Schönebeck (vs) l Es ist ein Feuerwehreinsatz, der die Kameraden herausfordert. Als am Mittwochmorgen gegen 0.45 Uhr der Notruf eingeht, machen sich drei Schönebecker Feuerwehren - Tischlerstraße, Salzelmen und Felgeleben - auf den Weg in die Straße der Jugend. Später werden noch die Kameraden aus Ranies dazugeholt. Im fünften Obergeschoss steht eine Wohnung in Flammen. Keiner der Kameraden weiß zu diesem Zeitpunkt, was ihn in der brennenden Wohnung erwartet: Bewohner, die um ihr Leben kämpfen, und Tiere, die gerettet werden müssen?

"Als wir ankamen, brannte die Wohnung schon in voller Ausdehnung", berichtet gestern auf Anfrage der Volksstimme Feuerwehr-Abschnittsleiter Uwe Tandler. Ein Vollbrand im obersten Geschoss eines Plattenbaus ist auch für die Wehren keine leichte Aufgabe. Nach Aussagen des Abschnittsleiters haben die Flammen schnell die Zwischendecke zum Dach beschädigt. Überall in der unbewohnten Wohnung, die aber noch mit Gerümpel gefüllt ist, brennt es in voller Ausdehnung. "Nachdem wir das Feuer unter Kontrolle hatten, kontrollierten wir die Räume nochmals mit einer Wärmebildkamera. Dabei sahen wir, dass sich überall noch Glutnester befanden", so Uwe Tandler.

Am Ende des Einsatzes, das wird gegen 5.30 Uhr sein, steht im Protokoll der Feuerwehr, dass es einen Verletzten gab. Ein Feuerwehrmann musste mit leichten Verletzungen ins Klinikum gebracht werden.

"Das war eine klasse Zusammenarbeit." - Abschnittsleiter Uwe Tandler lobt die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte

Ingesamt waren mehr als 40 Helfer vor Ort: Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Rotes Kreuz. "Das war eine klasse Zusammenarbeit", lobt der Abschnittsleiter. Mit ingesamt zwölf Personen ist das DRK im Einsatz, sagt Kreisbereitschaftsleiter Andreas Krebs. Die DRK-Leute wurden um 2.50 Uhr alarmiert, um dem Auftrag nach für 23 Betroffene eine provisorische Notunterkunft zu schaffen. "Gott sei Dank hat sich der Großteil selbständig bei Freunden, Familien unterbringen können", berichtet Andreas Krebs.

So mussten die DRK-Leute schließlich nur eine betroffene Person in die Notunterkunft der Stadt in der Geschwister-Scholl-Straße bringen. "Diese Person wurde dann noch vom Kriseninterventionsteam betreut", sagt Andreas Krebs.

Ordnungsamt mit Bereitschaft am Einsatzort

Das Ordnungsamt der Stadt Schönebeck bestätigt die nächtliche Evakuierung. "Im Zuge des Rufbereitschaftsdienstes ist eine Mitarbeiterin des Amtes in der Nacht informiert worden und trifft am Mittwoch gegen 1.20 Uhr am Ereignisort ein", berichtet Ordnungsamtsleiter Waldemar Liedicke.

"Wir haben konkrete Hinweise." - Polizeichef Stephan Weiß zur Täterfrage

Von den melderechtlich in dem Hauseingang erfassten 38 Personen seien lediglich 23 Personen vor Ort gewesen. Diesen Bewohnern wird durch die Ordnungsamtsmitarbeiterin eine vorübergehende Unterbringung angeboten. "22 Personen haben sich selbst helfen können und kamen bei Verwandten und Bekannten wohl unter. Eine Person wurde lediglich für eine Nacht in einer Einrichtung der Stadt Schönebeck aufgenommen."

Zeitgleich mit der Versorgung der Hausbewohner setzten erste Ermittlungen der Polizei ein. Noch in der Nacht verdichten sich Hinweise, dass es sich bei dem Wohnungsbrand vermutlich um Brandstiftung gehandelt haben könnte. Die Polizei möchte sich aber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Nur so viel: "Wir haben konkrete Hinweise, die wir nun verifizieren müssen", sagt Stephan Weiß, Revierleiter der Polizei in Schönebeck. Am Tatort selbst sind Mittwochnacht sechs Beamte gewesen.

"Keine Verbindung zu den Bränden in Calbe."
- Polizeichef Stephan Weiß zu den Ermittlungen

Höchstwahrscheinlich suchen die Schönebecker Polizisten nach einem Brandstifter, denn "Selbstentzündung schließen wir aus". Und Weiß ist sich zudem sicher: "Dieser Brand kann nicht in Verbindung mit den Fällen in Calbe gebracht werden."

Vermieter erstattet Anzeige gegen einen Bewohner

Deutlicher als die Polizei wird die Hausverwaltung. Der Neubaublock nahe der Maxi-Gorki-Schule gehört der One Immo Berlin GmbH. "Für uns ist klar: Das war Brandstiftung", sagt Geschäftsführer Norbert Blaschke im Volksstimme-Gespräch. Der Vermieter zeigt sich überzeugt, dass der Täter zur Hausgemeinschaft gehört, dass es der Bewohner selbst ist. Er nennt sogar Namen (gegenüber der Redaktion) und viele Anhaltspunkte, die aus Sicht seines Unternehmens für ein gelegtes Feuer sprechen. So hat es bereits viermal in diesem Haus gebrannt. Immer seien den Feuern Kündigungen der Wohnungen vorausgegangen, die angenommen, dann aber nicht eingehalten wurden. Zuletzt am 14. April. Stattdessen gab es Flammen.

Starke Hitzeentwicklung bei Feuer in der Wohnung

"Uns haben die Feuerwehrleute jetzt bestätigt, dass das Feuer eine enorme Hitze entwickelt hat. Aus unserer Sicht könne da nur Brandbeschleuniger im Spiel gewesen sein." In der Wohnung war lediglich alter Unrat. "Alle persönlichen Dokumente wurden vorher rausgeholt. Wer wenn nicht der Bewohner sollte daran ein Interesse haben?", fragt Norbert Blaschke.

"Wir haben Anzeige erstattet." - Norbert Blaschke von der Wohnungsverwaltung

Nach Aussagen der Hausverwaltung sei der vermutliche Täter polizeibekannt. So haben Leute aus seinem Bekanntenkreis vor zwei Wochen die Wohnungstür eingetreten. Sie wurde bis zum Feuer nicht wieder eingesetzt, so dass der Wohnraum frei zugänglich war. Bisher habe man seitens des Vermieters nicht reagiert, weil bisher immer wenig Schaden entstanden sei. Jetzt rechnet die Immo Berlin GmbH nach ersten Schätzungen aber mit einem Sachschaden von über 100 000 Euro. "Wir haben Anzeige gegen den Mieter erstattet", sagt Norbert Blaschke. Die Immo Berlin GmbH war ebenfalls in der Brandnacht mit ihrem Mieterservice vor Ort, über die Versicherung soll der Schaden nun beglichen werden. Das Unternehmen betreut insgesamt 282 Mieter in der Straße der Jugend.