Im Laufe der Jahre ändert sich bei vielen Menschen die Sehstärke. Die Brille, die gestern noch optimal war, ist heute kaum noch zu gebrauchen. Wohin also mir ihr? In den Müll? Die Schönebeckerin Antje Knopf koordiniert ein Hilfsprojekt, durch das alte Brillen auf neuen Nasen landen, zumeist in Entwicklungsländern.

Schönebeck l Schon schade um die alte Brille. Das mögen sich viele Brillenträger sagen, die nach Jahren, in denen sie sich an das bisherige Gestell gut gewöhnt hatten, nun ein neues auf die Nase bekommen. Denn ihre Sehstärke hat sich verändert, deshalb muss eine neue Sehhilfe her. Die alte Brille wegwerfen? Oder in irgendeiner Wühlbox aufbewahren? Oder - dritte Möglichkeit: spenden und damit anderen Menschen etwas Gutes tun? Genau das ist möglich. Schon seit Jahren rufen unterschiedliche Hilfsorganisationen dazu auf, alte Brillen an bedürftige Personen in den Entwicklungsländern weiterzugeben. Das ist nicht neu. Neu ist im Altkreis Schönebeck, dass sich auch die Stadtbegrüner an diesem Projekt beteiligen. Stadtbegrüner sind Menschen, die sich ehrenamtlich unter anderem für ein schöneres Stadtbild einsetzen. Antje Knopf ist eine von ihnen.

"Ich versuche, so viele Sammelstellen wie möglich zusammenzufassen."

Die junge Frau machte kürzlich die Tippeltappeltour und klapperte infrage kommende Abgabe-, beziehungsweise Annahmestellen für alte Sehhilfen ab, also vor allem Optiker und Apotheken. "Mit der Initiative `WiederSehen - Perspektiven haben` versuche ich, so viele neue Sammelstellen und bereits bestehende Brillensammelprojekte wie möglich zusammenzufassen", zeigt sie ihre Idee zur Koordination auf. Was sie nun vorlegen kann, ist eine Liste mit bislang 16 Abgabestellen im Altkreis Schönebeck. An irgendeiner kommt jeder einmal vorbei, so dass der Aufwand gering und der Weg kurz bleiben, meint Antje Knopf. "Das ist auch mit dem Lions Club Schönebeck - Bad Salzelmen so abgesprochen", versichert sie und verweist damit auf eine Schönebecker Interessensgruppe, die sich, neben anderen Hilfsprojekten, schon lange auch das Sammeln alter Brillen auf die Fahne geschrieben hat.

Knapp 285 Millionen Menschen sind sehbehindert, weil ihnen einfach eine Brille fehlt.

Befragt zur eigenen Motivation, wehrt die Brillenträgerin ab. Ihr gehe es um die gute Sache. Und ja, sie wisse wohl über das Für und Wider des Projektes. Doch für sie überwiege ganz eindeutig das Für, betont die Schönebeckerin. Denn: "Es ist doch besser, wenn ein Mensch mit Hilfe einer Brille besser sieht als ohne." Außerdem hat sie sich kundig gemacht und weiß zu berichten, dass in den Empfangsländern die Brillen entsprechend den Bedürfnissen der Menschen aufgearbeitet werden. "Da steht nicht eine Kiste und jeder darf mal zugreifen", wehrt Antje Knopf eine mögliche Vorstellung ab. Sicherlich sei das qualitative Anpassen nicht zu 100 Prozent vergleichbar mit der Betreuung durch Optiker und Augenärzte hierzulande. Doch das könne kein Grund sein, gar nichts zu tun und nicht mehr benötigte Brillen einfach dem Müll zu überlassen.

"Ich möchte einfach konkret auf die Organisationen aufmerksam machen, die sich des Problems Sehbehinderung und Blindheit und deren Verhütung und Bekämpfung angenommen haben - nicht nur in den Entwicklungsländern." Denn laut Weltgesundheitsorganisation gebe es weltweit knapp 40 Millionen blinde Menschen, führt Antje Knopf weiter aus. Etwa 90 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern, wo im Vergleich zu den Industrienationen das Risiko einer Erblindung um ein Zehnfaches erhöht sei, heißt es in entsprechenden Berichten. Von den knapp 285 Millionen Sehbehinderten ist knapp die Hälfte sehbehindert, weil ihnen ganz einfach nur eine Brille fehlt. Und genau das ließe sich ändern, ist Antje Knopf überzeugt und ruft zur Brillen-Weitergabe auf.

Bilder