Seine Salzgeschichte hat Schönebeck geprägt. Nun hat alles rund um das "Weiße Gold" ein echtes Schmuckkästchen gefunden. Das umgestaltete Salzlandmuseum ist seit Sonntag wiedereröffnet. "Salzspüren" ist das Motto der Dauerausstellung.

Schönebeck l Damit hat die "Putzfrau" des Salzlandmuseums nicht gerechnet. Gerade ist das Treppenhaus gewischt, der Staub runter von den Vitrinen. Da stehen hunderte Besucher vor der Tür. Und wollen rein! Nicht nur, weil Weltmuseumstag ist. Sondern es gilt das neu gestaltete Salzlandmuseum in Besitz zu nehmen. Für diesen feierlichen Augenblick haben sich das Team des Hauses rund um Leiterin Petra Koch und die Mitglieder des Museumsfördervereins jede Menge einfallen lassen. Es gibt ein Rahmenprogramm mit Musik der Kreismusikschule, mit Lesungen, mit szenischen Anspielen in den einzelnen Ausstellungsräumen.

"Wir wollen aus dem Rahmen fallen."

Das alles ist wunderbar passend, doch am Sonntag geht es zuallererst um den Rahmen, um das Haus selbst. Das zeigt sich frisch saniert und wohlgeordnet. "Wir haben die Salzgeschichte und die Geschichte der Elbschifffahrt in den Mittelpunkt gerückt", erklärt Petra Koch. Sie führt hunderte Gäste am Eröffnungstag durch die Räume. Die komplette Ausstellung ist neu konzipiert, die Exponate werden modern präsentiert. Vieles steht bestens beleuchtet hinter Glas, die Vitrinen sind in schräge Wandvorbauten eingelassen. "Wir wollen aus dem Rahmen fallen", so die Museumsleiterin. Die Besucher selbst sind gefordert, Informationen gibt es auf ausschiebbaren Tafeln und Monitoren. Anfassen ausdrücklich erlaubt! Die Ausstellung als Sinneserfahrung, Geschichte erlebbar.

Dass sich das Museum in dieser Gestalt einer breiten Bevölkerung öffnen kann, dazu hat es vieler Ideen, Mut, Kraft und Geld gebraucht. Im Festakt zur Museumseröffnung - bedeutungsträchtig in der Pfännerkirche St. Johannis veranstaltet - ist das immer wieder angeklungen. Olaf Busch, Chef des Museumsfördervereins, fand dafür schöne Worte. "Eine solche Museumsneugestaltung gelingt nur in der Symbiose von Idealismus, konstruktiven Partnern und finanziellen Mitteln." Die Fördervereinsleute und der ehemalige Museumsleiter Rüdiger Radicke hätten Visionen gehabt, der Kreis hätte diese Ideen geteilt und mit der neuen Leiterin Petra Koch, dem Landesmuseumsverband, dem Landesamt für Denkmalpflege, mit Expertenrunden und dem persönlichen Engagement vieler sei ein umsetzbares Konzept entwickelt worden.

Das alles musste bezahlt werden. Der Förderverein sei, so Olaf Busch, seit 2010 Träger aller Finanzgebaren. "Antrag, Dokumentation, Abrechnung - das ist viel für ehrenamtliche Schultern." Der Idealismus der Museumsfans im Verein sei oft auf eine harte Probe gestellt worden, ging aber niemals verloren. "Das Ergebnis macht stolz: Wir haben eine Präsentation, die sich abhebt und die Akzente setzt", so der Fördervereinsvorsitzende. Petra Czuratis, die als Fachbereichsleiterin im Salzlandkreis für Bildung und Kultur zuständig ist, nennt eindrucksvolle Zahlen im Zusammenhang mit der Museumsneufassung. Das Projekt habe rund 391 000 Euro gekostet. 70 Prozent der Kosten sind vom Land Sachsen-Anhalt beigesteuert worden.

"Erkenntnisse zugänglich machen."

Der Landkreis ist mit 91 000 Euro im Boot. Sieben Prozent Eigenanteil hat der Museumsförderverein mit kleinen und großen Aktionen - Pfännerfesten, Weihnachtsmärkten, Museumsnächten - zusammengetragen. Das Haus sei in der Bauzeit rund sechs Monate geschlossen gewesen, so Petra Czuratis. Doch es gab auch in dieser Zeit ein "abgespecktes Programm", mit Vorträgen und Spezialführungen. "Museen sammeln gezielt, um Erkenntnisse zu gewinnen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen", sagt die Dezernentin. Unter dieser Maßgabe gehöre ein gut aufgestelltes Museum unbedingt in die "Bildungslandschaft Salzlandkreis". Petra Czuratis wünscht dem Haus deshalb viele Besucher, einen festen Platz neben der kreislichen Bildungsakademie mit Musik- und Kreisvolkshochschule.

Professor Harald Meller vom Landesmuseum für Vorgeschichte, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, ist "um die Kultur im Salzlandkreis nicht bange". Er hebt die Bedeutung der Regionalmuseen hervor. Besonders im Osten der Republik, und besonders in Sachsen-Anhalt. Denn inmitten dieser dichten und einzigartigen Kulturlandschaft seien früh Häuser entstanden, in Schönebeck im September 1924. "Die Bestände dieser Häuser sind Teil der regionalen Identität und für den Nachwuchs identitätsstiftend." Als außerschulischer Lernort, eine Erfahrung die jeder aus seiner Kindheit kenne, sei ein Museum unverzichtbar.

Harald Meller bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, dass das Museum schon bald eine Verbindung zur Kreisgrabenanlage Pömmelte/Schönebeck herstellt und so zum besonderen Anlaufpunkt innerhalb der sachsen-anhaltischen Museumsroute "Himmelswege" wird.

"Bestände sind Teil der regionalen Identität."

Der Experte dankt besonders Gunnar Schellenberger, der als Landtagskulturausschusschef und Schirmherr des Museums die Bauvorhaben von Anfang an begleitete, Partner für die inhaltliche Diskussion zusammenführte und finanzielle Unterstützung akquirierte. "Das ist wirkliche Kulturpolitik, wenn man es versteht, für eine Sache zu vereinnahmen."

@066n Twitter Co.:Weitere Bilder im Internet: www.volksstimme.de/schoenebeck

   

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