Michael Wunschink von der Ortsgruppe des Naturschutzbundes ruft morgen wieder zu einer Vogelstimmenwanderung auf. Die Gäste bewegen sich zu Fuß durch eine spannende Welt über ihnen.

BadSalzelmen l Schon bevor die eigentliche Vogelstimmenwanderung beginnt, sind die Teilnehmer mittendrin. Mittendrin im Gezwitscher. Der Treffpunkt, das Hexenhäuschen im Kurpark, ist ideal. Auf den vielen Bäumen, die drumherum stehen, tummeln sich die Frühlingsgäste. "Ihr seid zu früh", ruft Michael Wunschik, der die Wanderung leitet, scherzhaft gen Him- mel.

In diesem Jahr hat der Frühling sehr zeitig eingesetzt. Einige Vogelarten seien viel eher als sonst eingetroffen. "Für unsere Wanderung ist das gut, so können wir viel hören", sagt der leidenschaftliche Ornithologe, "gerade die Frühaufsteher unter uns wissen das, da wird ordentlich durcheinander gesungen."

Und dann startet sie offiziell, die abendliche Wanderung, bei der sich alle gern auf die Vogelstimmen konzentrieren. Zum Beispiel auf die Amsel und ihren flötenden Gesang. "Früher war die Amsel, die auch Schwarzdrossel genannt wird, ein ganz scheuer Waldvogel. Im Laufe der Zeit hat sie aber Einzug in die Städte gehalten", erklärt der Vorsitzende der Ortsgruppe Schönebeck des Naturschutzbundes (Nabu).

Dann hält Michael Wunschik inne, hebt den Zeigefinger. Alle lauschen. Und sehen im Geäst eines Baumes eine Blaumeise. Sie zeichnet sich durch ihr blaues Käppchen aus. "Die hohen Töne sind Kontaktrufe", erzählt er und lenkt gleich zur nächsten Stimme über. Es ist der harte Gesang eines Buchfinken. "Auch Finkenschlag genannt." Neben dem Buchfinken ist auch der Grünfink häufig bei uns anzutreffen. "Der Grünfink wird auch Schmutzfink genannt. Henry, weißt du warum?", gibt der Nabu-Mann den Ball an einen aufgeweckten Jungen weiter, der gemeinsam mit seiner Mutter Astrid Jabin und ausgerüstet mit Fernglas und Vogelbestimmungsbüchern an der Wanderung teilnimmt. Henry weiß es: "Die Jungen kacken auf den Nestrand. Dort türmt sich der Kot dann." Die Teilnehmer schmunzeln über die deutlichen Worte. Michael Wunschik pflichtet ihm bei: "Wenn Sie so ein markantes Nest sehen, dann können Sie sich ziemlich sicher sein, dass es zu einem Grünfinken gehört."

Henry Jabin ist begeistert bei der Sache. Wenn Michael Wunschik in sein Nachschlagewerk schaut, um den Teilnehmern den Vogel zeigen zu können, blättert Henry suchend in seinen zwei kleinen Büchern. "Er war schon immer naturbegeistert", sagt Astrid Jabin, "und wir haben das immer unterstützt." Es gebe kaum eine Aktion der Nabu-Ortsgruppe, bei der er nicht mit dabei sei. Ob Vogelstimmenwanderung, Kröten-Taxi oder Besuch in der Nachtigallen- oase. "Ich finde es einfach spannend. Die Natur ist so schön", sagt der Elfjährige. Er gibt aber auch zu, dass seine ganz besondere Leidenschaft den Amphibien gilt. Sein größter Wunsch: "Ich will mal Dino-Forscher werden, also Paläontologie studieren."

Von der Wanderung sind auch die anderen Besucher angetan. Michael Wunschik macht sie unter anderen aufmerksam auf Rotkehlchen - "Ein leiser, hochfrequenter Gesang, der ein bisschen perlt. Nur einen Teil davon kann unser menschliches Gehör wahrnehmen." -, auf Zaunkönig - "Kleine, kugelige Vögel, aber ein schmetternder Gesang." -, auf Ringeltaube -"Sie ist eine schlechte Nestbauerin. Sie legt sich Zweige parat und dann gleich die zwei Eier darauf. Das wird dann oft nichts."

Von Tag zu Tag werden nun mehr Vogelstimmen dazukommen. Deshalb bietet Michael Wunschik am Freitag, 25. April, ab 19 Uhr eine weitere Vogelstimmenwanderung an. Treff ist wieder am Hexenhäuschen im Kurpark Bad Salzelmen.