Kuchen isst er gerne. Schokolade nicht minder. Hin und wieder ein Schnäpschen ist ihm recht. Von seinem Zimmer aus beobachtet er gerne die Tauben, ganz ohne Brille. Nur mit dem Gehör klappt es nicht mehr so wie früher: 104 Jahre ist Otto Schäfer geworden. Er ist damit wohl der älteste Schönebecker. Gestern besuchte ihn Oberbürgermeister Bert Knoblauch.

Schönebeck l "Jetzt kommt der Oberbürgermeister", raunt Bernd Schäfer seinem Vater laut ins Ohr. Der Angesprochene steht auf und geht Bert Knoblauch zwei Schritte entgegen, freundlich lächelnd. Mit einer rührenden Geste legt Otto Schäfer seine Hand als Willkommensgruß auf den Arm des Gemeindechefs. Der ist sichtlich ergriffen. "Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute zum Geburtstag", sagt Bert Knoblauch und fügt hinzu: "So einen Geburtstag wie den Ihren habe ich nicht oft."

104 Jahre ist Otto Schäfer geworden. Als er das Licht der Welt erblickte, regierte in Deutschland noch Kaiser Wilhelm II. Aufgewachsen ist der Jubilar bei Pflegeeltern in Magdeburg, berichtet sein inzwischen 73-jähriger Sohn Bernd Schäfer. Viele Jahre arbeitete Otto Schäfer als Schmied in den Neinstedter Anstalten, einer evangelischen Einrichtung nahe von Quedlinburg. Eine harte Arbeit, der er lange nachging, bevor er Verkaufsleiter in einem Lebensmittelgeschäft (Konsum) wurde. Bis zum 70. Lebensjahr stand Otto Schäfer in Lohn und Brot, lebte bis zum 95. Lebensjahr in einer kleinen Wohnung. 2005 erst erfolgte der Umzug in den Burghof, der Schönebecker Alten- und Pflegeeinrichtung der Diakonie.

"Damals hat er noch so manches Tänzchen aufs Parkett gelegt", zeigt sich Burghof-Vorsteherin Annett Lazay begeistert von Schönebecks wahrscheinlich ältestem Einwohner. "Er war der Grand Charmeur des Hauses, hatte immer ein tadelloses Benehmen, immer anständig", lobt Annett Lazay. Erst in den vergangenen zwei Jahren habe die Fitness dann doch etwas nachgelassen.

Zu den Gratulanten gehören auch Meta Böhnke und Barbara Lindstedt von der Ortsgruppe Esebeckstraße der Volkssolidarität. Hier war Otto Schäfer viele Jahre aktiv dabei.

Zu seiner Familie gehören neben Bernd Schäfer ein bereits verstorbener zweiter Sohn sowie zwei Enkel und zwei Urenkel. Bernd Schäfer besucht seinen alten Herren jeden zweiten Tag. Gegenüber der Volksstimme würdigt Annett Lazay: "Das finde ich wirklich vorbildlich. Einige unserer Bewohner bekommen leider überhaupt keinen Besuch, obwohl sie Familienangehörige haben."

Oberbürgermeister Bert Knoblauch nimmt sich trotz diverser anderer Termin Zeit für das Geburtstagskind, verzichtet sogar auf ein Mittagessen. "Bis zum 111. Geburtstag kann ich Ihnen gerne jährlich gratulieren", sagt er lächelnd. Dann nämlich endet Knoblauchs Wahlperiode.