Großmühlingen l Spätestens seit Sergei Prokofjews musikalischem Märchen "Peter und der Wolf", in dem das Fagott den Großvater musikalisch nachempfindet, haftet dem imposanten Holzblasinstrument ein etwas behäbiges Image an. Der warme sonore Klang als Ausdruck des Altväterlichen. Fagott kann aber auch ganz anders. In Großmühlingen haben das jetzt echte Könner bei einem Konzert in der Petrikirche bewiesen. Auf Einladung des Kirchbauvereins gastierten "Die vier Grobiane" - mit einer Dame hier. Das sind Rudolf Reichwald, Michael Döringer, Herwart Schenk, Roland Keilhoff und Annett Gerchel. Die Interpreten, allesamt entweder Musiker oder Mediziner, haben sich einem besonderen Instrument in einer besonderen Besetzung verschrieben. Dem Fagott im Fünferpack.

Dass es für ein solches Ensemble kaum Originalrepertoire gibt, lässt die Grobiane samt Dame nicht eingeschüchtert zurück. Im Gegenteil: Die Instrumentalisten suchen sich Musik, die Spaß macht, und schreiben sie sich auf den Leib. So entstehen unterhaltsame Programme, die mit Arrangements klassischer und moderner Musik aufwarten, die keine Grenze zwischen U- und E-Musik kennen. In Großmühlingen wechselten sich beispielsweise Bearbeitungen von Werken Felix Mendelssohn Bartholdys oder Dmitri Schostakowitschs mit selbst gesetzten Interpretationen von "Mein kleiner grüner Kaktus" oder "Ich wollt, ich wär ein Huhn" ab.

Festlich ein intradenartiges Einleitungsstück aus der alten Musik, warm und rund der Klang des Fagottensembles. Dann wieder keck-nasale Tongebungen bei "Swinging Bassons". Immer zeigten sich die "Grobiane und Dame" beweglich und in ihre Stücke eingefühlt.

Selbst wenn Fagotte plappern können, die Musik wurde beim Mühlinger Konzert durch Worte ergänzt. Schauspieler Norman Schenk trug Gedichte seines Vaters und Ensemblemitglieds Herwart Schenk vor. Die drehten sich leicht und unterhaltsam besonders um die facettenreiche Medizin, um das Leben, um die Ehe. Manchmal rührend, aber immer zum Lachen animierend.

"Die vier Grobiane" konzertierten bereits zum vierten Mal in St. Petri. "Sie haben ihr Stammpublikum", sagt Ellen Kralisch, Vorsitzende des Kirchbauvereins. Mit Angeboten wie den Konzerten wollen die Ehrenamtlichen Kultur im Dorf und der Gemeinde anbieten, auf ihre Arbeit aufmerksam machen und alle Generationen zur Begegnung in der Kirche zusammenführen.

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