Mit einem feierlichen ersten Spatenstich hat gestern die Rekonstruktion der historischen Kreisgrabenanlage zwischen Schönebeck und Pömmelte begonnen. Hiesige Politiker verbinden mit ihr die Hoffnung auf eine deutliche touristische Aufwertung der Region.

Schönebeck l Als Helmut Ibsch gestern Mittag um 13 Uhr pünktlich am Flugplatz Zackmünde ankam, musste er erst noch einen flotten Fußmarsch einlegen. Dem Mann vom Vorstand der Salzlandsparkasse kam zugute, dass er durchtrainiert ist. Denn jetzt musste es schnell gehen. Das Gros der Offiziellen und Gäste war zu diesem Zeitpunkt bereits zum Ort des Geschehens vorgedrungen und harrte einem feierlichen Moment entgegen. Doch Landrat Ulrich Gerstner (SPD) wartete mit seiner Begrüßung auf Helmut Ibsch. Denn die Salzlandsparkasse gehört zu den Sponsoren eines außergewöhnlichen Projektes, das gestern mit einem ersten Spatenstich seinen Anfang nahm. In der Feldeinsamkeit zwischen Schönebeck und Pömmelte wird eine sogenannte Kreisgrabenanlage aufwändig rekonstruiert (Volksstimme berichtete mehrfach). Was bisher rein theoretisch war, nimmt nun also konkrete Züge an.

Dazu muss gesagt werden, dass es sich bei der von Archäologen 2006 freigelegten, mehr als 4000 Jahre alten Kreisgrabenanlage um einen historischen Bereich handelt, den die Menschen, die hier während der frühen Bronzezeit lebten, als Kultstätte genutzt haben. Vergleichbar ist das Rund mit seinen 115 Metern Durchmesser mit dem englischen Stonehenge. Deshalb wird die Schönebeck-Pömmelter Anlage (eine zweite Anlage ist 1,6 Kilometer entfernt entdeckt worden) von Fachleuten auch als mitteldeutsches Stonehenge bezeichnet.

Auf die geschichtliche Bedeutung wies denn auch Dr. Alfred Reichenberger vom Landeamt für Denkmalschutz und Archäologie mit Sitz in Halle hin. "Das Projekt ist ein Kind der Himmelsscheibe von Nebra", sagte er. Denn infolge der damaligen Entdeckung begannen die geomagnetischen Untersuchungen der Archäologen. Im Ergebnis entdeckten sie auf Flugbildern die Strukturen der Anlagen, die sich aufgrund der Zersetzungen der verwendeten Baumstämme im Erdboden wie in die Landschaft eingebrannt haben.

Ausgrabungsleiter André Spatzier hat inzwischen seine Doktorarbeit zu den Ausgrabungen geschrieben und erst vor wenigen Tagen mit summa cum laude verteidigt.

Große Hoffnungen verbindet Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) mit der Rekonstruktion, die aus vier Palisadenreihen von Robinienstämmen, einem Graben und einem Wall bestehen und die Ende 2015 abgeschlossen sein soll. "Wir erhoffen uns eine überrregionale Bedeutung und eine bessere Anbindung des alternativen Elberad- weges", sagte er auch im Namen der Stadt Barby, auf deren Hoheitsgebiet die Anlage stehen wird. Knoblauch verknüpft mit dem Projekt eine Zunahme touristischer Besuche. Für die gesamte Region sei das eine große Chance.

Nicht anders lautet die Einschätzung durch die Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt sowie Wirtschaft. Die Kreisgrabenanlage soll - als dann nördlichster Punkt - in das touristische Konzept der Himmelswege Sachsen-Anhalt aufgenommen werden.

Eine Quedlinburger Firma wird nun mit dem Platzieren der Baumstämme beginnen und diese Arbeit im Herbst abschließen, wie der Wirtschaftsförderer des Salzlandkreises, Tilo Wechselberger, erläuterte. Entstehen soll auch eine Aussichtsplattform. Dafür werde es einen Architekturwettbewerb geben. Das Projekt kostet insgesamt rund zwei Millionen Euro.

   

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