Die Einheitsgemeinde Barby fordert politische Entscheidungsträger und den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) zum "Umdenken in der Grundwasserproblematik" auf. Verschiedene Schreiben erreichten die Adressaten Ende vergangener Woche.

Barby. In der öffentlichen Bürgerversammlung von Gnadau kurz vor Weihnachten machten die Betroffenen mit harschen Worten Druck. Auch Pömmeltes Ortsbürgermeister Thomas Warnecke forderte die Verwaltung in einer Themenrunde dazu auf, klar Stellung zu beziehen und Maßnahmen zu ergreifen. Nicht nur in vielen Kellern Gnadaus und Wespens wird rund um die Uhr gepumpt, mittlerweile auch in zahlreichen Pömmelter Häusern.

Die Einheitsgemeinde Barby reagierte jetzt geballt auf diese Forderung: Mit Postausgang vom 4. Januar gingen Schreiben an den Flussbereich Schönebeck des LHW, an Landrat Ulrich Gerstner (SPD) und an die Landesregierung heraus.

Im Auftrag von Bürgermeister Jens Strube (parteilos) – er wird gegenwärtig infolge Krankheit von Amtsleiterin Karin Knopf vertreten – fordert die Stadt den LHW zu einem "Umdenken in der Grundwasserproblematik" auf. In dem Brief heißt es: "… wir bitten um kurzfristige Maßnahmen, die zur Entlastung der Grundwasserstände in den Kellern … führen." Dazu zählt die "Wiederherstellung des alten Grabensystems". Konkret ist die Rede von zugeschütteten Gräben zwischen Gnadau und Schönebeck sowie am Iritzer Busch bei Wespen.

"Dass Sie sich der Problematik annehmen und zur Chefsache erklären"

"Weitere alte Grabenführungen, die heute … nicht mehr vorhanden sind, sind Ihnen bekannt und sollten ebenfalls wieder hergestellt werden", heißt es ferner.

Gefordert wird zudem der Einsatz zusätzlicher Pumpen zur "kurzfristigen Entspannung der Grundwassersituation".

Das Schreiben an Landrat Ulrich Gerstner erinnert an die Havarie in den Gnadauer Anstalten. Dort musste in der Neujahrsnacht die Feuerwehr anrücken, weil das Wasser zu einem Kurzschluss in der Notstromanlage geführt hatte. Auch das externe Abpumpen des Abwasserzweckverbandes infolge Fremdeinleitungen – die Tageskosten belaufen sich auf bis zu 4000 Euro – und die finanzielle Belastung der Bürger durch Privatpumpeneinsatz, werden angeführt.

"Die Stadt Barby hat Landespolitiker … eingeschaltet, bittet aber auch darum, dass Sie sich der Grundwasserproblematik annehmen und zur Chefsache erklären", wird der Landrat höflich aufgefordert.

Schreiben mit ähnlichem Wortlaut erreichten auch Landwirtschaftsminister Onko Aeikens (CDU) und Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). Darin ist prozentual erfasst, wieviele Grundstücke in den jeweiligen Orten betroffen sind: Wespen 90, Gnadau 40 und Pömmelte 50 Prozent.