Seit jeher wird in der Schule geschummelt und gespickt. Das wissen auch Ulrich Plaga vom Schönebecker Hermann-Gymnasium und Rüdiger Gröber von der Sekundarschule "Am Lerchenfeld". Beide Schulleiter geben Einblicke in die "Welt des Spickens".

Schönebeck l "Ein Schüler hat in den vier Kurshalbjahren der elften und zwölften Klasse vier Klausuren in Französisch doppelt geschrieben - immer für einen Mitschüler mit", erzählt Dr. Ulrich Plaga, Schulleiter des Schönebecker Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums. Das ist das krasseste Beispiel in Sachen Spicken, das ihm in seinem Lehrerdasein jemals untergekommen ist. Das ist aber bereits vor vielen Jahren gewesen, als er noch an einer anderen Schule unterrichtete.

Natürlich war das nicht die einzige Schummelaktion von Schülern, die der Lehrer erlebt hat. "Schummelzettel sind natürlich etwas, was man bis heute immer mal wieder findet." An besonders kreative Sachen erinnert er sich gerade aber nicht.

Auch er selbst war nicht sehr erfinderisch. "Aber auch ich habe als Schüler mal gespickt", gesteht er. "Kreativ war ich da nicht. Ich habe mir mal was auf die Hand geschrieben. Aber nicht zum Abitur, das möchte ich be- tonen", erzählt Plaga lachend.

Darauf legt der jetzige Schulleiter wert, denn natürlich sei es ein wesentlicher Unterschied, ob man bei einem Test, einer Klausur oder gar bei den Abiturklausuren spicke und natürlich in welchem Umfang. "Hier kann dann ganz unterschiedlich mit der Situation umgegangen werden, wenn ein Schüler erwischt wird", ist er der Meinung. "Beim Abitur habe ich bisher noch nie erlebt, dass jemand gespickt hat", erzählt er weiter. "Dies würde in der Regel Null Punkte bedeuten. Allerdings könnte der Schüler sich durch die mündliche Prüfung retten, so dass er das Fach noch besteht. Denkbar wäre aber auch, dass er dadurch das ganze Abitur aberkannt bekommt. Man müsste dies von Fall zu Fall betrachten."

Als Religionslehrer thematisiert er das Thema Spicken auch gerne einmal mit seinen Schülern. "Die Frage, ob es rechtlich falsch ist, jemanden abschreiben zu lassen, ist klar zu beantworten. Aber wie sieht es denn moralisch aus? Ist man ein schlechter Mensch und ist es verwerflich, wenn man jemandem hilft?", stellt Ulrich Plaga abschließend in den Raum.

"Klar habe ich gespickt, wer hat das nicht gemacht?", gesteht auch Rüdiger Gröber, Schulleiter der Schönebecker Sekundarschule "Am Lerchenfeld", lachend. "Aber besonders fantasievoll war ich da nicht gerade", gibt er zu. "Mal ein Zettel im Etui oder etwas in die Hand Geschriebenes." Früher, zu seiner Schulzeit, wie auch heute bei seinen Schülern, ist eine Sache gleich geblieben: "Erwischen lassen sollte man sich nicht", so Gröber.

Natürlich ist er sich bewusst, dass an seiner Schule geschummelt wird. "Ich denke, man kann davon ausgehen, dass es immer passiert. Die Schüler tricksen einen regelrecht aus." Wird jemand von ihm erwischt, "hagelt" es eine Sechs. "Aber in der nächsten Stunde gebe ich dem Schüler die Chance, die Sechs wieder auszugleichen - sie sollen ja nicht zeigen, was sie nicht können, sondern das, was sie können!"

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