Calbe l "Es ist ein historischer Moment", begrüßte Pfarrer Wolfgang Wenzlaff sichtlich begeistert die Gäste. Eine derartige Veranstaltung habe es in der jahrhundertelangen Geschichte der mächtigen Stadtkirche noch nicht gegeben. Als "Hausherr" dieses ersten Kabarett-Abends in St. Stephani sprach er angesichts gefüllter Kirchenbänke von einem "erhebenden Gefühl."

Binnen kürzester Zeit, nachdem Sebastian und Tobias Hengstmann auf die schlicht gehaltene Bühne traten, hatten sie die Sympathie des Publikums bereits auf ihrer Seite - auch, weil ihr Wohnort Egeln wie die Saalestadt im schönen Salzlandkreis liegt. Was im mittlerweile zehnten Programm der Brüder mit dem Namen "D-Kadenz" folgte, war ein furioser Rundumschlag auf die gesättigte und bequeme Wohlstandsgesellschaft. So erhielten bekannte Discounter und der Bio-Sprit ebenso eine verbale Breitseite verpasst, wie die Bürger selbst, denen das eingespielte Duo mit Wortschöpfungen wie "Mofa" - halb Mensch, halb Sofa - den Spiegel vorhielt.

Kanzlerin Merkel gleicht einem Teflon-Wok

Die beiden skizzierten einen Dämmerzustand in einem wohlhabenden Land, den sich die gegenwärtige Politik gern zunutze mache. Euro-Krise? Langweilig und überhört. Zu weit weg. Wer versteht das schon? An Kanzlerin Merkel perle als "Teflon-Wok" sowieso alles ab. Gut das es da das Internet gebe. Darin teilten sich Unzählige in abstrusen Abkürzungen mit, doch keiner habe wirklich etwas zu sagen. Mit Blick auf ihre Smartphones sorgten die jungen Kabarettisten mit einem temporeichen Dialog für laute Lacher im Publikum. Begeisterung löste weiterhin eine glänzende Parodie auf die DDR-Komiker Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil aus. In rund zwei Stunden zeigten die Hengstmannbrüder auch musikalisch hohes Niveau.

"Diese Veranstaltung war eine Premiere und ein Experiment", sagte Susanne Giest von der Orgelprojektgruppe, als sie nach dem Programm auf die Bühne kam. "Ob es gelungen ist, müssen Sie entscheiden."

Publikum spendet kräftig Applaus

Das Publikum quittierte ihre Aussage sofort mit kräftigem Applaus, obwohl in der Spielpause ein Profi-Techniker bei der Lautsprecheranlage nachjustieren musste. "Die Akustik für das gesprochene Wort ist in St. Stephani eine Herausforderung", sagte Giest, die mit der Kirchgemeinde den Abend als Auftakt für weitere Kulturveranstaltungen im Gotteshaus betrachtet.

Mit großer Anerkennung dankte sie den Organisatoren der Schachabteilung der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Calbe um Klaus Krausholz. Sie hatten es bereits vor der Veranstaltung geschafft, zahlreiche Besucher bei Imbiss und Getränken auf den Kirchplatz zu locken.

Die Marke "Kultur in Stephani" ist mit dem Kabarettabend am Freitag wieder eindrucksvoll mit Leben erfüllt worden und lässt auf weitere Veranstaltungen in Calbes Zentrum hoffen.

   

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