. Er macht aber auch deutlich, dass es bei dem Projekt keineswegs darum geht, fachliche Leistungen durch Ehrenamt zu ersetzen. "Vielmehr sollen die Ehrenamtlichen Leistungen erbringen, für die sonst niemand da ist. Trotzdem werden wir die Teilnehmer des Besuchsdienstes hinsichtlich Erster Hilfe und anderer, wichtiger Bereiche weiterbilden."

Die Aufgaben des Besuchsdienstes sind vielfältig. "Vor allem wollen wir aber Abwechslung in den Alltag von Pflegebedürftigen bringen und die Lebensfreude erhalten", so Barbara Meyer, Schwester beim DRK Schönebeck.

Die Ehrenamtlichen des Besuchsdienstes sollten ein paar Voraussetzungen mitbringen. "Sie sollten kontaktfreudig, zuverlässig, hilfsbereit und natürlich vorurteilsfrei sein", so Martina Risch, Altenpflegerin beim DRK. Sie ergänzt: "Die Häufigkeit der Besuche erfolgt nach Absprache, es sollte jedoch mindestens ein Besuch in der Woche stattfinden." Zudem ist ein regelmäßiger Austausch unter den Ehrenamtlichen geplant. Dieser soll nach Möglichkeit bei gemeinsamen Treffen stattfinden.

Zeitgleich zum Besuchsdienst des DRK startet der Malteser Hilfsdienst einen Betreuungs- und Entlastungsdienst für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Dieses sogenannte niedrigschwellige Angebot soll in Schönebeck und Calbe etabliert werden. "Wir bereiten uns damit auf den demografischen Wandel vor", sagt Katrin Leuschner, Diözesenreferentin der Malteser. Nachdem der ehrenamtliche Dienst in Städten wie Magdeburg oder Halle schon läuft, kommt der Dienst jetzt auch in die Fläche.

Was viele pflegende Angehörige nicht wissen: Für niedrigschwellige Angebote stellten die Pflegekasse Geld zur Verfügung. Das sind pro Betroffenem rund 100 bis 200 Euro. Deshalb bekommen die Ehrenamtlichen beim Malteser Hilfsdienst eine Aufwandsentschädigung gezahlt. "Allerdings starten wir in Schönebeck gerade bei null", sagt Patricia König. Als Verantwortliche stellt sie sich momentan den verschiedenen Vereinen vor. "Als unser wichtigster Ansprechpartner dient das Demenz-Netzwerk der Stadt", sagt sie.

Besuchsdienste stehen noch ganz am Anfang

Auch der Besuchsdienst des Deutschen Roten Kreuzes steckt noch in den Kinderschuhen. "Wir stehen mit dem Projekt noch ganz am Anfang. Aber ich bin mir sicher, dass wir es schaffen, noch mehr Ehrenamtliche für den Besuchsdienst zu gewinnen", so Guido Jurczyk. Allerdings haben sich beim DRK schon einige Freiwillige gemeldet (siehe Umfrage).

Wer Interesse hat, muss bei den Maltesern eine Schulung absolvieren. In 40 Stunden, die im Wochenendseminar absolviert werden können, lernen die Ehrenamtlichen, wie sie mit Angehörigen umgehen können, aber auch wie Demenzkranke aktiviert werden.

Die beiden neuen Angebote sollen sich übrigens nicht im Weg stehen. "In dem Bereich gibt es nichts schädlicheres als Konkurrenz und Ellenbogendenken", sagt Katrin Leuschner. Die Malteser gehen davon aus, dass es genug Bedarf für alle Angebote gibt. "In Calbe gibt es zum Beispiel noch gar kein niedrigschwelliges Angebot", so Leuschner.

 

Bilder