Schönebeck l Markus (Name von der Redaktion geändert) macht einen lebendigen Eindruck. Ein paar Zähne fehlen ihm, er wirkt dennoch gepflegt. Was aus seinem Mund kommt, will nicht recht zu seiner Erscheinung passen. "Ich träume momentan wieder vom Alkohol", sagt er zu Karin Bock, die ihm im Beratungszimmer bei der Suchtberatung gegenüber sitzt. Markus hat seit einem Jahr nicht mehr getrunken und keine Drogen genommen.

Der 32-Jährige hat, wie fast alle Süchtigen, die bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Hilfe suchen, einen langen Leidensweg hinter sich. Neben dem täglichen Rausch betäubte er sich an den Wochenenden mit Kokain.

Angefangen hat alles, als Markus 15 war. Zur Jugendweihe gab es den ersten Kontakt zum Alkohol. "Gleichzeitig habe ich auch angefangen zu rauchen, hat ja damals jeder so gemacht", sagt er. Mit 17 Jahren begann Markus mit den Drogen. Zuerst Cannabis, dann Ecstasy. Später kamen dann Amphetamine und Kokain dazu.

"Das war aber eigentlich immer kontrollierter Konsum", sagt Markus heute. Seine Ausbildung musste er kurz vor Schluss abbrechen. Auch ohne den Abschluss - Markus hat immer gearbeitet. Im Alter von 23 Jahren verstarb ein geliebtes Familienmitglied - an Alkoholsucht.

Zuerst schraubte Markus seinen Konsum herunter, wie er sagt. Aber es verging auch kein Tag ohne. "Das hat mir ja auch immer Spaß gemacht und körperliche Probleme hatte ich auch nicht", sagt er. Jeden Tag Bier bis zum Rausch, an den Wochenenden chemische Drogen, je älter Markus wurde, desto mehr steigerte sich dann sein Konsum.

"Ich habe mich vor, während und nach dem Konsum schlecht gefühlt."

"2011 ist mir dann bewusst geworden, dass ich abhängig bin", sagt der 32-Jährige. Der Auslöser dafür war ein guter Freund, der in Therapie gegangen ist. Fortan beherrschte die Sucht das Leben von Markus. "Ich habe mich vor, während und nach dem Konsum schlecht gefühlt", sagt er. Soziale Probleme habe es nicht gegeben. Ein Teil der Sucht war allen Bekannten und Freunden von Markus bekannt. "Ich habe immer gesagt, dass ich es unter Kontrolle habe."

Dabei trank er zu dieser Zeit auch schon auf der Arbeit. Im Februar 2013 dann der Zusammenbruch. "Mein Chef hat mich angesprochen, was mit mir los ist. Da bin ich in Tränen ausgebrochen", sagt Markus. Der Chef hat sich um alles Weitere gekümmert. Er hat Markus zur Awo-Suchtberatung gebracht. "Ich bin dann erstmal zur Entgiftung nach Elbingerode gekommen. Da wurde mir schnell klar, dass ich auf jeden Fall eine Therapie brauche", sagt Markus. Das war im April 2013. Seitdem hat er viel über sich gelernt. "Trotzdem muss ich immer daran denken, welcher Weg hinter mir liegt", sagt der 32-Jährige. Heute hat Markus seine Vergangenheit aufgearbeitet und festgestellt, welche Spuren der Verlust des Familienmitglieds bei ihm hinterlassen hat.

"Ob ich rückfällig werden kann, weiß ich nicht. Momentan glaube ich nicht daran", sagt er. Partys, auf denen konsumiert wird, vermeidet er. Den Kontakt zu alten Freunden hält er aber nach wie vor. Auch seiner Arbeit als Montage-Arbeiter geht er noch immer nach. Eine Selbsthilfegruppe kommt daher nicht für ihn in Frage. Markus scheint, als hätte er seine Sucht im Griff.